Klaviermusik

Kleiner Ragtime

Weil ich gut drauf bin, hier ein kleiner lustiger Ragtime von mir, den ich zum Spaß nach den Aufnahmen zu den Night Prayers noch eingespielt habe. Viel Spaß. :)

Little Rag (aus „Jazz Divertimento op. 68“) by davidianni
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Klangbeispiele meiner neuen CD

Wer Lust hat, schon mal in die neue CD reinzuhören, findet hier eine erste Auswahl an Stücken:

David_Ianni_Production_042010_Public_Masters by SoundFieldStudios


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Kein Chopin-Konzert in Kathedrale

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Wie vor einigen Tagen auf kath.net zu lesen war, hat der französische Bischof Jean-Marie Le Vert ein Chopin-Konzert in einer Kathedrale untersagt. Als ausübender Künstler und Katholik verstehe ich den Bischof und stimme ihm zu. Es gehört durchaus Mut zu solch einer unpopulären Entscheidung, insofern: Hut ab, Monseigneur! Auch wenn Chopins Klaviermusik alles andere als reine Unterhaltung ist, so ist eine Kathedrale dennoch kein Konzertraum. Damit müssen wir Musikliebhaber uns abfinden. Eine Kirche ist ein Gotteshaus, das der Verherrlichung Gottes und der Stärkung der Seelen dient. Konzerte sollten meiner Meinung nach nur in Kirchen stattfinden, wenn es sich um geistliche Musik handelt oder der Künstler ein Konzert mit explizit religiöser Motivation gestaltet, um den Menschen durch die Musik eine Tür zum Glauben zu öffnen. Was mich bei Konzerten in Kirchen immer stört, ist der Applaus für die Künstler. Hier sollte der Beifall dem lieben Gott gebühren, der im Tabernakel in der ganzen Fülle seiner Liebe gegenwärtig ist. Man kann sich nach einem gelungenen und inspirierten Konzert durchaus für die Künstler freuen und ihnen mit Applaus danken. Allerdings sollten weder das Publikum noch der Künstler vergessen, wem Lob, Preis und Ehre gebühren, sogar im „profanen“ Konzerthaus nicht.


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MusicMonday: Night Prayers op. 79

Meine erste CD mit eigenen Klavierkompositionen, die dieses Jahr erscheinen wird, trägt momentan den Arbeitstitel „Night Prayers“, angelehnt an die drei Nachtgebete, die ich 2005 komponiert habe. Das erste Gebet wendet sich an die Muttergottes (die ersten Töne stehen für „Ave Maria“). In der Mitte des Stücks wird das Thema des „Ave Maria op. 48“ zitiert. Das zweite Nachtgebet basiert auf einem Sanctus meiner lieben Frau Martina. Die Melodie gefiel mir so gut, dass ich ein Klavierstück daraus machen wollte. Das dritte und letzte Gebet des Zyklus ist in einer schwebenden, modalen Harmonik gehalten. Verschiedene Elemente der vorangegangenen Stücke werden hier verarbeitet und münden in einen offenen Schluss, der zum stillen Gebet anregen soll. Freilich ist die Qualität dieser Videoaufnahmen, die ich für Gloria.tv gemacht habe, sehr bescheiden. Das ist einer der Gründe, weshalb ich meine musikalischen „Kinder“ bald professionell aufnehmen werde. :)

Night Prayer I


Night Prayer II


Night Prayer III



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MusicMonday: Chopin und Katzen

Ich befürchte, dass mein Blog dieses Jahr weniger Updates erleben wird als vergangenes Jahr. Ein Grund dafür ist u.a. mein guter Vorsatz: mehr Klavier, weniger Blog… Momentan arbeite ich an Chopins Balladen, die ich Ende Februar anlässlich eines Konzerts zum 200. Geburtstag von Frédéric Chopin spielen werde (s. Termine). Die Balladen 1 und 4 hatte ich bereits in meinem Repertoire, Nr. 2 und 3 lerne und entdecke ich ganz neu. Welch großartige Musik! Nicht nur, dass sie fantastisch komponiert ist. Chopin, der selbst ein begnadeter Pianist war, schreibt trotz aller technischen Schwierigkeiten so „pianistisch“, dass kein Griff und keine Passage unnatürlich oder unbequem wirken. Tatsächlich kommt es mir vor, als vermittle Chopins Musik den Pianistenhänden eine geschmeidige und effiziente Klaviertechnik, ohne die seine Musik nicht spielbar ist. Beim Umgang mit solcher Musik überkommt mich neben der Spielfreude stets eine große Ehrfurcht vor dem Genie des Komponisten. Wahrscheinlich weiß Miezekatze Nora, wovon ich spreche:




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MusicMonday: Bethlehem op. 8

Oje, seit einem Monat habe ich keinen MusicMonday-Beitrag mehr veröffentlicht, wie ich soeben feststellen musste. Wahrscheinlich werden diese Beiträge im kommenden Jahr auch nicht mehr wöchentlich, sondern alle 2-4 Wochen erscheinen. Sonst gehen mir irgendwann die Aufnahmen aus. ;-)

Beim Durchsuchen meines Archivs habe ich eine alte Komposition von mir gefunden, die gut in die Weihnachtsoktav passt:
Bethlehem op. 8, das ich in der Weihnachtszeit des Jahres 1998 geschrieben habe, wenn ich mich recht erinnere.

Die recht einfache, aber sehr innige Komposition besteht aus 3 Teilen. Im ersten Satz schauen wir verzückt auf das Christkind, das unsere Herzen erleuchtet und erwärmt. Im zweiten Teil sehen wir den Heiland mit den Augen der drei Weisen, während wir im letzten Satz die zärtliche Liebe hören, die die Muttergottes und der heilige Josef für das Jesuskind empfinden.

Bethlehem op. 8  by  davidianni

Update: Aufgrund von Internetproblemen konnte ich den Beitrag erst heute, an einem Dienstag, veröffentlichen. ;-)


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Frohe Weihnachten!

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Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen
O du gnadenreiche Zeit!

(Joseph Freiherr von Eichendorff)

XI. Weihnachten (aus „Eichendorff-Lieder op. 3“)  by  davidianni


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Mendelssohn: Präludium und Fuge op. 35 Nr. 1

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Die Musikwelt feierte dieses Jahr Felix Mendelssohn-Bartholdys 200. Geburtstag. Für mich ist Mendelssohn einer der größten Komponisten der Musikgeschichte. Seine Symphonien und die beiden Oratorien „Paulus“ und „Elias“ gehören in jede Klassiksammlung. Allerdings hat Felix Mendelssohn weit mehr Meisterwerke hinterlassen als heute regelmäßig zur Aufführung kommen. Eins davon sind die „Sechs Präludien und Fugen op. 35“ für Klavier. Inspiriert wurden sie durchs Johann Sebastian Bachs „Altes Testament der Klaviermusik“ (Hans von Bülow), dem Wohltemperierten Klavier. Die Aufnahmen stammen von einem Konzert, das ich am 4.4.2004 in Luxemburg gespielt habe.

1. Präludium

Mendelssohn: Präludium und Fuge op. 35 Nr. 1 - Präludium by davidianni

Das erste Präludium und die anschließende Fuge in e-Moll geben Zeugnis von Mendelssohns kontrapunktischer wie pianistischer Meisterschaft. Gebrochene Dreiklänge eröffnen in ungestümem Rauschen das großartige Präludium. Das Thema erklingt inmitten dieser Klangwellen, gespielt vom Daumen der rechten Hand. Nach einer virtuosen Steigerung beenden zwei harsche Akkorde das Präludium.

2. Fuge

Mendelssohn: Präludium und Fuge op. 35 Nr. 1 - Fuge by davidianni

Das emporstrebende Thema der Fuge wird in einer klassischen Exposition durch alle vier Stimmen vorgestellt und entwickelt. Inmitten der seufzenden Sekundenschritte des ersten Zwischenspiels (1’36’’) ertönt das Thema im Bass (1’50’’), während die Mittelstimmen das Tempo auf Sechzehntelnoten steigern und einen anstehenden Sturm erahnen lassen. Mendelssohn schreibt zusätzlich ein „accelerando“ vor. Bei 2’39’’ haben wir ein deutlich schnelleres Tempo erreicht und das Thema wird nun in seiner Umkehrung weiterverarbeitet. Ab 3’23’’ erhöht eine unhaltbare Sechzehntelbewegung in den verschiedenen Stimmen um das umgekehrte Thema die Spannung, bis bei 4’08’’ das Thema wieder in seiner ursprünglichen Gestalt, jedoch in vollkommen verschiedenem Duktus wieder erklingt: ungleich bewegter und extrovierter als zu Anfang. Der Dominant-Orgelpunkt, der das Ende einläutet, wird bei 4’20’’ erreicht. Hier werden Fetzen des Themas in den Sog der Musik hineingeworfen, bis das oktavierte Thema sich im Bass durchsetzt (4’38’’) und in virtuosen Oktav- und Akkordkaskaden dem endgültigen Höhepunkt der Fuge entgegenstrebt: dem strahlenden Choral in E-Dur (5’02’’), in dem sich die ganze Spannung des Vorhergehenden entlädt. Gegen Ende kehrt das Thema zurück (5’43’’), diesmal allerdings in E-Dur, verklärt und eingebettet in typisch mendelssohnsche Harmonien, voll Wärme und Schönklang.


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MusicMonday: Mondscheinsonate III

Nachdem ich im vorigen Blogeintrag das Beispiel mit der Mondscheinsonate gebracht habe, dachte ich, dass meine Aufnahme dieser Sonate für den heutigen MusicMonday doch recht gut passen würde. Da vielen nur der wunderschöne erste Satz bekannt ist, möchte ich euch den wilden letzten Satz zum Anhören anbieten.

Die Aufnahme stammt von meiner Debüt-CD aus dem Jahr 1996 - wow, ist das lange her! Damals war ich gerade mal 16. Wie die Zeit vergeht! Heute würde ich natürlich anders spielen, vielleicht etwas wütender, mit mehr „Grandeur“ und stellenweise extremer. Trotzdem finde ich die Interpretation recht gelungen und hoffe, dass sie euch gefällt.

Beethoven: Sonate op. 27 Nr. 1, dritter Satz (Presto agitato) by davidianni


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MusicMonday: Nacht der Tränen

Nachdem ich den letzten Musik-Montag geschwänzt habe (sorry!), möchte ich heute ein Stück posten, das scheinbar sehr beliebt ist. Über Facebook fragte ich nämlich neulich, was auf meine geplante CD im kommenden Jahr kommen soll, und „Nacht der Tränen“ war eindeutig der Vorreiter.

Ein paar Infos zum Stück: die Melodie kam mir 1995, also auf dem Zenit meiner schwierigen Pubertät… Die erste Liebe neigte sich einem unschönen Ende zu und zum ersten Mal erfuhr ich, wie einem das Herz weh tun kann. Was macht daraufhin ein Musiker? Natürlich, den Kummer in Musik umwandeln. Eigentlich ist „Nacht der Tränen“ der zweite Satz aus einem dreiteiligen Zyklus namens „Fallende Perlen“, meinem Opus 1. Passt irgendwie gut zum November…

Nacht der Tränen (aus „Fallende Perlen op. 1“) by davidianni

P.S.: Auf Bitten von
Gloria.tv habe ich auch mal eine sehr laienhafte Videoaufnahme des Stückes gemacht:





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Zum 20. Todestag von Horowitz…

…zwei beeindruckende Videos mit dem Jahrhundertpianisten, der vor 20 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben ist.

1. Alexander Skrjabin: Vers la flamme op. 72



2. Robert Schumann: „Träumerei“ aus den „Kinderszenen op. 15“




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Konzerte im November

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Ein kleiner Hinweis in eigener Sache – im November spiele ich zwei Konzerte, zu denen ich meine Leser, die nicht allzu weit weg wohnen, herzlich einladen möchte:

Am Mittwoch, den 11. November in Ettelbruck (L)… gibt’s mit dem Kammermusikensemble KMVL einen tollen Mozartabend mit Musik und Briefen (!) von Wolfgang Amadeus Mozart.

Am Dienstag, den 17. November… spiele ich (endlich mal wieder!) einen Soloklavierabend mit Werken von Bohuslav Martinů, Felix Mendelssohn-Bartholdy (der heute vor 162 Jahren gestorben ist) sowie meinen drei Balladen, die ich in den vergangenen Wochen in der MusicMonday-Rubrik vorgestellt habe. Das Konzert findet im Foyer Européen in Luxemburg statt.

Nähere Informationen gibt’s bei den
Terminen.


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MusicMonday: Das Leben

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Für das katholische Medienportal Gloria.tv habe ich vor knapp zwei Jahren ein Video über das menschliche Leben mit eigener Musik unterlegt. Ich finde den Lebensschutz eine ungemein wichtige Sache. Leider ist vielen Menschen nicht bewusst, dass ein Embryo ein Mensch ist… Ein Mensch, der genau so ein Recht auf Leben hat wie ein bereits geborenes Menschenkind. Meine Hoffnung ist es, dass solche Videos auch von Leuten gesehen werden, die sich sonst wenig Gedanken über dieses Thema machen. Und dass in diesen Menschen womöglich eine Hochachtung vor dem Leben heranwächst - auch vor dem Leben im frühsten Stadium.

Das Musikstück im Video ist eine einfache Komposition namens „Le Petit Prince op. 6“, inspiriert durch die gleichnamige Erzählung von Saint-Exupéry. Anschließend erklingt aus den mehrfach hier vorgestellten Eichendorff-Liedern op. 3 (
Wünschelrute & Abendständchen) das „Kirchenlied“ (ein marianisches Gedicht von Joseph Freiherr von Eichendorff), aus dem ich später ein Chorfassung mit dem Text des „Ave Maria“ erstellt habe. Da es nicht ganz ins Video passt, könnt ihr euch weiter unterhalb des Videos beide Versionen vollständig anhören.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch auf eine aktuelle
UN-Petition des Catholic Family & Human Rights Institute aufmerksam machen, so wie auf das unterstützenswerte Projekt 1000+.



Kirchenlied (Ave Maria) - Klavierfassung:

XII. Kirchenlied (aus „Eichendorff-Lieder op. 3“) by davidianni

Ave Maria - Chorfassung:

Ave Maria op. 48 by davidianni

Es singt der luxemburgische Chor „Madrigal de Luxembourg“ unter der Leitung von
Carlo Hommel.

Schlussgebet der Enzyklika Evangelium vitæ von Papst Johannes Paul II.

O Maria,
Morgenröte der neuen Welt,
Mutter der Lebendigen,
Dir vertrauen wir die Sache des Lebens an:
o Mutter, blicke auf die grenzenlose Zahl
von Kindern, denen verwehrt wird,
geboren zu werden,
von Armen, die es schwer haben zu leben,
von Männern und Frauen,
die Opfer unmenschlicher Gewalt wurden,
von Alten und Kranken,
die aus Gleichgültigkeit
oder angeblichem Mitleid getötet wurden.
Bewirke, daß alle,
die an deinen Sohn glauben,
den Menschen unserer Zeit
mit Freimut und Liebe
das Evangelium vom Leben verkünden können.
Vermittle ihnen die Gnade, es anzunehmen
als je neues Geschenk
die Freude, es über ihr ganzes Dasein hinweg
in Dankbarkeit zu feiern,
und den Mut, es mit mühseliger Ausdauer
zu bezeugen,
um zusammen mit allen Menschen
guten Willens
die Zivilisation der Wahrheit und der Liebe
zu errichten,
zum Lob und zur Herrlichkeit Gottes,
des Schöpfers und Freundes des Lebens.


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Die Klaviertreppe

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Hiermit eröffne ich eine neue Kategorie: Gesundheit. Inspiriert wurde ich u.a. von Father Roderick, einem niederländischen Priester, der sich vor einigen Jahren vorgenommen hat, seinen Körper wieder fit zu bekommen und einen Marathonlauf zu bestreiten. Man findet Fr. Roderick quasi überall im Netz, sei es auf Facebook, Twitter oder vor allem über seine empfehlenswerten Podacsts auf SQPN. Auch ich war bis vor 2 Monaten im Hinblick auf meine Gesundheit und Fitness recht unzufrieden, und so beschloss ich u.a., wieder mehrmals wöchentlich laufen zu gehen. Eine wohltuende Sache, die ich zuletzt in meiner Jugend so konsequent durchgezogen habe. Heute sind Terminplan, Ego- und Fettpölsterchen ein klein wenig dicker als damals, und so musste ich zu neuen Tricks greifen, um mich zu überwinden. Bis jetzt klappt es soweit ganz gut, und ich werde wohl den ein oder anderen Tipp in Zukunft in meinen Blog einfließen lassen - schließlich geht es hier ja um (fast) alles, was mich bewegt.

Sehr hilfreich bei guten Vorsätzen ist es, wenn sie auf irgendeine Weise Spaß machen. Hier ist z.B. eine Möglichkeit, wie man die Leute dazu bringen kann, die Treppe zu nehmen anstatt sich gemütlich auf die Rolltreppe zu stellen:




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MusicMonday: Abendständchen

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Aus den „Eichendorff-Liedern op. 3“ stellte ich bereits vor einigen Wochen das Stück Wünschelrute vor. Während die anderen Teile dieses zwölfsätzigen Zyklus' tatsächlich nach der Lektüre des jeweiligen Gedichtes von Eichendorff entstanden, ist dies ein Schlafliedchen, das ich einige Jahre vorher, mit dreizehn, komponiert hatte. Ich sagte mir damals: „Das ist für die Kinder, die ich eines Tages haben werde.“ Das „Abendständchen“ ist also quasi antizipatorisch meinen beiden lieben Söhnen Antonio und Raphael gewidmet. Ich fand allerdings während der Komposition der Eichendorff-Lieder 1998 ein Gedicht, das mir sehr passend für das kleine Stückchen schien, und so nahm ich es kurzerhand als Nummer 5 in den Zyklus auf.

V. Abendständchen (aus "Eichendorff-Lieder op. 3") by davidianni

Schlafe, Liebchen, weil's auf Erden
Nun so still und seltsam wird!
Oben gehn die goldnen Herden,
Für uns alle wacht der Hirt.

In der Ferne ziehn Gewitter;
Einsam auf dem Schifflein schwank,
Greif ich draußen in die Zither,
Weil mir gar so schwül und bang.

Schlingend sich an Bäum' und Zweigen,
In dein stilles Kämmerlein
Wie auf goldnen Leitern steigen
Diese Töne aus und ein.

Und ein wunderschöner Knabe
Schifft hoch über Tal und Kluft,
Rührt mit seinem goldnen Stabe
Säuselnd in der lauen Luft.

Und in wunderbaren Weisen
Singt er ein uraltes Lied,
Das in linden Zauberkreisen
Hinter seinem Schifflein zieht.

Ach, den süßen Klang verführet
Weit der buhlerische Wind,
Und durch Schloss und Wand ihn spüret
Träumend jedes schöne Kind.




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Zu Chopins 160. Todestag

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Blumen am Grab eines Menschen sind ein Zeichen für die Liebe und die Dankbarkeit der Hinterbliebenen. Spätestens aber nach 2 oder 3 Generationen schwindet ihr Andenken dahin. Wenn nach 160 Jahren immer noch frische Blumen an einem Grab blühen, ahnt man, dass da jemand beerdigt wurde, dem bis heute Liebe und Dankbarkeit zuteil werden. Wen wundert es bei der Musik eines Frédéric Chopin?

Wer sich ein wenig Zeit nimmt, um sich die folgenden Musikstücke von Chopin anzuhören, wird reich beschenkt werden!

Zunächst wollen wir die „
Berceuse op. 57“ hören. Ursprünglich nannte Chopin die Komposition „Variations“, doch der Titel, der für die Veröffentlichung gewählt wurde, trifft es gut, wenn nicht besser. Chopin entlockt dem Klavier die Töne einer Spieluhr, aber einer Spieluhr, wie wir sie noch nie gehört haben. Es spielt der legendäre Arturo Benedetti Michelangeli:



Nach solch einer Schönheit wird das Herz des Hörers allerdings schneller schlagen. Wer könnte nach diesen perlenden Klängen des Himmels gleich einschlafen und wollte nicht noch mehr hören?

Darum: hören wir den berühmten
Walzer in cis-Moll op. 64 Nr. 2, gespielt von Artur Rubinstein, einem der großartigsten Chopin-Interpreten des 20. Jahrhunderts:



Als drittes Beispiel für die göttliche Kunst Frédéric Chopins habe ich den langsamen Satz aus seinem
Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll op. 11 ausgewählt. Die Passage in H-Dur bei 1'45'' gehört für mich zu den schönsten der gesamten Klavierliteratur. Wunderbarer Interpret des Konzerts ist Dinu Lipatti, über den ich in einem anderen Blogbeitrag bereits geschrieben habe.



Frédéric Chopin war übrigens ein frommer Katholik. Franz Liszt, der mit ihm befreundet war, sagte dass Chopin ein „Mann des Gebets“ war. Obwohl er stark im Katholizismus verwurzelt gewesen sei, habe er nie offen über dieses Thema gesprochen. Wer mehr über den Glauben von Chopin (und anderen großen Komponisten) wissen möchte, dem sei das Buch „
The Spiritual Lives of the Great Composers“ wärmstens empfohlen. Auf Google Books kann man darin stöbern.


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MusicMonday: Ballade Nr. 2 op. 64

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Wie versprochen werde ich zum heutigen „MusicMonday“ meine 2. Ballade vorstellen. Einige Hintergründe zu meinen Balladen findet ihr hier, wo ihr euch die erste auch noch einmal anhören könnt. Am kommenden Montag steht die dritte und vorläufig letzte Ballade mit einer ausführlichen Einführung auf dem Programm.



Hintergrund

Die „Ballade Nr. 2 op. 64“ gehört zu einem Kapitel meines Lebens, das mir mittlerweile sehr fremd ist, aber dennoch untrennbar zu meinem Werdegang gehört. Wie bereits in der Geschichte meiner Bekehrung erwähnt, setzte ich mich eine Zeit lang intensiv mit fernöstlichen Philosophien und Meditationspraktiken auseinander. Daraus resultierte u.a. das Klavierstück op. 5 mit dem ketzerischen Titel „Mantrische Messe“ sowie einige andere Kompositionen aus den Jahren zwischen 1998 und 2001.

Ich hegte damals eine Vorliebe für hinduistische und buddhistische
Mantren, besonders für das tibetische Mantra „Om Mani Padme Hum“. Stundenlang rezitierte ich dieses buddhistische Gebet, freilich ohne nennenswerte Früchte, außer einem wohligen Eingelulltsein, das sich nach etlichen Wiederholungen der Silben bei mir einstellte. Wie fast alle Dinge, die in meinem Leben eine gewisse Rolle spielten, floss auch diese Erfahrung in meine Musik hinein, indem ich um das Jahr 1999 einen Kanon über das Mantra komponierte. Dieser Kanon erfreute sich sogar bald einer gewissen Beliebtheit in esoterischen Kreisen und erfuhr eine weitere Verbreitung durch die Aufnahme mit dem Obertonsänger Christian Bollmann und dessen „Obertonchor Düsseldorf“, mit denen ich im Jahr 2000 eine ausgedehnte Improvisation über das Thema in mehreren Konzerten zur Aufführung brachte.

Das Potential der schlichten Melodie schien mir nach diesen Erfahrungen noch nicht ausgeschöpft und ich begann mit der Komposition eines komplexeren Klavierstückes, das zugunsten einer strengen Form und Kompositionstechnik frei von improvisatorischen Momenten sein sollte. Daraus entstand die zweite Ballade. Einige Jahre später, nach meiner Bekehrung zum katholischen Glauben, durfte ich glücklich feststellen, dass der Kanon sich wunderbar mit den Worten des „Kyrie/Christe eleison“ unterlegen lässt. Obwohl ich jegliches Rezitieren von Mantras über Bord geworfen habe, konnte ich so diese Melodie, die mir sehr wertvoll ist, für meine Kompositionen und sogar für die Liturgie (in Form der „
Missa Amicorum op. 80“) beibehalten.


Ballade Nr. 2 op. 64 by davidianni

Analyse

Die zehnminütige Komposition basiert ausschließlich auf 2 Elementen, einem Begleitmotiv und dem Hauptthema.

Abschnitt I. Auf einer langen Pedalnote wird das Gegenmotiv zum Hauptthema in einer kurzen Introduktion eingeführt, noch bevor das Thema des Kanons in Erscheinung tritt:

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Das Motiv – nennen wir es „Quartmotiv“, da es sich aus Quarten zusammensetzt – sinkt in den nächsten Takten um jeweils einen Ton, bis es schließlich ab Takt 5 (0’33’’) ohne Unterbrechung wie ein unaufhaltsamer Motor das Stück in Gang setzt und sobald nicht mehr verschwinden wird. Bei 0’46’’ erklingt nun feierlich das Hauptthema:

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Es wird viermal wiederholt, wobei nach und nach eine große Steigerung durch verschiedene Techniken stattfindet: die Melodie wird oktaviert (beim 2. Mal, ab 1'15''), später in vollen Akkorden gespielt; der Bass schreitet in Gegenbewegung zum Quartmotiv (das langsam aufsteigt und anschließend wieder sinkt) in Sekundschritten nach unten, um auf der VI. Stufe, dem Des, einen lang anhaltenden Orgelpunkt zu erreichen (2'07''), während das Quartmotiv durch Quinten angereichert den Klang zusätzlich verstärkt. Beim letzten der ersten 4 Wiederholungen des Themas (2'31'') ist die Klangmasse wieder abgeebbt, und Thema und Gegenmotiv ertönen erneut einstimmig. Zum Ausklang dieses ersten Abschnittes wird das Quartmotiv unmerklich verdoppelt und in beiden Händen gespielt (2’56’’) – fast so, als würde man doppelt sehen: das Motiv tritt quasi aus sich heraus, um etwas später (3’07’’) mit den Obertönen des tiefen, vorherrschenden Quartmotivs zu verschmelzen und wieder zu verschwinden.

Abschnitt II. Nun ertönt in halbem Tempo das Thema in gewichtigen Bassoktaven (3'19''). Darüber klimmt das Quartmotiv von neuem stetig nach oben. Eine Duodezime höher angelangt, mischt sich bei 4'03'' eine fließende Achtelbewegung in Sekundschritten dazu (abgeleitet aus dem Schluss des Kanons), die sich auf der modalen Tonleiter nach oben schraubt. „Quartmotiv“ und „Achtelbewegung“ laufen sich entgegen, bis sie quasi ineinanderfallen (4'23''). In dieses Kreisen werden die Anfangstöne des Themas noch einmal zart hineingetupft (4'33''), bevor das Quartmotiv wieder dupliziert wird, sich verlangsamt und endlich zueinanderfindet bei 4'58'': hier spielen beide Hände einstimmig auf den gleichen Tasten!

Wir haben den Gipfel des Stücks erreicht (5'07''): Die Verengung des Kanons in lichter Höhe wird in fast zerbrechlich wirkenden Quinten gespielt. Es gibt kein begleitendes Quartmotiv mehr in Achtelnoten, das für ein gewisses Vorwärtsdrängen der Zeit sorgen würde. Die Zeit scheint zum Stillstand gekommen zu sein. – Auf diesen Hauch von Ewigkeit muss unweigerlich ein Abstieg und ein „Wiedereintritt in die Zeit“ erfolgen, was jetzt durch das wiedereinsetzende Quartmotiv in harmonischer Weise passiert (5'38''). Das Quartmotiv erscheint zeitlich leicht versetzt in beiden Händen (wie eben der Kanon) und bewegt sich in seinem je eigenen Rhythmus in aller Ruhe nach unten, bis…

Abschnitt III. …das Quartmotiv in seiner ursprünglichen Gestalt bei 6'32'' wiederkehrt und die Reprise einleitet. Das Thema erscheint genau wie zu Anfang, doch bemerkt man, dass sich das Thema bei 7'28'' aus dem Bass herauskristallisiert, nur wesentlich langsamer als das Thema im Diskant. Es wird auch nicht zu Ende geführt, sondern erreicht den Grundton wieder (bei 7'45'') und verwandelt sich in eine Begleitfigur (eine Abwandlung des Quartmotivs), die das Thema umspielt, indem sie sich über die ganze Tastatur bis zum höchsten Ton erstreckt, um schlussendlich wieder auf dem tiefen F im Bass zu landen, das den Kanon ein letztes Mal in einer weiteren Metamorphose anstimmt (8'13''). Auch an dieser Stelle gibt es keine Achtelbewegung mehr, nur noch den bedächtigen Puls des Themas. Hier offenbart sich der Kanon in seiner vierstimmig angelegten Polyphonie. Da sich die vier Stimmen nicht von zwei Händen allein spielen lassen, musste ich mich eines ungewöhnlichen Mittels bedienen: dem Hinzufügen der eigenen Stimme. Der vierte Einsatz wird jetzt also vom Solisten gesungen (8'51''). Auf dieser Aufnahme, die von der Uraufführung 2001 stammt, hört ihr das zu Eingang zitierte Mantra in all seiner Pracht… Zugegeben, diese Takte sind mir etwas unangenehm, aber ich wollte sie euch nicht vorenthalten. Nachdem wir diese peinliche Stelle überstanden haben, läuft der Kanon mit seinem Schlussmotiv, das sich noch ein paarmal wiederholt, aus (9'32''). Das Quartmotiv erklingt ein letztes Mal, fast wie zu Beginn, nur langsamer und über zwei Oktaven verdoppelt. Am Schluss löst es sich sozusagen in seine Einzeltöne auf und verklingt auf dem höchsten C der Klaviatur.


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MusicMonday: Ballade Nr. 1 op. 39

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Heute stelle ich euch das erste Stück von mir vor, das gänzlich auf dem Notenpapier entstanden ist, bevor ich es auf dem Klavier ausprobiert und nachgebessert habe. Normalerweise lasse ich die Ideen am Flügel unter meinen Fingern zustande kommen, und erst nachdem ein relativ großer Abschnitt im Kopf fertig ist, wird aufgeschrieben. Im März 2000, als diese Komposition entstand, war ich also selbst erstaunt über das klanglich und formal für mich sehr ungewohnte Resultat dieses Experiments. Ausgangsidee des Werks war der Gedanke an einen Hauptbahnhof. Der vorwärts drängende Ostinatobass im Dreivierteltakt stellt wohl das Motorengeräusch einer Lokomotive dar. Es folgen einzelne Szenen, die vielleicht persönliche Schicksale der Reisenden erzählen. Man könnte sich schmerzhafte Abschiede mit winkenden Taschentüchern vorstellen oder Menschen, die gehetzt ihrem Zug nachlaufen…

Die Suche nach dem passenden Namen

Das Stück nannte ich folglich „Hauptbahnhof“ und hing ihm die Opuszahl 39 an (es ist meine 39. Komposition). Im Laufe der nächsten 5 Jahre schrieb ich zwei weitere Stücke, die ähnlich lang und formell genau so uneindeutig sind, und denen ebenfalls ein erzählerischer Duktus innewohnt (die werde ich an den nächsten beiden Montagen vorstellen). Bei der Programmierung eines Konzerts stellte neulich fest, dass diese drei Stücke zusammen eigentlich einen wunderbaren Zyklus bilden. So kam mir die Idee, sie unter anderen Titeln zu einem großen, halbstündigen Werk zusammenzufügen (die beiden anderen sind betitelt mit „Chenresig“ – ja, das stammt aus meiner „buddhistischen Phase“… – und „Blessing“). Ich habe sie dann auf meiner Homepage vor einigen Monaten unter dem Titel „Via Cælestis“ veröffentlicht. Die jeweiligen Untertitel lauten: „Inferno“, „Purgatorio“ und „Paradiso“ - angelehnt an Dantes „La Divina Comedia“.

Aber – ich finde keine rechte Freude an diesen Namen. Immer noch schwebt mir die Bezeichnung „
Ballade“ im Hinterkopf, die dem Hörer wesentlich mehr Spielraum für seine Fantasie lässt und überdies doch wirklich gut zur formellen Anlage der drei Stücke passen würde. Der Musikbewanderte wird natürlich sofort an Chopins, vielleicht auch an Brahms’ oder Franz Liszts Balladen denken. Und genau das schüchtert mich wiederum ein. Ist es nicht vermessen, eigene Klavierstücke so zu betiteln?

Zumindest finde ich „Ballade“ zum jetzigen Zeitpunkt doch am geeignetsten, weshalb mein ehemaliger „Hauptbahnhof“ jetzt an dieser Stelle unter dem Namen „Ballade Nr. 1 op. 39“ vorgestellt wird. Wie findet ihr das? Kann ich das so lassen? Sollte „Hauptbahnhof“, der ursprüngliche Titel, noch als Beinamen dem Stück erhalten bleiben? Wegschmeißen? Ich bin dankbar für Hinweise!

Das Stück

Nach diesem ausgedehnten Einblick in die wirren Gedanken eines unentschlossenen Komponisten über die doch nicht unwichtige Frage nach dem Titel der Komposition, möchte ich endlich eine kleine Einführung in die Musik selbst geben. Um die geht es ja schließlich in diesem Beitrag. Ich beschränke mich dabei auf eine formale Analyse, um dem geschätzten Hörer ein möglichst unvoreingenommenes Hörerlebnis zu lassen. Also, bitte den ganzen Anfang vergessen! ;-)

Ballade Nr. 1 op. 39  by  davidianni

Abschnitt I. Wie gesagt, ein Ostinato-Pedal eröffnet die Ballade. :-) Dieser Rhythmus durchzieht das ganze Stück und lässt einfach nicht locker. Nach den ersten 4 Takten erhebt sich aus dem Dunkeln ein aufwärts strebendes Motiv - nennen wir es das erste Thema - und verdichtet sich nach und nach, um nach etwa einer Minute in einer Art zweitem Thema zu landen, das in Hemiolen über einer fließenden Bassbewegung kreist. Doch wie bereits erwähnt, lässt der Hauptrhythmus sich nicht kleinkriegen und meldet sich auch hier ständig in kleinen Einschüben. Das erste Thema (das aufstrebende) erscheint nun in sanfterem Ausdruck und in höherer Lage. Die verschiedenen Motive wechseln sich ab und beschließen den ersten großen Abschnitt mit perlenden Tönen im Diskant. Nachdem sie weich nach unten getropft sind, geht’s bei 3’47’’ wieder von vorne los.

Abschnitt II. Doch ist es keine reine Wiederholung des ersten Teils. Bei ungefähr 4 Minuten 20 erklingt das erste Thema nun in der linken Hand, während die rechte scharfe Harmonien in schnellen Repetitionen auf die Klaviatur hämmert. Das Ostinato (dum-dum-dudu-dum-dum!) ist in die rechte Hand gewandert und wirkt ungeduldiger denn je. Das Kreisen des zweiten Themas mischt sich dazu und schwingt sich willensstark in immer höhere Sphären, wo auch schon wieder der Hauptrhythmus sich durchsetzt. Das Ganze beruhigt sich aber wieder und fließt zurück nach unten. Bei ca. 6’00’’ hat sich das ursprüngliche Thema des Beginns vollkommen gewandelt. Unser rhythmisches Motiv klopft beinahe etwas verunsichert und wesentlich langsamer in der Höhe, während das erste Thema von der linken Hand (aber dennoch immer noch in Sopranlage) darunter gesungen wird. Es perlt und klopft weiterhin, wird aber immer langsamer… Oje. Bei 6’45’’ meldet sich wieder der bedrohliche Bass und kündigt einen erneuten Kampf an. Etwas ratlos verklingen bitonale Harmonien.

Abschnitt III. In der Sonatenform würde man von der „Reprise“ sprechen. Der Bass hat sich entschlossen (7’30’’): er reißt die Zügel wieder an sich, doch diesmal noch wuchtiger als zuvor. Das zweite Thema kommt erst gar nicht mehr zu Wort (es ist ja auch keine Sonate, in der es der Regel nach jetzt nach dem ersten Thema auch wiederkehren sollte). Alle Stimmen vereinen sich zu einem kampflustigen Tumult, der schneller und schneller nach vorne rast. Es drehen und kreisen und schichten sich die Klänge, bis sie sich am Schluss erschöpft, aber ungebrochen über die ganze Tastatur hinab in die Tiefe stürzen…

Hier geht es weiter mit der 2. Ballade und der 3. Ballade


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MusicMonday: Prélude

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Verrückt, wie die Zeit verfliegt. Wenn ich dieses Stückchen höre, kommt es mir vor, als hätte ich erst gestern in meinem Kinderzimmer am Klavier gesessen und ein Stück um diese kleine reizende Melodie gebastelt. Wenn ich mich recht erinnere, war ich zwölf Jahre alt… Viele Jahre später habe ich das Thema zu einem 4-stimmigen Kanon ausgebaut, der mit dem schönen marianischen Weihegebet („Totus tuus ego sum et omnia mea tua sunt“) gesungen wird. Unter der Rubrik „Noten“ findet ihr den Kanon in der „Missa Amicorum“.

Ich hoffe, dass das kleine Prélude euch Freude macht!

Prélude en Ré maj op. 0 by davidianni


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Vollkommenes Klavierspiel

Über einen meinen Lieblingspodcasts, „Was heute geschah“, wurde ich darauf aufmerksam, dass vorgestern vor 59 Jahren, also am 16. September 1950 der legendäre rumänische Pianist Dinu Lipatti sein letztes Konzert im französischen Besançon gab. Es gibt - Gott sei Dank - einen Mitschnitt dieses phänomenalen Konzerts.

Lipatti hatte seine professionelle Karriere als Konzertpianist gerade mal 15 Jahre zuvor mit Dame
Myra Hess' Transkription des Bach-Chorals „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben BWV 147“ begonnen. Ein gutes Jahrzehnt später ließen heftige Fieberschübe Böses ahnen. 1947 wurde eine seltene Form der Leukämie bei Lipatti diagnostiziert, die so genannte Hodkinsche Krankheit. Aufgrund seiner körperlichen Schwäche musste er zahlreiche Konzerte absagen. Die Entdeckung des Cortisons ließ eine Heilung der schweren Krankheit erhoffen, doch blieb die Behandlung letztlich erfolglos. 1950 fand das eingangs erwähnte Konzert statt. Auf dem Programm stand die erste Partita Johann Sebastian Bachs in B-Dur BWV 825, Mozarts a-moll-Sonate KV 310, zwei Schubert-Impromptus sowie die 14 Walzer von Frédéric Chopin. Auf dem zugeklappten Notenpult des Flügels stand ein Glas Wasser. Den letzten Walzer konnte der geschwächte Lipatti nicht mehr spielen. Stattdessen beendete er das Konzert mit dem Stück, mit dem er seine Karriere begonnen hatte: dem Bach-Choral „Jesus bleibet meine Freude“.

Jesus bleibet meine Freude,
Meines Herzens Trost und Saft,
Jesus wehret allem Leide,
Er ist meines Lebens Kraft,
Meiner Augen Lust und Sonne,
Meiner Seele Schatz und Wonne;
Darum lass ich Jesum nicht
Aus dem Herzen und Gesicht.

Dieses bewegende musikalische Vermächtnis blieb der Nachwelt dank des Mitschnittes von Dinu Lipattis „Abschiedskonzert“ erhalten. Für mich ist diese Aufnahme eine der schönsten Klavieraufnahmen schlechthin. Eine unerschöpfliche Tiefe durchdringt die Interpretation Lipattis, jede Note ist beseelt von religiösem Geist, der uns die Ewigkeit erahnen lässt. Die Klangkultur dieses begnadeten Pianisten bleibt unübertroffen. Man beachte das gleichmäßige Perlen der dahinfließenden Triolen in der rechten Hand und die wundervollen Choral-Einschübe, die wie runde, volltönende, weiche Glockentöne das Gebet des Bach-Chorals wiedergeben. Ein Musizieren, das in der Tiefe der Seele berührt.

3 Monate später erlag Dinu Lipatti seiner tödlichen Krankheit im Alter von nur 33 Jahren.




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MusicMonday: Toccata

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Wie kürzlich angekündigt, werde ich jeden Montag ein Aufnahme von mir vorstellen. Heute könnt ihr euch meine Toccata op. 2 anhören. Ich habe sie 1998 komponiert, um meinem Ärger über einen eingebildeten und unfreundlichen Fahrprüfer Luft zu machen. Der Typ ließ mich einfach durchrasseln, obwohl ich - wie könnte es anders sein - gut gefahren bin. Mein Fahrlehrer fuhr mich wieder heim, wo ich mich gleich an den Flügel setzte und scharfe Quinten hinein hämmerte. So wurde die Toccata geboren. Der Titel leitet sich übrigens aus dem italienischen „toccare“ ab, was „berühren“, aber auch „schlagen“ bedeutet. Früher wurde damit das improvisatorische Einspielen auf der Orgel bezeichnet, weshalb diese Gattung besonders häufig mit Orgelwerken, vor allem jenen J.S. Bachs in Verbindung gebracht wird. Doch auch für das Klavier gibt es eine ganze Reihe von Toccaten, die ihre Komponisten meist in jungen Jahren schrieben. Das liegt wohl an der temperamentvollen, jugendlichen Ausstrahlung der Gattung. Viel Freude beim Hören!

Toccata op. 2  by  davidianni


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