Musikalisches Gebet

Eine faszinierende, berückende Musik von Olivier Messiaen für eines der ersten elektronischen Instrumente, die Ondes Martenot. Nicht nur, dass die Musik sehr gut ausdrückt, wie beten sich anfühlt, sondern sie erhebt das Herz auch zum Gebet, wenn einem mal nicht danach ist!




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Mund halten…

…wenn der Dirigent spricht!

Kennt ihr solche Tage? Da bringt euch die geringste Kleinigkeit auf die Palme? Nun ja, manche Menschen gehen besser mit ihren Emotionen um als andere. Der Dirigent in diesem Video gehört eher zu den anderen:



P.S.: Dank an Marcel für das Video!


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Zum 300. Geburtstag von Pergolesi

Mit nur 26 Jahren verstarb der vor 300 Jahren geborene Giovanni Battista Pergolesi, einer der wichtigsten Komponisten des Barock. Vor allem seine letzte Komposition, das „Stabat Mater“, machte ihn unsterblich:




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MusicMonday: Bethlehem op. 8

Oje, seit einem Monat habe ich keinen MusicMonday-Beitrag mehr veröffentlicht, wie ich soeben feststellen musste. Wahrscheinlich werden diese Beiträge im kommenden Jahr auch nicht mehr wöchentlich, sondern alle 2-4 Wochen erscheinen. Sonst gehen mir irgendwann die Aufnahmen aus. ;-)

Beim Durchsuchen meines Archivs habe ich eine alte Komposition von mir gefunden, die gut in die Weihnachtsoktav passt:
Bethlehem op. 8, das ich in der Weihnachtszeit des Jahres 1998 geschrieben habe, wenn ich mich recht erinnere.

Die recht einfache, aber sehr innige Komposition besteht aus 3 Teilen. Im ersten Satz schauen wir verzückt auf das Christkind, das unsere Herzen erleuchtet und erwärmt. Im zweiten Teil sehen wir den Heiland mit den Augen der drei Weisen, während wir im letzten Satz die zärtliche Liebe hören, die die Muttergottes und der heilige Josef für das Jesuskind empfinden.

Bethlehem op. 8  by  davidianni

Update: Aufgrund von Internetproblemen konnte ich den Beitrag erst heute, an einem Dienstag, veröffentlichen. ;-)


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Zum Geburtstag von Victor Hely-Hutchinson

Ob Victor Hely-Hutchinson die Idee für seine berühmte Carol Symphony an seinem Geburtstag kam? Hely-Hutchinson wurde am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1901 in Südafrika geboren. Im Alter von 25 Jahren komponierte er die Carol Symphony, eine Symphonie, in der er vier Weihnachtslieder musikalisch auf höchstem Niveau verarbeitet.

Hier ein Auszug aus dem dritten Satz, der „The First Noel“ zum Thema hat:


Eine schöne Aufnahme der Symphonie sowie ähnlich konzipierten Werken von anderen Komponisten gibt es bei Naxos.


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Weihnachtliches Ebay

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Seit meinem neunten Lebensjahr sammle ich CD's, vorrangig mit klassischer Musik. Ihr könnt euch vorstellen, wie viele davon in zwanzig Jahren so zusammengekommen sind. Ich habe sie nicht gezählt, schätze aber, dass es sich wohl um über 2.000 CD's handeln muss. Mittlerweile leide ich deswegen unter Platzmangel und habe entschieden, die CD's nach und nach über Ebay zu verkaufen. Da mein Anliegen nicht das große Geschäft ist, kommt es vor, dass ich stapelweise Musik fast verschenke.

So habe ich neulich eine Sammlung mit 14 Schumann-CD's um knapp 40 Euro angeboten. Nach drei Geboten ging die Sammlung für 45 Euro an eine Dame namens, hm, sagen wir Fuchs, um ihre Anonymität zu wahren. Leider war die Dame nicht so zufrieden und bemängelte, dass es 14 anstatt 15 CD's waren (wie ich versehentlich angegeben hatte) und dass mehrere CD's Kratzer aufweisen würden, und dabei hätte ich sie doch „in sehr gutem Zustand“ angeboten.

Gut, ich gebe zu, die CD's selbst habe ich mir nicht mehr so genau angeschaut, nachdem sie bei mir immer fehlerlos gelaufen sind und ich meinen vorsichtigen Umgang mit dem Medium CD ziemlich gut kenne. Allein eine Box von den vielen, die im Paket enthalten waren, kostet neu mehr als Frau Fuchs für alle zusammen gezahlt hat. Ich hätte also vermutet, dass sie sich riesig über so viele hervorragende Aufnahmen freuen würde. Nein, sie drohte mir mit entstehenden Anwalts- und Zivilprozesskosten.

Nun wusste ich allerdings nicht, was Frau Fuchs genau von mir wollte. Nach zwei oder drei Mailwechseln teilte sie mir dann ihre Bedingungen mit: entweder 20 Euro Preisnachlass oder ich überweise ihr das Geld, das sie gezahlt hat, plus 4 Euro Porto, damit sie sie zurückschicken kann. Nachdem ich ihrem Profil entnehmen hatte, dass sie über tausend Auktionen auf Ebay, scheinbar alle mit klassischer Musik, aufzuweisen hat, wurde mir klar, dass Frau Fuchs nicht klassische Musik liebt, sondern das Geld, das sie damit in ihrem „Nebenjob“ auf Ebay verdient.

Nun fing ich an, Mitleid zu bekommen. Muss das ein anstrengendes und tristes Leben sein, in dem man kurz vor Weihnachten wegen solcher Lappalien solch ein Theater macht! Wie durch ein Wunder blieb meine von mir erwartete Reaktion, nämlich ärgern und schimpfen, aus. Was auch gut war, schließlich war ich just an jenem Morgen zur Beichte. Ich bot Frau Fuchs an, ihr das Geld inklusive Porto und inklusive einem kleinen Weihnachtsgeschenk von 10 Euro zu überweisen (damit sich das Ganze doch noch ein klein wenig für sie lohne), und siehe da, es tat mir gar nicht weh. Im Gegenteil, die unnötige Wut blieb aus und ich fühlte mich frei.

Geben ist einfach seliger als nehmen. Ich habe das öfters - auch schmerzhaft - erfahren dürfen. Wenn jemand ungerechterweise fordert, hilft eine großzügige Erwiderung mehr als jeder erbitterte Kampf um Geld. Je nach Summe kann's natürlich schon weh tun, aber schaden tut sich der Unglückliche, der meint, durch Forderungen und Drohungen etwas Gutes für sich zu erreichen, am meisten selbst. Bei 50 Euro und ein paar wunderbaren Schumann-CD's fällt es nicht so schwer loszulassen. Da kann man Frau Fuchs sogar von Herzen ein glückliches Weihnachtsfest wünschen.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr finde ich, dass ich ihr die CD's schenken sollte. Vielleicht macht es sie sogar ein bisschen froh. Mal abwarten, was sie schreibt. Seit meiner letzten Nachricht an sie habe ich nichts mehr von ihr gehört…


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Pärts O-Antiphonen

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Seit Donnerstag werden die so genannten „O-Antiphonen“ in der abendlichen Vesper der Kirche gesungen. Diese besonders feierlichen Verse, die das Magnificat der Muttergottes umrahmen, wurden Ende der 80er Jahre vom estnischen Komponisten Arvo Pärt in deutscher Sprache vertont. Das Magnificat hat er zur gleichen Zeit auf Latein komponiert.

Ich kann mich dem Bann dieser schlichten und doch so großartigen Musik nie entziehen und werde bei jedem Hören aufs neue von Pärts eindringlicher Musiksprache ergriffen. Arvo Pärt hat die Gabe des Wesentlichen in der Musik errungen. Errungen, ja, denn in den Schoß ist sie ihm nicht gefallen, wenn man seine Biografie liest: Pärt hat sich wie die meisten Komponisten seiner Generation der seriellen Avantgarde angeschlossen, um schließlich festzustellen, dass dieser Weg bereits am Ende der Sackgasse angelangt war. Nach dem Eintritt in die russisch-orthodoxe Kirche und mehreren Jahren des Schweigens erwuchs in ihm ein neuer, sehr einfacher, aber höchst konzentrierter Stil, den er als „Tintinnabuli“ bezeichnete, und der seine Werke so unverkennbar macht.

„Tintinnabuli“ (lat.) bedeutet Glöckchen. Gemeint ist das „Klingeln“ des Dreiklangs, dessen drei Töne das ganze Stück über mittönen. Das Ziel dieses Stils ist eine Reduktion des Klangmaterials auf das absolut Wesentliche.

(Zitat Wikipedia)

Aber schauen wir weiter als auf die Person des Komponisten, nämlich auf die Botschaft seiner Kompositionen. Im Kern von Pärts Schaffen steht das Evangelium, die Frohe Botschaft unseres Erlösers Jesus Christus, der in den O-Antiphonen vielfältig umschrieben wird. So lautet der Text der heutigen Antiphon (20.12.):

O Schlüssel Davids, 
Zepter des Hauses Israel, 
du öffnest und niemand kann schließen,
du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen:
o komm und öffne den Kerker der Finsternis
und die Fessel des Todes.





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Kanon zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis

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Zu Ehren der unbefleckt empfangenen Jungfrau Maria ein dreistimmiger Kanon, den man aber prinzipiell auch bis zu 12-stimmig singen kann (Einsatz auf jeder Viertelpunktierten):

O Maria ohne Suende empfangen


Ich möchte auch auf die schöne Novene zur
Wunderbaren Medaille aufmerksam machen (Link zur Novene).

Sehr schöne, aber gleichzeitig preisgünstige Wunderbare Medaillen kann man beim
Fe-Medienverlag erwerben.

O Maria, ohne Sünde empfangen,
bitte für uns, die wir zur dir unsere Zuflucht nehmen!



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MusicMonday: Mondscheinsonate III

Nachdem ich im vorigen Blogeintrag das Beispiel mit der Mondscheinsonate gebracht habe, dachte ich, dass meine Aufnahme dieser Sonate für den heutigen MusicMonday doch recht gut passen würde. Da vielen nur der wunderschöne erste Satz bekannt ist, möchte ich euch den wilden letzten Satz zum Anhören anbieten.

Die Aufnahme stammt von meiner Debüt-CD aus dem Jahr 1996 - wow, ist das lange her! Damals war ich gerade mal 16. Wie die Zeit vergeht! Heute würde ich natürlich anders spielen, vielleicht etwas wütender, mit mehr „Grandeur“ und stellenweise extremer. Trotzdem finde ich die Interpretation recht gelungen und hoffe, dass sie euch gefällt.

Beethoven: Sonate op. 27 Nr. 1, dritter Satz (Presto agitato) by davidianni


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Zum 50. Todestag von Heitor Villa-Lobos

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Der berühmteste aller brasilianischen Komponisten, Heitor Villa-Lobos, verstarb heute vor 50 Jahren. Ihm ist es gelungen, die Tradition der großen abendländischen Musik mit der Musik und den Tänzen seines Heimatlandes zu verbinden.

Eine seiner bekanntesten Kompositionen ist die Cantilena aus den „Bachianas Brasileiras“, hier in einer Aufnahme mit Barbara Hendricks (übrigens mit Bildern des
Melatenfriedhofs in Köln):



Sehr typisch für seinen Stil sind auch die Präludien für Gitarre, hier sehr einfühlsam interpretiert von Julian Bream:



Eine ungewöhnliche, aber sehr schöne Klangwelt hat Villa-Lobos in seinem Mundharmonika-Konzert geschaffen – hier eine Aufnahme des Mittelsatzes:



Wer mehr über diesen großen Komponisten erfahren möchte, wird auf der
Villa-Lobos-Webseite sicher fündig.


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MusicMonday: Licht

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Zu Gertrud Lambert-Völkel, einer Gitarrenlehrerin und Dichterin aus dem Sauerland verband mich während der letzten Jahre ihres langen Lebens eine innige Freundschaft. Sie widmete mir 2003 den Text „Abrahams Kinder“, den ich als Oratorium vertonte. Leider verstarb Gertrud Lambert am 18. Mai 2004 im Alter von 89 Jahren, gerade zwei Tage vor der Uraufführung des Oratoriums. Umso ergreifender und unvergesslicher war die Uraufführung damals im Mai 2004. Im Jahr davor hatte die Mendener Kantorei unter der Leitung meines Freundes Johannes Krutmann bereits ein Konzert mit meinen Chorwerken gegeben, für das ich eigens einen kleinen Zyklus mit Liedern von Gertrud Lambert komponiert hatte. Das folgende Gedicht, das sie im hohen Alter schrieb, lag ihr besonders am Herzen. Worte des Trostes, die auch in den verregneten Novembertagen gut tun!

Licht

Lichtumsumt sind die Wolken,
einer Verheißung gleich,
die da sagt:
Nimm sie nicht so schwer,
die Last,
die dich bedr
ckt,
die Traurigkeit der Tage,
und der Stunden,
die dich weinen lassen.
Sieh,
die Wolken wandern,
doch das Licht der Grenzenlosigkeit,
das bleibt.
Ist Ewigkeit
und erster Auftrag eines Gottes,
der uns liebt,
und,
wenn die Zeit gekommen,
f
r dich da sein wird.

Gertrud Lambert-Völkel (1914-2004)


Licht (aus „Gertruds Lieder op. 67“)  by  davidianni

P.S.: Gerade eben hat die Braut des Lammes einen schönen, passenden Beitrag verfasst: Licht im Dunkel - ich mag den November.


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MusicMonday: Nacht der Tränen

Nachdem ich den letzten Musik-Montag geschwänzt habe (sorry!), möchte ich heute ein Stück posten, das scheinbar sehr beliebt ist. Über Facebook fragte ich nämlich neulich, was auf meine geplante CD im kommenden Jahr kommen soll, und „Nacht der Tränen“ war eindeutig der Vorreiter.

Ein paar Infos zum Stück: die Melodie kam mir 1995, also auf dem Zenit meiner schwierigen Pubertät… Die erste Liebe neigte sich einem unschönen Ende zu und zum ersten Mal erfuhr ich, wie einem das Herz weh tun kann. Was macht daraufhin ein Musiker? Natürlich, den Kummer in Musik umwandeln. Eigentlich ist „Nacht der Tränen“ der zweite Satz aus einem dreiteiligen Zyklus namens „Fallende Perlen“, meinem Opus 1. Passt irgendwie gut zum November…

Nacht der Tränen (aus „Fallende Perlen op. 1“) by davidianni

P.S.: Auf Bitten von
Gloria.tv habe ich auch mal eine sehr laienhafte Videoaufnahme des Stückes gemacht:





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Zum 20. Todestag von Horowitz…

…zwei beeindruckende Videos mit dem Jahrhundertpianisten, der vor 20 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben ist.

1. Alexander Skrjabin: Vers la flamme op. 72



2. Robert Schumann: „Träumerei“ aus den „Kinderszenen op. 15“




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Konzerte im November

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Ein kleiner Hinweis in eigener Sache – im November spiele ich zwei Konzerte, zu denen ich meine Leser, die nicht allzu weit weg wohnen, herzlich einladen möchte:

Am Mittwoch, den 11. November in Ettelbruck (L)… gibt’s mit dem Kammermusikensemble KMVL einen tollen Mozartabend mit Musik und Briefen (!) von Wolfgang Amadeus Mozart.

Am Dienstag, den 17. November… spiele ich (endlich mal wieder!) einen Soloklavierabend mit Werken von Bohuslav Martinů, Felix Mendelssohn-Bartholdy (der heute vor 162 Jahren gestorben ist) sowie meinen drei Balladen, die ich in den vergangenen Wochen in der MusicMonday-Rubrik vorgestellt habe. Das Konzert findet im Foyer Européen in Luxemburg statt.

Nähere Informationen gibt’s bei den
Terminen.


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MusicMonday: Das Leben

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Für das katholische Medienportal Gloria.tv habe ich vor knapp zwei Jahren ein Video über das menschliche Leben mit eigener Musik unterlegt. Ich finde den Lebensschutz eine ungemein wichtige Sache. Leider ist vielen Menschen nicht bewusst, dass ein Embryo ein Mensch ist… Ein Mensch, der genau so ein Recht auf Leben hat wie ein bereits geborenes Menschenkind. Meine Hoffnung ist es, dass solche Videos auch von Leuten gesehen werden, die sich sonst wenig Gedanken über dieses Thema machen. Und dass in diesen Menschen womöglich eine Hochachtung vor dem Leben heranwächst - auch vor dem Leben im frühsten Stadium.

Das Musikstück im Video ist eine einfache Komposition namens „Le Petit Prince op. 6“, inspiriert durch die gleichnamige Erzählung von Saint-Exupéry. Anschließend erklingt aus den mehrfach hier vorgestellten Eichendorff-Liedern op. 3 (
Wünschelrute & Abendständchen) das „Kirchenlied“ (ein marianisches Gedicht von Joseph Freiherr von Eichendorff), aus dem ich später ein Chorfassung mit dem Text des „Ave Maria“ erstellt habe. Da es nicht ganz ins Video passt, könnt ihr euch weiter unterhalb des Videos beide Versionen vollständig anhören.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch auf eine aktuelle
UN-Petition des Catholic Family & Human Rights Institute aufmerksam machen, so wie auf das unterstützenswerte Projekt 1000+.



Kirchenlied (Ave Maria) - Klavierfassung:

XII. Kirchenlied (aus „Eichendorff-Lieder op. 3“) by davidianni

Ave Maria - Chorfassung:

Ave Maria op. 48 by davidianni

Es singt der luxemburgische Chor „Madrigal de Luxembourg“ unter der Leitung von
Carlo Hommel.

Schlussgebet der Enzyklika Evangelium vitæ von Papst Johannes Paul II.

O Maria,
Morgenröte der neuen Welt,
Mutter der Lebendigen,
Dir vertrauen wir die Sache des Lebens an:
o Mutter, blicke auf die grenzenlose Zahl
von Kindern, denen verwehrt wird,
geboren zu werden,
von Armen, die es schwer haben zu leben,
von Männern und Frauen,
die Opfer unmenschlicher Gewalt wurden,
von Alten und Kranken,
die aus Gleichgültigkeit
oder angeblichem Mitleid getötet wurden.
Bewirke, daß alle,
die an deinen Sohn glauben,
den Menschen unserer Zeit
mit Freimut und Liebe
das Evangelium vom Leben verkünden können.
Vermittle ihnen die Gnade, es anzunehmen
als je neues Geschenk
die Freude, es über ihr ganzes Dasein hinweg
in Dankbarkeit zu feiern,
und den Mut, es mit mühseliger Ausdauer
zu bezeugen,
um zusammen mit allen Menschen
guten Willens
die Zivilisation der Wahrheit und der Liebe
zu errichten,
zum Lob und zur Herrlichkeit Gottes,
des Schöpfers und Freundes des Lebens.


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MusicMonday: Abendständchen

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Aus den „Eichendorff-Liedern op. 3“ stellte ich bereits vor einigen Wochen das Stück Wünschelrute vor. Während die anderen Teile dieses zwölfsätzigen Zyklus' tatsächlich nach der Lektüre des jeweiligen Gedichtes von Eichendorff entstanden, ist dies ein Schlafliedchen, das ich einige Jahre vorher, mit dreizehn, komponiert hatte. Ich sagte mir damals: „Das ist für die Kinder, die ich eines Tages haben werde.“ Das „Abendständchen“ ist also quasi antizipatorisch meinen beiden lieben Söhnen Antonio und Raphael gewidmet. Ich fand allerdings während der Komposition der Eichendorff-Lieder 1998 ein Gedicht, das mir sehr passend für das kleine Stückchen schien, und so nahm ich es kurzerhand als Nummer 5 in den Zyklus auf.

V. Abendständchen (aus "Eichendorff-Lieder op. 3") by davidianni

Schlafe, Liebchen, weil's auf Erden
Nun so still und seltsam wird!
Oben gehn die goldnen Herden,
Für uns alle wacht der Hirt.

In der Ferne ziehn Gewitter;
Einsam auf dem Schifflein schwank,
Greif ich draußen in die Zither,
Weil mir gar so schwül und bang.

Schlingend sich an Bäum' und Zweigen,
In dein stilles Kämmerlein
Wie auf goldnen Leitern steigen
Diese Töne aus und ein.

Und ein wunderschöner Knabe
Schifft hoch über Tal und Kluft,
Rührt mit seinem goldnen Stabe
Säuselnd in der lauen Luft.

Und in wunderbaren Weisen
Singt er ein uraltes Lied,
Das in linden Zauberkreisen
Hinter seinem Schifflein zieht.

Ach, den süßen Klang verführet
Weit der buhlerische Wind,
Und durch Schloss und Wand ihn spüret
Träumend jedes schöne Kind.




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MusicMonday: Ballade Nr. 3 op. 78

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Vorgeschichte

Die dritte Ballade ist Liebeslied und Gebet zugleich. Ich komponierte sie im Mai 2005 für meine Angebetete, die jedoch immer noch Klosterpläne hegte (s. Love Story 2) und mir recht wenig Grund zur Hoffnung gab. Zur gleichen Zeit hatte die Lebensschutzorganisation Jugend für das Leben mich gebeten, ein Benefizkonzert in Wien zu spielen. Dieser Bitte bin ich wegen der unterstützenswerten Sache natürlich gerne nachgekommen. Ich freute mich jedoch auch besonders, dass Martina im Publikum sitzen würde, denn ich wollte hier meine neueste Komposition uraufführen und sie damit überraschen und davon überzeugen, dass ich „die richtige Wahl“ für sie sei. Nach dem Konzert zerplatzten erst einmal all meine Hoffnungen, so leicht war Martina nicht umzustimmen. Da half auch die schönste Musik nichts. Oder doch? Ich denke, die Wirkung zeigte sich dann doch wohl langfristig, schließlich heirateten wir anderthalb Jahre später…

Die Aufnahme des Stückes stammt vom Benefizkonzert (30. Mai 2005) und ist leider nicht von bester Qualität. Auch der Flügel war nicht in guter Verfassung. Doch
authentisch ist die Aufnahme auf jeden Fall. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, mit wieviel Herzblut ich das Stück in jenem Konzert spielte!

Die Musik

Das Hauptthema wird aus zwei Noten abgeleitet: B-G. Der kleine Terzsprung ist hier allerdings mehr als ein Kuckucksruf. Von ihren österreichischen Freunden wurde Martina „BG“ – Abkürzung für „Bayern Girl“ – gerufen, freilich auf englisch ausgesprochen. „O“, dachte sich der Verliebte, „
das ist ein Motiv!“, und machte sich an die Arbeit:

Ballade Nr. 3 op. 78 by davidianni

Abschnitt I. Nachdem das Thema erklungen ist, wird es von der linken Hand gespielt, während die rechte ein neues Motiv im Kontrapunkt dazu spielt (0'20''). Dieses Motiv könnten wir als „Josefsthema“ bezeichnen, da es als Anrufung an den hl. Josef gedacht ist. (Anm.: alle Themen der dritten Ballade basieren auf Worten, Gebeten oder Liebeserklärungen. Natürlich sollen nicht alle hier offenbart werden, da sie allein der Widmungsträgerin zugeeignet sind.) Das schöne Thema wird weitergesponnen und in immer neuen Varianten gespielt, mal sehnsuchtsvoll und zurückhaltend, dann leidenschaftlich und fordernd. Bei 2'12'' wird der hl. Josef wieder um seine Fürsprache gebeten. Es kommt zu einer ersten Gebetserhörung: das Thema erscheint über den fließenden, absteigenden Noten der linken Hand sanftmütiger als zuvor (2'45'') und leitet über in ein neues Thema, das den zweiten Abschnitt der Komposition einläutet.

Abschnitt II. Es ist das „Hochzeitsthema“, denn es basiert auf einem wunderbaren Hochzeitsgedicht einer befreundeten Dichterin (ja, ich habe alle Mittel in dieser Komposition angewendet, um meiner Vision Ausdruck zu verleihen!). In der linken Hand werden immer wieder Abwandlungen des BG-Motivs gespielt. Etwas später, bei 4'40'', erreicht das Stück einen emotionalen Höhepunkt: die linke Hand spielt in vollen Akkorden ein neues Thema, und zwar ein Gebet an die Heilige Familie („Jesus, Maria, Josef, erleuchtet uns, helfet uns, rettet uns“). In der rechten Hand erklingt gleichzeitig das jubilierende Hochzeitsthema, das in Oktavläufen zum Josefsthema überleitet, das nun das Gebet an die Heilige Familie umspielt (5'04''). Die Emotionen legen sich nach und nach wieder, Besinnung kehrt ein. Ein weiteres Thema gesellt sich hinzu: das „Ave Maria“ der Missa Amicorum, das vertrauensvoll im Diskant angestimmt wird (5'37''). Während das Ave Maria andächtig gebetet wird, erscheinen in der Mittelstimme Fragmente aller bisher erklungenen Themen. In der Unterstimme kann man verhaltene „BG“-Rufe hören.

Abschnitt III.
In dieser entrückten Stimmung kehrt bei 7'30'' das Hauptthema in seiner ursprünglichen Form zurück und der dritte, abschließende Teil wird eingeleitet. Mit einem Melodiefragment des Hochzeitsthemas steigt die Musik in die Höhe auf einen lichten D-Dur-Akkord (8'20''). Von dort erklingt der BG-Ruf wehmütig hinunter. Auch eine getrübte Version des „Ave Maria“ wird kurz angestimmt (8'37''). Das Josefsthema kippt die Stimmung, reißt uns aus diesem Anflug von Melancholie heraus (8'53'') und führt uns in eine entfernte Tonart, in der das BG-Motiv unzählige Male im Kanon ertönt (9'08''). In den Schlusstakten (ab 9'29'') erscheinen das „Ave Maria“ (links) und das Gebet an die Heilige Familie (rechts) ein letztes Mal und führen friedvoll zu den beiden Schlussakkorden.

Hier geht's zur ersten Ballade und zur zweiten Ballade.


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Marianische Impulse zum Rosenkranzmonat

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Empfehlung zum Rosenkranzmonat Oktober: auf der Seite von Marie de Nazareth hat man die Möglichkeit, sehr schöne marianische Impulse - z.B. Aussprüche von Heiligen über die Muttergottes oder kurze Lebensberichte - per Email oder RSS-Feed zu abonnieren. Absolut sehenswert ist auch die Multimedia-Gallerie, eine Sammlung von Musik- und Kunstvideos, die auf die Muttergottes verweisen. Dass dort Musik, wie jenes herrliche Magnificat von Franz Liszt, geboten wird, macht mir das Projekt umso sympathischer:



P.S.: Verwandte Artikel finden sich unter den Schlagwörtern (
Tags) Maria und Rosenkranz. Siehe außerdem die Betrachtung „Die Waffe des Christen“ zum Rosenkranzmonat!


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MusicMonday: Ballade Nr. 2 op. 64

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Wie versprochen werde ich zum heutigen „MusicMonday“ meine 2. Ballade vorstellen. Einige Hintergründe zu meinen Balladen findet ihr hier, wo ihr euch die erste auch noch einmal anhören könnt. Am kommenden Montag steht die dritte und vorläufig letzte Ballade mit einer ausführlichen Einführung auf dem Programm.



Hintergrund

Die „Ballade Nr. 2 op. 64“ gehört zu einem Kapitel meines Lebens, das mir mittlerweile sehr fremd ist, aber dennoch untrennbar zu meinem Werdegang gehört. Wie bereits in der Geschichte meiner Bekehrung erwähnt, setzte ich mich eine Zeit lang intensiv mit fernöstlichen Philosophien und Meditationspraktiken auseinander. Daraus resultierte u.a. das Klavierstück op. 5 mit dem ketzerischen Titel „Mantrische Messe“ sowie einige andere Kompositionen aus den Jahren zwischen 1998 und 2001.

Ich hegte damals eine Vorliebe für hinduistische und buddhistische
Mantren, besonders für das tibetische Mantra „Om Mani Padme Hum“. Stundenlang rezitierte ich dieses buddhistische Gebet, freilich ohne nennenswerte Früchte, außer einem wohligen Eingelulltsein, das sich nach etlichen Wiederholungen der Silben bei mir einstellte. Wie fast alle Dinge, die in meinem Leben eine gewisse Rolle spielten, floss auch diese Erfahrung in meine Musik hinein, indem ich um das Jahr 1999 einen Kanon über das Mantra komponierte. Dieser Kanon erfreute sich sogar bald einer gewissen Beliebtheit in esoterischen Kreisen und erfuhr eine weitere Verbreitung durch die Aufnahme mit dem Obertonsänger Christian Bollmann und dessen „Obertonchor Düsseldorf“, mit denen ich im Jahr 2000 eine ausgedehnte Improvisation über das Thema in mehreren Konzerten zur Aufführung brachte.

Das Potential der schlichten Melodie schien mir nach diesen Erfahrungen noch nicht ausgeschöpft und ich begann mit der Komposition eines komplexeren Klavierstückes, das zugunsten einer strengen Form und Kompositionstechnik frei von improvisatorischen Momenten sein sollte. Daraus entstand die zweite Ballade. Einige Jahre später, nach meiner Bekehrung zum katholischen Glauben, durfte ich glücklich feststellen, dass der Kanon sich wunderbar mit den Worten des „Kyrie/Christe eleison“ unterlegen lässt. Obwohl ich jegliches Rezitieren von Mantras über Bord geworfen habe, konnte ich so diese Melodie, die mir sehr wertvoll ist, für meine Kompositionen und sogar für die Liturgie (in Form der „
Missa Amicorum op. 80“) beibehalten.


Ballade Nr. 2 op. 64 by davidianni

Analyse

Die zehnminütige Komposition basiert ausschließlich auf 2 Elementen, einem Begleitmotiv und dem Hauptthema.

Abschnitt I. Auf einer langen Pedalnote wird das Gegenmotiv zum Hauptthema in einer kurzen Introduktion eingeführt, noch bevor das Thema des Kanons in Erscheinung tritt:

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Das Motiv – nennen wir es „Quartmotiv“, da es sich aus Quarten zusammensetzt – sinkt in den nächsten Takten um jeweils einen Ton, bis es schließlich ab Takt 5 (0’33’’) ohne Unterbrechung wie ein unaufhaltsamer Motor das Stück in Gang setzt und sobald nicht mehr verschwinden wird. Bei 0’46’’ erklingt nun feierlich das Hauptthema:

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Es wird viermal wiederholt, wobei nach und nach eine große Steigerung durch verschiedene Techniken stattfindet: die Melodie wird oktaviert (beim 2. Mal, ab 1'15''), später in vollen Akkorden gespielt; der Bass schreitet in Gegenbewegung zum Quartmotiv (das langsam aufsteigt und anschließend wieder sinkt) in Sekundschritten nach unten, um auf der VI. Stufe, dem Des, einen lang anhaltenden Orgelpunkt zu erreichen (2'07''), während das Quartmotiv durch Quinten angereichert den Klang zusätzlich verstärkt. Beim letzten der ersten 4 Wiederholungen des Themas (2'31'') ist die Klangmasse wieder abgeebbt, und Thema und Gegenmotiv ertönen erneut einstimmig. Zum Ausklang dieses ersten Abschnittes wird das Quartmotiv unmerklich verdoppelt und in beiden Händen gespielt (2’56’’) – fast so, als würde man doppelt sehen: das Motiv tritt quasi aus sich heraus, um etwas später (3’07’’) mit den Obertönen des tiefen, vorherrschenden Quartmotivs zu verschmelzen und wieder zu verschwinden.

Abschnitt II. Nun ertönt in halbem Tempo das Thema in gewichtigen Bassoktaven (3'19''). Darüber klimmt das Quartmotiv von neuem stetig nach oben. Eine Duodezime höher angelangt, mischt sich bei 4'03'' eine fließende Achtelbewegung in Sekundschritten dazu (abgeleitet aus dem Schluss des Kanons), die sich auf der modalen Tonleiter nach oben schraubt. „Quartmotiv“ und „Achtelbewegung“ laufen sich entgegen, bis sie quasi ineinanderfallen (4'23''). In dieses Kreisen werden die Anfangstöne des Themas noch einmal zart hineingetupft (4'33''), bevor das Quartmotiv wieder dupliziert wird, sich verlangsamt und endlich zueinanderfindet bei 4'58'': hier spielen beide Hände einstimmig auf den gleichen Tasten!

Wir haben den Gipfel des Stücks erreicht (5'07''): Die Verengung des Kanons in lichter Höhe wird in fast zerbrechlich wirkenden Quinten gespielt. Es gibt kein begleitendes Quartmotiv mehr in Achtelnoten, das für ein gewisses Vorwärtsdrängen der Zeit sorgen würde. Die Zeit scheint zum Stillstand gekommen zu sein. – Auf diesen Hauch von Ewigkeit muss unweigerlich ein Abstieg und ein „Wiedereintritt in die Zeit“ erfolgen, was jetzt durch das wiedereinsetzende Quartmotiv in harmonischer Weise passiert (5'38''). Das Quartmotiv erscheint zeitlich leicht versetzt in beiden Händen (wie eben der Kanon) und bewegt sich in seinem je eigenen Rhythmus in aller Ruhe nach unten, bis…

Abschnitt III. …das Quartmotiv in seiner ursprünglichen Gestalt bei 6'32'' wiederkehrt und die Reprise einleitet. Das Thema erscheint genau wie zu Anfang, doch bemerkt man, dass sich das Thema bei 7'28'' aus dem Bass herauskristallisiert, nur wesentlich langsamer als das Thema im Diskant. Es wird auch nicht zu Ende geführt, sondern erreicht den Grundton wieder (bei 7'45'') und verwandelt sich in eine Begleitfigur (eine Abwandlung des Quartmotivs), die das Thema umspielt, indem sie sich über die ganze Tastatur bis zum höchsten Ton erstreckt, um schlussendlich wieder auf dem tiefen F im Bass zu landen, das den Kanon ein letztes Mal in einer weiteren Metamorphose anstimmt (8'13''). Auch an dieser Stelle gibt es keine Achtelbewegung mehr, nur noch den bedächtigen Puls des Themas. Hier offenbart sich der Kanon in seiner vierstimmig angelegten Polyphonie. Da sich die vier Stimmen nicht von zwei Händen allein spielen lassen, musste ich mich eines ungewöhnlichen Mittels bedienen: dem Hinzufügen der eigenen Stimme. Der vierte Einsatz wird jetzt also vom Solisten gesungen (8'51''). Auf dieser Aufnahme, die von der Uraufführung 2001 stammt, hört ihr das zu Eingang zitierte Mantra in all seiner Pracht… Zugegeben, diese Takte sind mir etwas unangenehm, aber ich wollte sie euch nicht vorenthalten. Nachdem wir diese peinliche Stelle überstanden haben, läuft der Kanon mit seinem Schlussmotiv, das sich noch ein paarmal wiederholt, aus (9'32''). Das Quartmotiv erklingt ein letztes Mal, fast wie zu Beginn, nur langsamer und über zwei Oktaven verdoppelt. Am Schluss löst es sich sozusagen in seine Einzeltöne auf und verklingt auf dem höchsten C der Klaviatur.


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Zum 101. Geburtstag von David Oistrach…

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…möchte ich zu später Stunde noch eine wundervolle Aufnahme dieses Ausnahmekünstlers posten. Schwer bei den vielen herrlichen Videos, die sich von David Oistrach auf YouTube finden, ein Stück auszuwählen. Ich habe mich für den wunderschönen zweiten Satz aus dem Doppelkonzert BWV 1043 in d-moll von Johann Sebastian Bach entschieden, den er hier kongenial mit Yehudi Menuhin interpretiert. Menuhin durfte ich als Kind noch live erleben, als er in Straßburg ein Jugendorchester mit Beethoven-Symphonien dirigierte. Nach dem Konzert bekam ich in der Loge von dem kleinen großen Mann (ich schätze, dass er nicht größer als 1,55 war) sogar ein Autogramm. Oistrach starb noch vor meiner Geburt. Wie gerne hätte ich diesen Mann live spielen gehört!




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MusicMonday: Ballade Nr. 1 op. 39

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Heute stelle ich euch das erste Stück von mir vor, das gänzlich auf dem Notenpapier entstanden ist, bevor ich es auf dem Klavier ausprobiert und nachgebessert habe. Normalerweise lasse ich die Ideen am Flügel unter meinen Fingern zustande kommen, und erst nachdem ein relativ großer Abschnitt im Kopf fertig ist, wird aufgeschrieben. Im März 2000, als diese Komposition entstand, war ich also selbst erstaunt über das klanglich und formal für mich sehr ungewohnte Resultat dieses Experiments. Ausgangsidee des Werks war der Gedanke an einen Hauptbahnhof. Der vorwärts drängende Ostinatobass im Dreivierteltakt stellt wohl das Motorengeräusch einer Lokomotive dar. Es folgen einzelne Szenen, die vielleicht persönliche Schicksale der Reisenden erzählen. Man könnte sich schmerzhafte Abschiede mit winkenden Taschentüchern vorstellen oder Menschen, die gehetzt ihrem Zug nachlaufen…

Die Suche nach dem passenden Namen

Das Stück nannte ich folglich „Hauptbahnhof“ und hing ihm die Opuszahl 39 an (es ist meine 39. Komposition). Im Laufe der nächsten 5 Jahre schrieb ich zwei weitere Stücke, die ähnlich lang und formell genau so uneindeutig sind, und denen ebenfalls ein erzählerischer Duktus innewohnt (die werde ich an den nächsten beiden Montagen vorstellen). Bei der Programmierung eines Konzerts stellte neulich fest, dass diese drei Stücke zusammen eigentlich einen wunderbaren Zyklus bilden. So kam mir die Idee, sie unter anderen Titeln zu einem großen, halbstündigen Werk zusammenzufügen (die beiden anderen sind betitelt mit „Chenresig“ – ja, das stammt aus meiner „buddhistischen Phase“… – und „Blessing“). Ich habe sie dann auf meiner Homepage vor einigen Monaten unter dem Titel „Via Cælestis“ veröffentlicht. Die jeweiligen Untertitel lauten: „Inferno“, „Purgatorio“ und „Paradiso“ - angelehnt an Dantes „La Divina Comedia“.

Aber – ich finde keine rechte Freude an diesen Namen. Immer noch schwebt mir die Bezeichnung „
Ballade“ im Hinterkopf, die dem Hörer wesentlich mehr Spielraum für seine Fantasie lässt und überdies doch wirklich gut zur formellen Anlage der drei Stücke passen würde. Der Musikbewanderte wird natürlich sofort an Chopins, vielleicht auch an Brahms’ oder Franz Liszts Balladen denken. Und genau das schüchtert mich wiederum ein. Ist es nicht vermessen, eigene Klavierstücke so zu betiteln?

Zumindest finde ich „Ballade“ zum jetzigen Zeitpunkt doch am geeignetsten, weshalb mein ehemaliger „Hauptbahnhof“ jetzt an dieser Stelle unter dem Namen „Ballade Nr. 1 op. 39“ vorgestellt wird. Wie findet ihr das? Kann ich das so lassen? Sollte „Hauptbahnhof“, der ursprüngliche Titel, noch als Beinamen dem Stück erhalten bleiben? Wegschmeißen? Ich bin dankbar für Hinweise!

Das Stück

Nach diesem ausgedehnten Einblick in die wirren Gedanken eines unentschlossenen Komponisten über die doch nicht unwichtige Frage nach dem Titel der Komposition, möchte ich endlich eine kleine Einführung in die Musik selbst geben. Um die geht es ja schließlich in diesem Beitrag. Ich beschränke mich dabei auf eine formale Analyse, um dem geschätzten Hörer ein möglichst unvoreingenommenes Hörerlebnis zu lassen. Also, bitte den ganzen Anfang vergessen! ;-)

Ballade Nr. 1 op. 39  by  davidianni

Abschnitt I. Wie gesagt, ein Ostinato-Pedal eröffnet die Ballade. :-) Dieser Rhythmus durchzieht das ganze Stück und lässt einfach nicht locker. Nach den ersten 4 Takten erhebt sich aus dem Dunkeln ein aufwärts strebendes Motiv - nennen wir es das erste Thema - und verdichtet sich nach und nach, um nach etwa einer Minute in einer Art zweitem Thema zu landen, das in Hemiolen über einer fließenden Bassbewegung kreist. Doch wie bereits erwähnt, lässt der Hauptrhythmus sich nicht kleinkriegen und meldet sich auch hier ständig in kleinen Einschüben. Das erste Thema (das aufstrebende) erscheint nun in sanfterem Ausdruck und in höherer Lage. Die verschiedenen Motive wechseln sich ab und beschließen den ersten großen Abschnitt mit perlenden Tönen im Diskant. Nachdem sie weich nach unten getropft sind, geht’s bei 3’47’’ wieder von vorne los.

Abschnitt II. Doch ist es keine reine Wiederholung des ersten Teils. Bei ungefähr 4 Minuten 20 erklingt das erste Thema nun in der linken Hand, während die rechte scharfe Harmonien in schnellen Repetitionen auf die Klaviatur hämmert. Das Ostinato (dum-dum-dudu-dum-dum!) ist in die rechte Hand gewandert und wirkt ungeduldiger denn je. Das Kreisen des zweiten Themas mischt sich dazu und schwingt sich willensstark in immer höhere Sphären, wo auch schon wieder der Hauptrhythmus sich durchsetzt. Das Ganze beruhigt sich aber wieder und fließt zurück nach unten. Bei ca. 6’00’’ hat sich das ursprüngliche Thema des Beginns vollkommen gewandelt. Unser rhythmisches Motiv klopft beinahe etwas verunsichert und wesentlich langsamer in der Höhe, während das erste Thema von der linken Hand (aber dennoch immer noch in Sopranlage) darunter gesungen wird. Es perlt und klopft weiterhin, wird aber immer langsamer… Oje. Bei 6’45’’ meldet sich wieder der bedrohliche Bass und kündigt einen erneuten Kampf an. Etwas ratlos verklingen bitonale Harmonien.

Abschnitt III. In der Sonatenform würde man von der „Reprise“ sprechen. Der Bass hat sich entschlossen (7’30’’): er reißt die Zügel wieder an sich, doch diesmal noch wuchtiger als zuvor. Das zweite Thema kommt erst gar nicht mehr zu Wort (es ist ja auch keine Sonate, in der es der Regel nach jetzt nach dem ersten Thema auch wiederkehren sollte). Alle Stimmen vereinen sich zu einem kampflustigen Tumult, der schneller und schneller nach vorne rast. Es drehen und kreisen und schichten sich die Klänge, bis sie sich am Schluss erschöpft, aber ungebrochen über die ganze Tastatur hinab in die Tiefe stürzen…

Hier geht es weiter mit der 2. Ballade und der 3. Ballade


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MusicMonday: Prélude

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Verrückt, wie die Zeit verfliegt. Wenn ich dieses Stückchen höre, kommt es mir vor, als hätte ich erst gestern in meinem Kinderzimmer am Klavier gesessen und ein Stück um diese kleine reizende Melodie gebastelt. Wenn ich mich recht erinnere, war ich zwölf Jahre alt… Viele Jahre später habe ich das Thema zu einem 4-stimmigen Kanon ausgebaut, der mit dem schönen marianischen Weihegebet („Totus tuus ego sum et omnia mea tua sunt“) gesungen wird. Unter der Rubrik „Noten“ findet ihr den Kanon in der „Missa Amicorum“.

Ich hoffe, dass das kleine Prélude euch Freude macht!

Prélude en Ré maj op. 0 by davidianni


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Vollkommenes Klavierspiel

Über einen meinen Lieblingspodcasts, „Was heute geschah“, wurde ich darauf aufmerksam, dass vorgestern vor 59 Jahren, also am 16. September 1950 der legendäre rumänische Pianist Dinu Lipatti sein letztes Konzert im französischen Besançon gab. Es gibt - Gott sei Dank - einen Mitschnitt dieses phänomenalen Konzerts.

Lipatti hatte seine professionelle Karriere als Konzertpianist gerade mal 15 Jahre zuvor mit Dame
Myra Hess' Transkription des Bach-Chorals „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben BWV 147“ begonnen. Ein gutes Jahrzehnt später ließen heftige Fieberschübe Böses ahnen. 1947 wurde eine seltene Form der Leukämie bei Lipatti diagnostiziert, die so genannte Hodkinsche Krankheit. Aufgrund seiner körperlichen Schwäche musste er zahlreiche Konzerte absagen. Die Entdeckung des Cortisons ließ eine Heilung der schweren Krankheit erhoffen, doch blieb die Behandlung letztlich erfolglos. 1950 fand das eingangs erwähnte Konzert statt. Auf dem Programm stand die erste Partita Johann Sebastian Bachs in B-Dur BWV 825, Mozarts a-moll-Sonate KV 310, zwei Schubert-Impromptus sowie die 14 Walzer von Frédéric Chopin. Auf dem zugeklappten Notenpult des Flügels stand ein Glas Wasser. Den letzten Walzer konnte der geschwächte Lipatti nicht mehr spielen. Stattdessen beendete er das Konzert mit dem Stück, mit dem er seine Karriere begonnen hatte: dem Bach-Choral „Jesus bleibet meine Freude“.

Jesus bleibet meine Freude,
Meines Herzens Trost und Saft,
Jesus wehret allem Leide,
Er ist meines Lebens Kraft,
Meiner Augen Lust und Sonne,
Meiner Seele Schatz und Wonne;
Darum lass ich Jesum nicht
Aus dem Herzen und Gesicht.

Dieses bewegende musikalische Vermächtnis blieb der Nachwelt dank des Mitschnittes von Dinu Lipattis „Abschiedskonzert“ erhalten. Für mich ist diese Aufnahme eine der schönsten Klavieraufnahmen schlechthin. Eine unerschöpfliche Tiefe durchdringt die Interpretation Lipattis, jede Note ist beseelt von religiösem Geist, der uns die Ewigkeit erahnen lässt. Die Klangkultur dieses begnadeten Pianisten bleibt unübertroffen. Man beachte das gleichmäßige Perlen der dahinfließenden Triolen in der rechten Hand und die wundervollen Choral-Einschübe, die wie runde, volltönende, weiche Glockentöne das Gebet des Bach-Chorals wiedergeben. Ein Musizieren, das in der Tiefe der Seele berührt.

3 Monate später erlag Dinu Lipatti seiner tödlichen Krankheit im Alter von nur 33 Jahren.




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Marisa Wilcke singt Hildegard von Bingen

Zum heutigen Gedenktag der heiligen Hildegard von Bingen möchte ich eine Künstlerin vorstellen, auf die eine Bekannte mich aufmerksam gemacht hat (Dank an Lidija!). Alexandra Maria Wilcke (s. Wikipedia und Homepage), bekannt aus Fernsehfilmen und -serien und Synchronsprecherin von Hollywood-Blockbustern wie „Herr der Ringe“, „Casino Royal“ und „Pocahontas“, hat unter dem Künstlernamen Marisa eine CD mit Gesängen der heiligen Hildegard aufgenommen.

In einem Interview sagt sie:
„Wer mir das erste Mal in meinem Leben von Hildegard von Bingen erzählt hat, ist mir nicht mehr wirklich in meinem Gedächtnis. Bewusst kam ich das erste Mal mit der heiligen Hildegard Ende 1999 in Berührung, einfach weil mein Zug kurz in Bingen hielt und ich mich sofort an Hildegard von Bingen erinnerte. Damals im Zug brannte ich sofort darauf, ihre Wirkungsstätten zu besuchen. Wer war sie? Wieso wird sie heute noch verehrt? Wie kam sie als Äbtissin dazu, gegen den Willen ihrer Oberen ein eigenes Kloster für ihre Nonnen zu bauen und dort einzuziehen? Sich nicht erschrecken zu lassen, sondern zu behaupten, um gleichzeitig diese Sanftmut und Liebe in ihren Texten und Liedern zu leben – errungene Ergebenheit! Sie war durchdrungen von etwas Höherem, und sie hat – nach großen inneren Kämpfen – dem vertraut. Ich denke, dass das ihr diese unglaubliche Kraft verliehen hat, die ich mit ihr verbinde, und den Mut vorwärts zu gehen, Grenzen zu erweitern. Wir haben eine so verrückte Welt, in der wir leben, dass das sich Besinnen auf andere Werte schon überlebensnotwendig geworden ist. Auch sich zu verbinden mit der Stille im Inneren, die einem dann doch so viel zu sagen hat, ist für mich ein Bestandteil meines Lebens, den ich nicht mehr missen möchte.“

Auf ihrer
zweiten Homepage, die den religiösen Gesängen der Künstlerin gewidmet ist, kann man ihre Hildegard-CD bestellen und einige Hörproben genießen.




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MusicMonday: Lydische Messe, Gloria

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Obwohl noch nicht ganz zum katholischen Glauben bekehrt, drängte es mich um die Jahreswende 2000/2001, eine lateinische Messe zu komponieren. Intuitiv griff ich zu den alten Kirchentonarten und komponierte die „Dorische Messe“ - logo - im dorischen Modus. Die Ausdruckskraft dieser Modi faszinierte mich so sehr, dass ich beschloss, in den Haupttonarten dorisch, lydisch, phrygisch und myxolydisch jeweils das ganze Ordinarium zu vertonen. Ein halbes Jahr später, im August 2001, komponierte ich die zweite Messe in dieser Reihe, die „Lydische Messe“. Der lydische Modus (F-G-A-H-C-D-E) klingt wegen des nach oben strebenden Tritonus F-H besonders strahlend. Im 8-stimmigen Gloria, dem mein heutiger „MusicMonday“-Post gewidmet ist, stelle ich homophone Partien polyphon verarbeiteten Passagen gegenüber, die im Mittelteil („qui tollis peccata mundi“) für eine gewisse Dramatik sorgen. Ab „quoniam tu solus sanctus“ wird das thematische Material des Anfangs wiederholt, um in einem leuchtenden F-Dur Akkord, gewürzt mit der großen Septime, zu münden. Die Aufnahme stammt von der Uraufführung durch die „Mendener Kantorei“ unter der Leitung meines Freundes Johannes Krutmann.

Leider habe ich bis heute noch keine phrygische und keine myxolydische Messe komponiert. Dafür steht's aber auf meiner (ewig langen) Todo-Liste…

Lydische Messe op. 53 - II. Gloria  by  davidianni


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In Loving Memory

Aus aktuellem Anlass ein Klagegesang des estnischen Komponisten Arvo Pärt, der heute übrigens 74 geworden ist.




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Musik zu Mariä Geburt

Zum heutigen Fest „Mariä Geburt“ (s.a. den schönen Beitrag der Braut des Lammes) möchte ich euch einen wunderbaren Mariengesang eines der großen Meister der polyphonen Vokalmusik der Spätrenaissance vorstellen.



Habt ihr euch betören lassen von diesen sphärischen Klängen? Der Komponist, ein Neffe des hl. Carlo Borromeos, ist heute vor knapp 400 Jahren gestorben. Man könnte annehmen, dass seine Geschichte, die ich kurz umreißen möchte, dem wilden Geist eines Krimi-Autors entsprungen sei. Leider ist sie wahr und durch historische Dokumente belegt.
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MusicMonday: Wünschelrute

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Komponieren machte mir schon als Kind Spaß. Meine ersten „gültigen“ Kompositionen, also Stücke, die ich heute noch spiele, schrieb ich mit etwa 12 Jahren. Ich betrachtete das Komponieren allerdings als reines Hobby, glaubte, dass man mich als Komponist nie ernst nehmen würde, da meine Musik zu „romantisch“ sei. Das änderte sich, als ich mich als 16- oder 17-Jähriger in eine junge Frau verliebte, die mir versicherte, dass das Komponieren zu meiner Berufung dazugehöre. Als hoffnungsloser Romantiker, der ich damals war, entstand 1997 unter dem Eindruck dieser Begegnung eine atmosphärische Vertonung der berühmten „Mondnacht“ von Joseph Freiherr von Eichendorff. Ein Jahr später beschloss ich, weitere Lyrik von Eichendorff in Töne zu übersetzen, so wie ich sie eben in mir empfand. Ein etwas esoterisch angehauchtes, aber dennoch schönes Gedicht, das ich damals für den Zyklus auswählte, ist die „Wünschelrute”:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort.
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Der Zyklus der „Eichendorff-Lieder op. 3“ besteht aus 12 Stücken. Die „Wünschelrute“ steht an vierter Stelle der Komposition und beschert euch nun hoffentlich angenehme viereinhalb Minuten.

IV. Wünschelrute (aus den „Eichendorff-Liedern op.3“)  by  davidianni

P.S.: Ich bin kein Wünschelrutenläufer. ;-)


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MusicMonday: Toccata

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Wie kürzlich angekündigt, werde ich jeden Montag ein Aufnahme von mir vorstellen. Heute könnt ihr euch meine Toccata op. 2 anhören. Ich habe sie 1998 komponiert, um meinem Ärger über einen eingebildeten und unfreundlichen Fahrprüfer Luft zu machen. Der Typ ließ mich einfach durchrasseln, obwohl ich - wie könnte es anders sein - gut gefahren bin. Mein Fahrlehrer fuhr mich wieder heim, wo ich mich gleich an den Flügel setzte und scharfe Quinten hinein hämmerte. So wurde die Toccata geboren. Der Titel leitet sich übrigens aus dem italienischen „toccare“ ab, was „berühren“, aber auch „schlagen“ bedeutet. Früher wurde damit das improvisatorische Einspielen auf der Orgel bezeichnet, weshalb diese Gattung besonders häufig mit Orgelwerken, vor allem jenen J.S. Bachs in Verbindung gebracht wird. Doch auch für das Klavier gibt es eine ganze Reihe von Toccaten, die ihre Komponisten meist in jungen Jahren schrieben. Das liegt wohl an der temperamentvollen, jugendlichen Ausstrahlung der Gattung. Viel Freude beim Hören!

Toccata op. 2  by  davidianni


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Musik von mir auf Twiturm

Für jene, die an Musik interessiert sind, werde ich zukünftig jeden Montag eine Aufnahme von mir über den Twitter-Dienst Twiturm präsentieren. Es werden hauptsächlich eigene Kompositionen, aber auch Aufnahmen mit klassischen Werken zu hören sein. Um über die neuesten Stücke informiert zu werden, ist es am einfachsten, wenn ihr mir auf Twitter folgt. Ihr könnt jedoch auch gleich Twiturm besuchen und dort den RSS-Feed abonnieren. Ich werde für meine Blogleser auch jeweils eine kurze Einführung in das betreffende Stück hier posten. Viel Freude beim Hören!

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Nachtrag (31.08.2009):
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich twiturm oder vielleicht doch Soundcloud nutzen werde. Das lässt sich halt sehr schön auf meinen Blog einbinden. Die Erfahrung wird’s zeigen.


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Maria Himmelfahrt mit Heinrich Biber

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Am 12. August, also vor drei Tagen, war der 365. Geburtstag von Heinrich Ignaz Franz Biber. In Ars bin ich nicht mehr dazu gekommen, über Biber zu bloggen, obwohl ich es mir eigentlich fest vorgenommen hatte. Doch auch heute bietet sich eine wunderbare Gelegenheit, die Musik dieses großen Komponisten kurz vorzustellen.

Eines seiner Hauptwerke sind die so genannten „
Rosenkranz-Sonaten“ (oder auch „Mysterien-Sonaten“) für Violine. Jedes der 15 Rosenkranzgeheimnisse wird durch eine mehrsätzige Sonate musikalisch betrachtet. So möchte ich am heutigen Hochfest „Maria Himmelfahrt“ (lesenswerte Einführungen gibt es u.a. bei Elsa, Stefan, Andreas und natürlich auf kath.net) einen Auszug aus der 14. Sonate hier einbetten. Diese Musik kann uns helfen, tiefer in die strahlende Freude des heutigen Tages einzudringen und unser Herz durch Maria zu Gott emporzuheben.

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes und von tiefer Freude erfülltes Fest!




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Urlaub!

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Morgen ist es soweit: für ganze 4 Wochen bin ich mit meiner kleinen Familie unterwegs. Auf „Gott sei Dank“ wird sich in dieser Zeit wohl nicht so viel tun. Vielleicht schicke ich mal einen Gruß aus Ars oder aus Heiligenkreuz oder von sonst einem der schönen Orte, wo wir mit Gottes Gnade Kraft tanken werden. Ich hoffe nur, dass die Reise mit zwei Kleinkindern nicht in Stress ausarten wird.

Zur Verdeutlichung stelle ich euch eine kurze Aufnahme von Antonio vor (gerade 2 geworden), wie er –
Gustavo Dudamel beobachtend – den 2. Satz aus Schostakowitschs 10. Symphonie dirigiert. Mein Sohn hat Temperament. Allein das Zuschauen kann anstrengend sein.



Gott sei Dank ist Antonios kleiner Bruder Raphael sehr, wirklich sehr viel ruhiger. Die Situation ist für die Eltern also noch zu meistern. Der kleine Schatz krabbelt übrigens unten neben dem Dirigenten und taucht im Video auch mal kurz auf, fällt aber im Gegensatz zu Antonio kaum auf. Auch ein wilder Schostakowitsch hindert ihn nicht daran, seelenruhig mit seinen Bauklötzen weiter zu spielen.

Ähnlicher Beitrag: Kinder und klassische Musik


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Zum Todestag von Vivaldi und Bach

Sowohl Johann Sebastian Bach (1685-1750) als auch Antonio Vivaldi (1678-1741) sind am 28. Juli gestorben. Grund genug, um auf eine wichtige Beziehung (außer dem gemeinsamen Todestag) hinzuweisen: beide Komponisten kannten sich zwar nicht persönlich, jedoch hat J.S. Bach Vivaldis Werke so hoch geschätzt, dass er fast ein Dutzend von dessen Solo-Konzerten während seiner Weimarer Zeit (1708-1717) für andere Besetzungen umgeschrieben hat.

Hier ein schönes Beispiel. Das Original von Antonio Vivaldi (Estro Armonico op. 3 Nr. 10, Konzert für 4 Violinen, erster Satz):



Und nun die Transkription von Johann Sebastian Bach (Konzert für 4 Cembali BWV 1065, erster Satz):





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Meine Top 5 Podcasts

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Meinen iPod Touch möchte ich im Alltag nicht mehr missen. Nicht nur, weil dort all meine Kontakte, mein Kalender, mein Email- und mein Twitter-Programm sowie mein Newsreader jederzeit griffbereit sind, sondern auch, weil ich neben guter Musik sehr interessante Sendungen als Podcast hören bzw. anschauen kann. Damit ist z.B. die Zeit während dem Weg zur Arbeit und zurück sinnvoll genützt.

Ich möchte euch kurz meine 5 Lieblingspodcasts vorstellen. Die Links verweisen im Übrigen auf
iTunes, mit dem man die Sendungen downloaden und auf den iPod übertragen kann.

1. Was heute geschah (Audio)
Was geschah genau heute vor … Jahren? Ein Rückblick auf ein bestimmtes Ereignis in der Musikgeschichte. Kurz und interessant.

2. Zeitzeichen (Audio)
Ähnlich wie „Was heute geschah”, nur länger (eine knappe Viertelstunde) und aufwändiger produziert. Außerdem werden nicht nur Ereignisse aus der Musikgeschichte beleuchtet, sondern aus der Geschichte im allgemeinen.

3.
NDR Kultur - Klassik à la carte (Audio)
Gute Interviews mit interessanten Gesprächspartnern aus der Kulturszene. Leider ohne die Musik, die aus rechtlichen Gründen nicht im Podcast mit angeboten werden darf.

4.
Menschen hautnah (Video)
Eine Sendung fürs Herz. Menschen und ihre Schicksale werden einfühlsam portraitiert. Überschreitet für meinen Geschmack nie die Grenze zum Kitsch.

5.
3sat neues - Das Computermagazin (Video)
Als Techik-Interessierter gefällt mir dieser Podcast auch recht gut, wenngleich nicht alle Beiträge gleich interessant sind.

Bonus: SQPN (The Starquest Production Network)
Fr. Roderick Vonhögen ist ein Pionier im katholischen Podcasting. Auf ihn geht SQPN zurück, das eine ganze Palette an Podcasts anbietet. Ich habe seine Sendung „The Break“ abonniert, die sehr unterhaltsam ist, religiös jedoch nicht so sehr in die Tiefe geht. Das gehört allerdings zum Konzept der Sendung, damit die Zielgruppe besonders groß bleibt.


Ich hoffe, dass etwas Interessantes für euch dabei ist. Zusätzliche Empfehlungen können gerne in den Kommentaren weitergegeben werden!


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Dinge gibt's!

Dieses Video wurde mir heute von einem Kollegen zugeschickt. Der türkische Marsch von Mozart, 4-händig und… auf einer Gitarre!




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Fauré, der Tröster

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Gestern wäre Gabriel Fauré 164 Jahre alt geworden. Wie Beethoven und Smetana wurde auch Fauré gegen Ende seines Lebens taub. Ich kannte und liebte bereits viele seiner wundervollen Lieder und das berühmte Requiem bevor ich letztes Jahr sein erstes Klavierquartett op. 15 und sein Klaviertrio op. 120 gespielt habe. Dadurch habe ich diesen Komponisten noch mehr schätzen gelernt. Jedes Mal, wenn ich seine Musik höre, empfinde ich Trost. Ja, tröstlich, das ist wohl die treffendste Beschreibung der Musik Gabriel Faurés.

Es gibt Momente, da braucht man neben dem göttlichen Beistand auch den Trost, der einem durch die Musik gespendet werden kann. Wie ein heilender Balsam kann sie die Schmerzen der Seele lindern. Für einen Komponisten-Kollegen, der am Wochenende seine Frau durch einen tragischen und unverschuldeten Unfall verloren hat, möchte ich das Sanctus aus Faurés Requiem hier einstellen. Meine Gebete gelten dir und deiner Familie, lieber Camille Kerger.



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Etwas Musik… Teil 2

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Geschafft! Heute morgen habe ich die Audio-Seiten vorläufig fertig gestellt. Es befindet sich nun eine größere Auswahl an Klavier- und Chorwerken dort (es ist schließlich nicht nur ein Blog, sondern auch die Homepage eines katholischen Künstlers). In den kommenden Tagen werde ich mich wieder mehr dem Bloggen zuwenden und etwas über Glaube und Musik schreiben. Ich musste feststellen, dass diese Themenkombination verhältnismäßig nur spärlich im Web vertreten ist. Darf man die etwas provokante These aufstellen, dass Katholiken oft wenig musikkundig sind, während Tonkünstler selten als überzeugte Katholiken leben?


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Etwas Musik…

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Ich habe mal einiges an Musik hochgeladen in der Hoffnung, dass es euch gefällt. Unter Audio könnt ihr ja mal reinhören. Es ist allerdings nur eine kleine Auswahl an Kompositionen. Zu den Chorwerken habe ich auch noch keine Einführungen geschrieben. Vielleicht vervollständige ich die Sammlung im Laufe der Zeit.

Ein kleines Weihegebet an die Muttergottes soll an dieser Stelle nicht fehlen:

Geliebte Muttergottes, so wie meine Seele und mein Leib, alles, was ich bin und habe, dir gehören, so möge auch jeder Ton meiner Musik deinem unbefleckten Herzen geweiht sein, damit du sie zur größeren Ehre Gottes und zur Freude der Menschen erklingen lässt.



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Für Antonio

Das neue Lieblingsstück meines Sohnes Antonio (*24.06.2007). „Pini di Roma“ von Ottorino Respighi. Oder hieß der Komponist doch Walt Respighi?




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Über die Notwendigkeit der Musik

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Vergangenes Wochenende hatte ich das Glück, an einem Seminar des Neurologen und Querflötisten Dr. Prof. med. Eckart Altenmüller teilzunehmen. Dass Musik positive Auswirkungen auf den Menschen haben kann, weiß man intuitiv. Prof. Altenmüller belegt diese Ahnung durch seine ausgiebigen Forschungen mit beeindruckenden Resultaten. Den Inhalt seiner Vorträge kann ich hier nicht wiedergeben, aber seine 8 Argumente für die Notwendigkeit von Musik an unseren Schulen möchte ich kurz erläutern. Sie fassen komprimiert zusammen, wieso Wissenschaftler wie Prof. Altenmüller ihre Forschungen diesem Gebiet widmen.

1. 98% der Menschen sind mit einem Sinn, mit Liebe für die Musik geboren

Die restlichen 2 Prozent leiden wohl unter einer „kongenitalen Amusie” (früher mit dem besser verständlichen Namen „Seelentaubheit“ bezeichnet).

2. Musik ist ein Teil der Kulturen

Prof. Altenmüller legt Wert auf die Mehrzahl, da Musik in allen Kulturen eine wichtige Rolle spielt.

3. Musik lehrt uns das Zuhören

Musikhören muss ein aktiver Prozess sein, wenn man die Musik verstehen will. Sie hilft uns, auch im Leben besser zuzuhören.

4. Musik fordert uns heraus

Will sagen: Musik ist nicht da, um uns glücklich zu machen (natürlich kann sie das auch!), sondern sie kann und soll uns auch verstören, Dinge in Frage stellen, unser Denken herausfordern. So manch eine Biographie wurde schon durch ein kleines Musikstück drastisch umgeschrieben!

5. Musik ist interdisziplinär

Sie vereint verschiedene Disziplinen wie z.B. Dichtung, Mathematik, Architektur und fördert unsere Fähigkeit in Querverbindungen zu denken.

6. Musik macht unser (Innen-)Leben reicher

Wenn Sie zu den 98% gehören, die mit einer Affinität für Musik geboren sind, werden Sie dieses Argument ohne Weiteres bestätigen können!

7. Musik ist eine „Insel“ der Kreativität

Musizieren, aber auch Musikhören, bietet wunderbare Möglichkeiten, die Kreativität auszuleben und auszubauen.

8. Musik ist eine Möglichkeit, der Welt Sinn zu geben
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Der letzte Punkt in Prof. Altenmüllers Argumentation gefällt mir persönlich am besten: Musik kann tatsächlich helfen, die Welt zu erklären und besser zu verstehen. Sie kann Realitäten „aussprechen“, für die die Sprache keine Worte mehr hat. Hier ist natürlich die spirituelle Dimension der Musik gemeint, die ein Bindeglied ist zwischen dem Sicht- und dem Unsichtbaren.

Prof. Altenmüllers neues Buch kann man hier vorbestellen. Danke, lieber Prof. Altenmüller, für die tollen Vorträge!


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„Die Winterreise“ aus der Sicht des Sängers

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Eine Einführung in Franz Schuberts „Winterreise“ von Marion Michels.

“Am Brunnen vor dem Tore” oder “Das Wandern ist des Müllers Lust” - jedem fällt hier der Begriff “Deutsches Volkslied” ein und eventuell der Name: Franz Schubert. Wer allerdings für die Texte verantwortlich zeichnet, ist den meisten Leuten nicht bekannt. Wer war der Dichter dieser Lieder, die Schubert einen “schauerlichen Zyklus” nannte, als er die Winterreise vertonte?weiterlesen...
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Kinder und klassische Musik

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Vor einigen Tagen zeigte mir eine junge Mutter eine CD von Detlev Jöcker, die sie dem Kind einer Freundin schenken wollte. Nach kurzem Hinheinhören musste ich auch schon wieder ausschalten. Muss man Kinder derart unterfordern?

Nichts gegen Jöcker oder sonstige Kinderliedermacher, die sicher viel Liebe in ihre Musik stecken und damit auch viele Kinder (und Eltern) begeistern. Es ist ja schön, ab und zu diese Lieder mit Kindern zu hören, wenn es nicht ausschließlich dabei bliebe. Die Musikgeschichte kennt ja so viel bessere Musik! Zum Beispiel die klassische Musik eines Bach, Mozart, Beethoven, Mendelssohn…

Klar, wenn die Eltern nie einen Zugang zur klassischen Musik gefunden haben, werden sie sie ihren Kindern auch nicht weiter geben. Vielleicht können unsere Kinder jedoch ein Grund sein, dass wir unsere CD-Sammlung um ein paar Klassik-CD’s erweitern. Unsere Liebsten werden es uns danken.

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Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass nicht nur das Musizieren, sondern auch das Musikhören die Entwicklung eines Kindes maßgeblich fördern kann. Ich merke immer wieder, dass meinen beiden Söhnen klassische Musik einfach gut tut. Besonders Antonio, der im Juni 2 Jahre alt wird, liebt es, auf langen Autofahrten z.B. Beethovens Symphonien zu hören. Und es muss nichts Seichtes sein, im Gegenteil, je temperamentvoller, umso besser. Während der enormen Steigerungen im ersten Satz der berühmten Fünften jauchzt er laut lachend mit und wackelt aufgeregt mit seinen kleinen Beinchen - im Takt!

Ich glaube nicht, dass dies ein Zeichen besonderen Talents ist (wobei mich das als Vater natürlich freuen würde), sondern vielmehr, dass Kinder einfach noch derart offen für die direkte und kraftvolle Sprache der klassischen Musik sind, dass sie diese tief mitempfinden können.

Zur Geburt von Antonio habe ich ihm auch Baby-CD’s gekauft, auf denen klassische Musik von einem Spieluhren-Orchester gespielt wird. Das ist süß, wirklich. Es war auch schön, diese Kindermusik ab und zu mit unseren Babys zu hören. Aber wir wollen nicht dabei stehen bleiben, sondern mit ihnen zusammen die Originale hören. Sie haben es verdient!

Siehe auch: Antonio dirigiert


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Ein Interview aus Medjugorje

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Abschrift eines Interviews, das ich Ende 2005 in Medjugorje (Bosnien-Herzegowina) gegeben habe.

Am 31.12.2005 sprach David Ianni über die Gründe seiner wiederholten Pilgerfahrten nach Medjugorje, über seine Kunst und seinen Glauben.

David Ianni, Sie sind Pianist und Komponist aus Luxemburg, zur Zeit leben Sie in Österreich, und Ihr Herz ist irgendwie sehr stark mit Medjugorje verbunden. Warum? Was bedeutet Medjugorje für Sie, für Ihre Kunst, für Ihr geistliches Leben?

Ich bin letztes Jahr zu Silvester zum ersten Mal in Medjugorje gewesen. Das war mit einer Gruppe aus Österreich, „Amici di Dio“, die jedes Jahr Pilgerfahrten nach Medjugorje organisiert. Meine Bekehrung hängt eng mit der Weihe an Maria zusammen. Kurz nachdem ich die Weihe gemacht hatte, das war im Sommer 2004, spürte ich einen starken inneren Ruf, nach Medjugorje kommen zu sollen. Eine Bekannte hat mir einmal gesagt: „Wenn du im entferntesten das Bedürfnis hast, nach Medjugorje zu fahren, dann könnte es sein, dass die Muttergottes selbst dich ruft.“ Dieser Satz hat mich nie losgelassen. Besonders nach der Weihe ist er stärker geworden.

Warum haben Sie diese Weihe gemacht?

Ich bin traditionell etwas oberflächlich katholisch aufgewachsen. In meiner Jugend war mir die Musik sehr wichtig, ich habe angefangen Konzerte zu spielen und bin sehr viel herumgereist, und schon in dieser Zeit haben sich die Fragen gestellt nach dem Sinn des Lebens. Die Kirche war für mich aber verschlossen. Ich hatte die Sehnsucht nach etwas Exotischem, nach Esoterik, nach asiatischen Religionen. Ich musste einige Umwege gehen, bis ich dann im Jahre 2000 eine katholische Kirche kennen gelernt habe, wo ich Organist war. Eine Frau hat mir einen Rosenkranz geschenkt, der aus Medjugorje war. So habe ich angefangen den Rosenkranz zu beten. Und so ist Medjugorje in Verbindung mit meiner Bekehrung. Der Rosenkranz, die Muttergottes durch den Rosenkranz, hat mich zurück zur katholischen Kirche geholt. Durch dieses Gebet ist meine Liebe zu Maria gewachsen und in mir wurde der Wunsch immer stärker, diese Weihe an Maria zu machen. Dieselbe Bekannte, die zu mir über Medjugorje gesprochen hat, hat mir auch das Goldene Buch von Ludwig Maria Grignion de Montfort empfohlen. Das hat mich sehr tief angesprochen und ich wusste, dies sei mein Weg. Vier Monate nach der Weihe bin ich nach Medjugorje gekommen. Ich hatte das Gefühl, einfach richtig hier zu sein. Es ist nicht so spektakulär, wie ich es erwartet hatte. Es gibt nämlich viele Zeugnisse von Menschen, die hier radikal bekehrt wurden, aber ich hatte ja vorher schon zurück zum katholischen Glauben gefunden. Es war einfach schön, weil die Pfarrei in Medjugorje ein schönes und starkes Zeugnis der lebendigen Kirche ist.

In welchem Sinne meinen Sie das?

Viele Gläubige, auch viele junge Menschen, kommen hierher. In den Messen, auf dem Erscheinungsberg und auf dem Kreuzberg trifft man junge Menschen, die beten, und das hat mich fasziniert. Man spürt auch die Präsenz der Muttergottes. Auf dem Erscheinungsberg habe ich einen sehr tiefen Frieden empfunden. Das Beten fällt einem sehr leicht dort. Unabhängig von den Erscheinungen ist die Kirche lebendig hier. Die Kirche ist voll, man spürt die Freude in den Messen. So viele Menschen leben hier ihren Glauben, gehen zur Kirche und empfangen die Sakramente. Besonders stark ist Gnade der Beichte in Medjugorje.

Woran hängt das, Ihrer Meinung nach?

Ohne dem Urteil der Kirche vorgreifen zu wollen, meiner Meinung daran, dass die Erscheinungen echt sind. Ich habe die Seher nur von ferne gesehen, Vicka etwas näher, und ich finde, dass sie eine authentische Ausstrahlung hat.

Was spricht die jungen Menschen in Medjugorje am meisten an? Was zieht sie an?

Die Sehnsucht nach Frieden, der Durst nach Wahrheit. Die Welt lügt uns so oft an. Durch die Medien bekommen wir überwiegend Negatives gezeigt. Junge Menschen werden auf dem Gebiet der Sexualität sehr manipuliert und in ihren Seelen angegriffen. Wenn sie noch keinen gefestigten Glauben haben, kann das zu schwerwiegenden Folgen führen. Die Botschaft von Medjugorje weckt in ihnen die Sehnsucht nach wahrem Frieden, und wohl auch nach Gott und nach Familie, nach intakten Familien. Die meisten Menschen kommen heutzutage aus zerrütteten Familien. Es ist sehr selten, dass man noch eine Familie findet, wo wirklich die Nächstenliebe gelebt wird, wo gebetet wird, wo die Eltern sich bei der ersten Schwierigkeit nicht gleich scheiden lassen. Aber am meisten zieht sie meiner Meinung nach die Sehnsucht nach Gott nach Medjugorje, danach, dem Leben einen Sinn zu geben. Hier begegnet man Maria und Christus intensiver als zuhause. Ein wichtiger Faktor ist, dass junge Menschen andere junge Menschen treffen, bei denen sie sehen, dass sie den Frieden gefunden haben, dass sie etwas tiefer im geistlichen Leben gekommen sind. Das ist ein starkes Zeugnis. Ein weiterer Punkt, der hier eine sehr wichtige Rolle spielt, ist die Anbetung in der Kapelle und die Anbetung in der Pfarrkirche. Das ist ein Schatz in unserer katholischen Kirche: Jesus in der Eucharistie, Jesus in den Sakramenten. In Seiner Präsenz verweilen dürfen. Besonders schön ist hier die Gestaltung: einfache Sätze, die tief ins Herz gehen, gepaart mit der Musik. Als Musiker fühle ich mich sehr angesprochen. Ich möchte besonders die Violinistin Melinda Dumitrescu hervorheben. Sie ist eine begnadete Musikerin und ihr Ton berührt unzählige Pilgerherzen. Sie ist eine Musikerin so wie wir, als Musiker, es uns wünschen: Das Geschenk ihrer Begabung, die sie von Gott in die Wiege gelegt bekommen hat, beantwortet sie mit einer tiefen Liebe zu Gott. Sie macht Musik für Gott. Viele begnadete Musiker machen sich vielleicht zu wenig Gedanken, woher ihr Talent kommt. Die Musik hat uns Gott geschenkt, damit wir ein Mittel haben, Ihn zu preisen, mit Ihm in Berührung zu kommen, die Menschen zur Wahrheit zu führen, in ihr Inneres zu führen, Licht und Frieden verbreiten. Das ist eine besondere Gabe der Musik, weil die Musik über den Sprachen steht. Musik versteht jeder, unabhängig von der Kultur und von der Sprache.

Wie verbinden Sie Ihren Glauben und Ihre Musik?

Ich nehme die Musik als Geschenk an. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ich Musik spielen und komponieren kann, dass ich gewisse Gaben habe. Was ich von Gott bekommen habe, möchte ich Ihm zurück geben. Die Weihe an die Muttergottes wiederhole ich jeden Tag, und ich beziehe sie nicht nur auf mein Leben, auf den Umgang mit meinen Mitmenschen, sondern auch ganz explizit auf meine Musik, damit meine Musik der Muttergottes, und somit Jesus gehört. Ich bete um Inspiration und versuche so gut wie möglich die Botschaft des Evangeliums in Töne zu übersetzen und so Gott zu den Menschen näher zu bringen. Ich bete sehr viel vor, während und nach den Konzerten. Es ist wichtig, besonders nach dem Konzert auch weiter für das Publikum zu beten. Kirche und Kreuz sind Worte, die manche Menschen abschrecken, weil sie negative Assoziationen in ihnen hervorrufen, aber Töne öffnen die Herzen, und mit einem geöffneten Herzen kann man zum wahren Glauben finden. Das ist eigentlich mein Ziel mit der Musik: die Herzen meiner Hörer für den Glauben zu öffnen.

Interview: Lidija Paris, ursprüngliche Veröffentlichung
hier.


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Der katholische Musiker

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Musik kann bis ins Innerste des Menschen vordringen. Dies ist Geschenk und verantwortungsvolle Verpflichtung zugleich. Wie wird man dieser Gabe gerecht?

Die Musik spricht eine Sprache jenseits der Worte und führt somit auch über diese hinaus. So ähnlich ist es mit dem Gebet: gedanklich oder tatsächlich gesprochene Worte, die an Gott, an Maria, an die Heiligen, die Engel oder die armen Seelen gerichtet sind, führen in eine Realität jenseits des Wahrnehmbaren, um schlussendlich in der Stille zu münden. Denn hier, und nur hier im Schweigen ruht die Fähigkeit, auch wirklich zuzuhören. Erst wenn das Herz im Gebet aufhorcht, kann der Mensch Gott ge-horchen, kann unser Gebet fruchtbar werden.

Genau so sollte es auch mit der Musik sein: zu Beginn steht die Sammlung und das zur-Ruhe-Kommen. Erst nach diesem Aus- und Einatmen (die Reihenfolge ist bewusst gewählt) darf ein Musiker, der für Gott musizieren will, seinem Instrument die ersten Töne entlocken. Und dann muss das gespielte oder gesungene Gebet tief in das eigene Ohr gelangen um im Herzen, von wo es eigentlich immer ausgehen sollte, wieder anzukommen. Natürlich setzt dies voraus, dass die dargebrachte Musik beherrscht wird und dem „musikalischen Opfer“ eine angemessene Zeit des Studiums vorausgegangen ist, damit die Hingabe beim Musizieren nicht durch technische Schwierigkeiten beeinträchtigt wird.

Also: nicht nur der Hörer, sondern besonders auch der Interpret muss zuhören, hinhorchen, sich mit jeder Pore in die Musik hinein fühlen können. Ob es sich um einen Instrumentalisten, einen Chorsänger oder einen die Präfation singenden Priester handelt, ob es um Musik im Gottesdienst, im Konzert, beim Gebetsabend oder beim Wandern geht: Höre! Nicht umsonst taucht dieses wundervolle Verb weit über vierhundertmal im Neuen Testament auf. Das höchste Gebot für das Musizieren ist nach dem Lieben - ohne Liebe keine Musik - das Wort Jesu: „Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er!“ (Mk 4,23)


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Soli Deo Gloria

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Interview mit Amici di Dio für den Amici-Newsletter im März 2005 (ursprünglich erschienen auf www.kath.net und auf www.amicididio.com)

Die „Amici News“ unterhielten sich mit dem katholischen Künstler über seine Musik, sein Leben und seinen Glauben.


AdD: David, du bist Pianist und Komponist. Was bedeutet für dich Musik?

David: Musik ist eine Gnade Gottes. Beim Musizieren, ob ich nun komponiere oder spiele, bete ich, vielmehr, das Musizieren selbst ist Gebet in sich. Das ist ein schönes Gefühl, und immer wieder ist es auch ein Geschenk für mich, wenn ich erleben darf, wie sich die Herzen meiner Zuhörer öffnen für die Liebe, von der gute Musik letztendlich immer singt, in all ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen. Ob ich nun Beethoven, Chopin, Liszt, Schubert oder Brahms spiele – die großen Meister der klassischen Musik sind Künstler, deren Musik wir uns meiner Meinung nach vorbehaltlos anvertrauen und hingeben dürfen. Der Hörer kann so zum Mitbeter werden und Gottes Nähe tatsächlich in der Musik spürbar erfahren. Ich meine, dass alle großen Komponisten gläubige Menschen waren. So wusste zum Beispiel J. S. Bach, mein Lieblingskomponist, sehr wohl, wem er seine Musik zu verdanken hatte. Mit den Worten „Soli Deo Gloria“, die er auf seine Partituren zu schreiben pflegte, gab er dem Herrn das Empfangene in aller Bescheidenheit zurück. Solche Komponisten sind als Musiker meine Vorbilder, musikalische Heilige sozusagen. Ein Musiker muss meiner Meinung nach immer im Dienst der Musik stehen, und somit auch im Dienste Gottes, der uns das Leben und die Musik schenkt. Sie darf nicht zum Selbstzweck und zur Verbreitung negativer Inhalte missbraucht werden, was heutzutage leider oft der Fall ist. Doch es ist auch unübersehbar, dass immer mehr Künstler, vor allem auch junge Persönlichkeiten, sich zu ihrer Religiosität bekennen und die Menschen durch ihre Musik ermutigen und stärken wollen.

AdD: Bevor du zum katholischen Glauben fandest, warst Du einige Zeit bei einer Esoteriksekte. Wie bist du da hinein geraten?

David: Obwohl ich die Sakramente der Taufe, der Kommunion und der Firmung erhalten hatte, spielten Gott und die Religion in meinem Leben keine Rolle. Ich hatte keinen Glauben, der mir Halt geben konnte in einer Zeit meines Lebens, mit 16 Jahren, in der ich mit den Erfolgen und dem daraus resultierenden Druck meiner beginnenden Karriere einfach überfordert war. Mit 17 kaufte ich mir in London, wo ich damals studierte, meine ersten Esoterikbücher. Ich war sehr fasziniert von asiatischen Religionen, Meditation und Esoterik und dachte, dort Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens finden zu können. 1998 lernte ich ein esoterisches Seminarzentrum im Saarland kennen. Dort werden sehr teure Seminare zu allen möglichen esoterischen Themen angeboten: Tantra, Astrologie, Numerologie, Shiatsu, Okkultismus, Magie, Weltverschwörungstheorien... Nach und nach richtete ich unter dem Einfluss dieses Hauses mein ganzes Leben nach den Seminaren aus und vernachlässigte meine Freunde, meine Familie, meine Musik.

AdD: Welche Inhalte wurden von dieser Sekte vermittelt?

David: Die Leiterin dieses Hauses versteht sich als „spirituelle Lehrerin“ und als Medium für den so genannten „Christusgeist“, eine geistige Wesenheit, der auch Buddha und Christus angehören sollen. Diese spricht durch das Medium, auch in Einzelsitzungen à 77 Euro die Dreiviertelstunde. Es geht letztendlich um Geld und um Macht. Die Lehrer, die eine sehr charismatische Ausstrahlung haben, geben vor, dem Hilfesuchenden zur Erlösung seiner Leiden zu verhelfen. Ihre Lehren beinhalten Ideen aus verschiedenen Religionen, sowie ein wenig Psychologie und Naturheilkunde. Eine Mischung, die viele Menschen anzieht, die wie ich damals auf der Suche sind und nicht fest im Glauben stehen. Sie benutzen die Sehnsucht der Menschen nach Gott und machen sie sich hörig. Das funktioniert auch deshalb, weil sie alles auf das „höhere Wissen“ der „Meisterin“ zurückführen und das Ganze sehr clever und beeindruckend inszeniert wird. Seltsamerweise glaubten wir als „Schüler“ umso mehr, je tiefer wir „eingeweiht“ wurden. Ich erinnere mich z. B. daran, dass den Seminarteilnehmern einmal Apfelstücke ausgeteilt wurden mit den Worten „das ist mein Leib“ oder wie man Mutter Teresa wegen ihrer „Ego-Strukturen“ kritisierte. Wenn ich heute daran denke, habe ich als Katholik den Eindruck, dass so der Name des Herrn missbraucht und den Menschen durch solche Äußerungen der Weg in die Kirche fast unmöglich gemacht wird. Hat nicht Jesus selbst uns eindringlich gewarnt: „Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie harmlose Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Mt 7, 15-16)

AdD: Wie hast du es geschafft, aus dieser Sekte auszusteigen?

David: Meine damalige Freundin brachte mich in Kontakt mit jungen Christen, und ich lernte eine neue Lebensweise kennen, kam wieder in Berührung mit Menschen, die nichts mit dem Seminarhaus zu tun hatten. Außerdem war ich eine Zeitlang als Organist und Chorleiter in einer katholischen Gemeinde tätig, war also während eineinhalb Jahren fast täglich der Liturgie „ausgesetzt“, was sicher auch einen bedeutenden Einfluss auf mich hatte. Durch das Geschenk eines Rosenkranzes aus Medjugorje lernte ich das Rosenkranzgebet kennen, das letztendlich wohl der entscheidende Faktor bei meiner Umkehr zum katholischen Glauben und zur Abkehr von der Sekte war. Ich stellte mein Leben unter die Führung der Muttergottes. So konnte ich meine Skepsis gegenüber der Kirche im Laufe der Zeit immer mehr überwinden und entdeckte, dass dort ein lebendiger Geist weht, dass am Altar etwas sehr, sehr Heiliges passiert. Auch die Art meiner Lektüre änderte sich. Irgendwann war ich soweit, dass ich statt der Esoterikbücher die Bibel las. Die Veränderungen in meinem Denken und Handeln öffneten mir die Augen für die Irrlehren, die in dem Seminarzentrum gelehrt werden. Es war ein sehr schwerer Prozess, mich nach mehreren Jahren der „Gehirnwäsche“ von ihnen zu lösen, besonders psychisch. Doch dank der Gnade Gottes und dem Beistand meiner Familie und meiner Freunde bin ich dort wieder heil herausgekommen. Leider bin ich eine Ausnahme. Und ich befürchte, dass es heutzutage viele ähnlich strukturierte Seminarhäuser gibt, die die Menschen gewaltig in die Irre führen. Ich bete für die Menschen, die nach wie vor in diesem Haus ein- und ausgehen und hoffe, dass sie es irgendwann schaffen werden, wieder ein normales Leben zu führen, ohne von Seminar zu Seminar zu leben und dabei Tausende von Euros auszugeben.

AdD: Was bedeutet dir der Glaube?

David: Mein Glaube ist mir unsagbar wichtig geworden. Ich habe den Segen des Rosenkranzgebets für mich erfahren dürfen, und es ist mir zur lieb gewonnenen Gewohnheit geworden, den Rosenkranz täglich zu beten und ihn auch immer in der Hosentasche bei mir zu tragen. Ich berühre die Perlen und weiß: Maria ist da! Besonders der Satz „bitte für uns Sünder“, mit dem ich am Anfang noch große Schwierigkeiten hatte, schenkt mir Trost und Kraft. Ich weiß heute, dass die Gottesmutter Maria, meine Mutter, mich zu Jesus Christus geführt hat. Dafür bin ich ihr einfach nur dankbar. Ich brauche Maria und mir nichts mehr vorzumachen und lerne, besser mit meinen und den Schwächen anderer umzugehen. Und ich glaube, dass sie mich auch durch die Musik immer wieder geführt und beschützt hat. Musik atmet Wahrheit, ist Ausdruck göttlicher Gnade und in gewisser Weise ein Tor, durch das eine Ahnung von Ewigkeit und von der Herrlichkeit Gottes in unsere Herzen strömen kann. Jesus sagt: „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“ (Lk 12, 34) Der Pianist Keith Jarrett hat diesen Gedanken sehr schön weitergeführt: „The music is where the heart is.“

Ein anderer Aspekt des katholischen Glaubens, der mir heilig geworden ist, ist die Tugend der Keuschheit. Was von den meisten noch belächelt wird, ist in Wahrheit eine große Stärke, eine der zwölf Früchte des Heiligen Geistes. Es ist nicht unmöglich und wider die menschliche Natur, ein keusches Leben zu führen und mit dem Sex bis zur Ehe zu warten, sondern eine Gnade, die uns der liebe Gott gewährt, wenn wir Ihn darum bitten. Sexualität ohne Gefühl, ohne wirkliche Bindung, ohne Grenzen, ohne das heilige Sakrament der Ehe, ohne wirkliche Liebe – und so wird sie in der Mehrzahl der Fälle gelebt – führt uns nach meiner Erfahrung in eine innere Not und unweigerlich zu immer größerer seelischer und körperlicher Krankheit. Sie entfernt uns mehr und mehr von unserer Mitte: Isolation, Schmerz, Leid, Trennung, und leider auch oftmals Abtreibung sind die Folgen. Daran kann auch die Verhütung nichts ändern. Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr die Verhütung gefördert wird, umso mehr wird auch eine Geisteshaltung gefördert, die das Geschenk der Sexualität in keiner Weise zu erfassen und zu würdigen vermag. Schade, dass sich offensichtlich nur wenige über diese Zusammenhänge im Klaren sind. Seit ich mich bewusst entschieden habe, enthaltsam zu leben, fühle ich mich paradoxerweise männlicher als vorher. Die Enthaltsamkeit gibt uns, Männern wie Frauen, unsere menschliche Würde zurück. Ich glaube, dass eine keusch lebende Jugend, die der durch und durch sexualisierten Bilderwelt unserer Zeit widersteht, uns in eine bessere Zukunft führen kann.

AdD: Du warst Silvester in Medjugorje, was waren Deine dortigen Erfahrungen?

David: Medjugorje hat mich tief berührt. Es war beglückend für mich, mit den anderen Pilgern, aber auch alleine dort zu beten und innerlich still zu werden. Der Friede war für mich sehr stark spürbar in Medjugorje. Einen besonders nachhaltigen Eindruck haben die Aufstiege zum Erscheinungs- und zum Kreuzberg in mir hinterlassen. Auch die fünf Grundlagen für ein gesegnetes und gottesfürchtiges Leben, die Maria den Gläubigen durch ihre Botschaften immer wieder in ihre Herzen legen möchte, nämlich Eucharistie, Rosenkranzgebet, Bibel, Fasten und Beichte, sind für mich seit meinen Erlebnissen in Medjugorje noch mehr zu einer Quelle der Inspiration geworden. Ich schöpfe viel Kraft aus meiner Wallfahrt nach Medjugorje.

AdD: Weltjugendtag in Köln: Du bist aus Luxemburg und wirst auch nach Köln kommen, was erwartest du dir vom Weltjugendtag?

David: Es wird mein erster Weltjugendtag sein, und ich schaue Köln mit großer Vorfreude entgegen. Ich freue mich darauf, mit jungen Christen aus aller Welt nach Köln zu reisen, um dort gemeinsam unseren Herrn Jesus Christus anzubeten. Ich sehe, dass vielerorts die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen, was mich sehr freut. Auch in Luxemburg wird viel „Werbung“ für den Weltjugendtag gemacht. Wenn wir alle aktiv im Gebet auf den Weltjugendtag zuschreiten, wird er mit Sicherheit ein Segen sein für alle Pilger. Außerdem wünsche ich mir, dass Papst Johannes Paul II., von den Gebeten seiner ihm anvertrauten Herde getragen, in Freude und guter Gesundheit im August nach Köln kommen kann, um mit uns gemeinsam dieses große Fest unseres Glaubens zu feiern! Ich bete, dass der Herr viele Menschen für sich gewinnt. Und dass wir in Köln eine Bestärkung unseres Glaubens erfahren, die uns ein Leben lang prägen wird.


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