Abtreibung und Holocaust I

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Bereits Papst Johannes Paul II. verglich den Holocaust mit der Abtreibung. Natürlich ist es Blödsinn, ihm oder anderen damit zu unterstellen, er würde die abtreibenden Mütter mit den Massenmördern von Auschwitz gleichsetzen oder den Genozid an den Juden verharmlosen. Die „Vernichtung“ von Menschenleben habe „nach dem Sturz der nationalsozialistischen und kommunistischen Regime“ (…) „de facto aufgehört. (…) Was jedoch fortdauert, ist die legale Vernichtung gezeugter, aber noch ungeborener menschlicher Wesen. Und diesmal handelt es sich um eine Vernichtung, die sogar von demokratisch gewählten Parlamenten beschlossen ist, in denen man sich auf den zivilen Fortschritt der Gesellschaften und der gesamten Menschheit beruft“.

Dass Nicht-Katholiken bei diesem Vergleich sofort lauthals protestieren müssen, ist nachvollziehbar. Der Mensch hat irgendwo einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Der ist nur leider manchmal etwas verwirrt. Vielleicht wie ein Kompass, der zu nah an einem Magneten liegt. Dass aber auch Katholiken immer wieder
sofort auf den Plan springen, um ganz schnell klarzustellen, dass Holocaust und Abtreibung auf keinen Fall zu vergleichen seien und beschwichtigend darauf hinweisen, wie unsagbar furchtbar der Holocaust ja sei, finde ich mehr als traurig, um es gelinde auszudrücken. Keine Frage, natürlich ist er das! Hat jemand etwas anderes gesagt?! Der Mord an den Juden ist so fürchterlich, dass Worte gar nicht ausreichen, um diese Hölle zu beschreiben.

Wieso ich die Beschwichtigungen ärgerlich finde? Weil man dadurch im gleichen Atemzug den Mord an Millionen und Abermillionen von ungeborenen Kindern wieder verharmlost, und dagegen wird nicht gemault. Man bringt sich schnell durch „political correctness“ in Sicherheit, will ja schließlich nicht der Verharmlosung des Judenmordes bezichtigt werden. Auch die Mütter werden in Schutz genommen, schließlich macht keine Mutter, nein, keine der etwa 45.000.000, in Worten
fünfundvierzig Millionen Müttern jährlich „so etwas leichtfertig“.

Nein, das machen sie sicher nicht. Ich behaupte es auch nicht. Die meisten von ihnen wissen es nicht besser, schließlich werden kaum Alternativen angeboten, und mit einer Abtreibung lässt sich mehr Geld verdienen als mit einer lebensbejahenden Unterstützung der Mutter bis zur Geburt und darüber hinaus. Was ich aber behaupte, ist dass unsere Politiker die Abtreibung maßlos verharmlosen, dass eine ganze Menge an Ärzten und an „familienfördernden Institutionen“ (welch eine Perversion, sich als solche zu verkaufen, wenn man Frauen in die Abtreibungskliniken führt!) unbehelligt zum „Schwangerschaftsabbruch“ raten, dass unsere Medien absolut einseitige Darstellungen abliefern, die das Töten von Embryonen gutheißen und den Widerstand dagegen verteufeln.

Ich las vor einigen Tagen in den luxemburgischen Nachrichten
die kommentarlose Verkündigung, dass eine neue Pille, die diesen Monat auf den Markt kommt, bis zu 5 Tage nach der Zeugung „wirken“ kann. Würde ein Wirkstoff angepriesen werden, der z.B. überflüssige Katzenbabys innerhalb von Sekunden sterben lassen würde - die Firma des Giftes könnte sich auf ordentliche Protestaktionen aus der Bevölkerung gefasst machen. Die Hersteller dieser neuen „Medizin“ hingegen werden ohne spürbaren Widerstand mächtig viel Kohle mit ihrem Geschäft machen.

Beim Morden von - aus welchen Gründen auch immer - unerwünschten Babys ist ein solches Gerechtigkeitsgefühl schlichtweg nicht vorhanden. Vielleicht liegt es daran, dass das Baby noch so winzig ist und noch kein Menschenherz in dem Maß bezaubern konnte, wie es eben nur ein tatsächlich geborenes Baby vermag. Man meint, dass es sich wahrscheinlich doch eher noch um eine gefühl- und leblose Zellmasse handeln muss, die nicht soviel Lebensberechtigung hat wie ein bereits geborener Mensch, wenn sie überhaupt eine haben sollte.

Die Embryoverstümmelungsverteidiger kommen natürlich auch immer mit dem schrecklichen Vergewaltigungsbeispiel, oder manchmal auch mit der schlimmen Behinderung oder den Risiken für die Mutter, bei der es
um Leben und Tod geht. Wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, weiß freilich, dass diese Fälle nur einen äußerst geringen Prozentsatz der Abtreibungen ausmachen. Womit ich auch nicht sage, dass sie dann legitim sind. Das kann man wahrscheinlich nur in ganz wenigen extremen Fällen behaupten. Wenn man anstatt von 45 Millionen von 4.500 Abtreibungen pro Jahr sprechen würde, wären wir in einer völlig anderen Situation, die sicher auch christliche Lebensschützer vollkommen anders bewerten würden. Unsere Gesellschaft ist in puncto Lebensschutz jedoch derart missorientiert, dass das Wort der „Kultur des Todes“ objektiv betrachtet sehr leicht nachzuvollziehen ist.

Stelle dir bitte folgendes einmal vor: eine Frau wird brutal vergewaltigt und dabei wird ein Menschenkind gezeugt. Es entsteht ein Kind im Bauch der Frau. Es wurde nicht gefragt, ist jetzt aber da. Stelle dir vor,
du bist dieses Kind. Du kommst also unter schrecklichen Umständen in den Bauch deiner Mutter, die verständlicherweise große Schwierigkeiten damit hat, dich als ihr Kind anzunehmen. Sagt dein Gefühl jetzt: „Ok, was der Mammi da passiert ist, ist grausam. Ich habe kein Problem damit, dass niemand mich will, tötet mich ruhig.“ Klar, kein Embryo wird so denken, aber eine natürliche, instinktive Gefühlsveranlagung wird vorhanden sein, und die sagt unmissverständlich: „Ich will leben. Ich will geliebt werden.“ Und dieses Recht - zu leben und geliebt zu werden - sollte jedes Kind, egal in welchem Zustand seiner Entwicklung, haben!

Hast du selbst Kinder? Dann stelle dir vor, dieses Kindlein, das du vielleicht gerade in sein Bettchen gelegt hast, wäre abgetrieben worden, man hätte ihm nie die Möglichkeit gegeben, zu leben und die Welt durch sein Dasein zu bereichern.

Das Problem sind nur bedingt die Mütter oder die verantwortlichen Ärzte oder die Politiker, es ist vielmehr ein gesellschaftliches Problem auf breiter Ebene. Unsere „zivilisierte“ Welt hat andere Prioritäten als das Fördern eines Bewusstseins für das Leben. Es müsste in so vielen Bereichen umgedacht und umdisponiert werden. Es müssten ganz andere Lösungsansätze her. Der Wert der Familie müsste mehr denn je unterstrichen werden. Am besten nicht von x-mal geschiedenen Familienministerinnen. Schwangere Frauen müssten unbedingt dahingehend unterstützt werden, dass sie ihre Kinder zur Welt bringen. Finanziell, emotional, spirituell. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie man Abtreibungen verhindern könnte und damit auch das untrennbar daran gekoppelte
Post Abortion Syndrom.

Nicht umsonst setzt die katholische Kirche sich so bedingungslos für die Familie ein, denn letztendlich sind es nur intakte Familien (die so wahnsinnig selten sind!), die unsere Gesellschaft langfristig wirklich zu einer „Kultur des Lebens“ gedeihen lassen können. Wer eine Familie hat, in der man sich liebt und respektiert, und vielleicht sogar zusammen betet, wird vielleicht ahnen, was ich damit meine.

In der Bibel heißt es:
„Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.“ (Deut 30,19) Dieses Bewusstsein muss gelehrt und weitergegeben werden. Zur Not auch mit dem drastischen, aber nicht ganz abwegigen Vergleich mit dem Holocaust. Der Brief, der die Diskussion auf Twitter und auf manchen Blogs angezettelt hat, darf nicht falsch verstanden werden. Ich kenne den Verfasser nicht und wäre selbst nicht auf die Idee gekommen, einen solchen Brief zu schreiben. Sein Anliegen kann ich jedoch ohne weiteres verstehen. Wer beim Vergleich von Abtreibung und Holocaust gleich auf die Barrikaden geht, sollte auch darauf hingewiesen werden dürfen, wieso dieser Vergleich manchen Menschen, wie z.B. Papst Johannes Paul II., angebracht scheint.

Abtreibung und Holocaust II
Abtreibung und Holocaust III


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Hoffnungszeichen

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Auf Vox Cœlestis bin ich mal wieder bei einem hervorragenden, spitzfindigen Beitrag hängen geblieben. Die himmlische Stimme stellt fest, dass es aufgrund des Priestermangels auch einen Mangel an Messen gibt, andererseits aber viele Priester scheinbar recht unmotiviert scheinen, wenn es um die tägliche Liturgiefeier geht. Weil es so schön ist (naja, wie man’s halt sieht…), hier ein kleiner Ausschnitt seines wortgewaltigen Feuerwerks aus „Zollitsch City“:

„Entziehen nicht unsere teils aufgeblähten Kirchenverwaltungen viel zu viele Geistliche dem unmittelbaren Dienst an Gott und den Seelen? Das hiesige Erzbistum hat einen Erzbischof und drei (!) Weihbischöfe im Angebot, dazu zehn Domkapitulare, die alle ihre Bäuerchen auf irgendeinem amtlich-wichtigen Kirchenklo machen. Und auch sonst turnen noch manch andere Priester in irgendwelchen Referaten, Akademien oder als special agents für geistlichen Pipifax rum. Kann es nicht sein, daß sich hier einige Koordinaten hanebüchen verschoben haben?

Wie viele Priester tragen heute eine - zumindest in meinen Augen - fragwürdige Vorstellung ihrer Berufung herum, wenn ihnen der "LFT", der "liturgiefreie Tag", so wichtig ist? Läßt sich denn die Feier der heiligen Messe und das Gebet der Kirche auf die gleiche Stufe stellen wie zum Beispiel der Knochenjob eines Angestellten bei der Städtischen Müllabfuhr, dem man den freien Tag ohne Müllwagen und Biotonne keineswegs mißgönnt?“

Sponsa Agni, ebenfalls eine neue, lesenswerte und humorvolle Bloggerin in unserer Blogozese, hat den tieferen Sinn des Neuen Geistlichen Lieds entschüsselt:

„Wo Menschen sich verpesten, die Wege verlassen
und neu beginnen, ganz neu:
Da beschmieren sie Himmel und Herde,
und diese Erde unter uns,
da beschmieren sie Himmel und Herde
und diese Erde unter uns.“

Und Stanislaus fügt in den Kommentaren den Text eines anderen Schlagers hinzu:

„Herr, wir kommen Schutt abladen vor Dein heil'ges Angesicht.“

Brian schreibt über die Mundkommunion, Tiberius freut sich über Maria Himmelfahrt am Institut St. Philipp Neri, Elsa führt innerkatholische Gespräche, Phil wird den Pfarrsaal retten, Tom vertraut sich der Fürsprache der Muttergottes von Guadalupe an, Martin führt ein spannendes Interview mit dem Abt der Abtei Mariawald, Johannes bindet einen schönen Mariä-Himmelfahrt-Kräuterstrauß, Stefan gibt Einführungen in das Beten der hl. Teresa von Avila, Amica verbreitet Gebetszettel zum Priesterjahr (schon eine Ladung bestellt?!)… Täglich bereichert die Blogozese das Internet um zahlreiche beeindruckende Zeugnisse für den katholischen Glauben. Welch eine Freude!

Da bestätigt sich einmal mehr die Feststellung von Guido Horst in der Tagespost, dass nämlich „diejenigen, die nicht an Benedikt XVI. und seinem Kurs in Glaubensfragen leiden, (…) zu Pionieren des Katholischen im Internet geworden“ sind. Viele Katholiken leiden an den Entstellungen, die eine orientierungslose Generation der Kirche und ihrer Liturgie in den vergangenen 40 Jahren zugefügt hat. Die katholischen Blogger verleihen jenen eine Stimme, die sich nach einer wahren Heimat innerhalb der Una Sancta sehnen.

Ich glaube, dass der wunderbare Zuwachs der katholischen Blogosphäre auf Dauer auch reiche Frucht in der Kirche hervorbringen wird. Beim Lesen der katholischen Blogs (s.a. meine
Linkseite) wächst meine Hoffnung, dass unsere geliebte Kirche nach den Jahren der kahlen Betonkirchentheologie und der bunten Clownliturgie dabei ist, in die katholische Normalität zurückzufinden.


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Christ sein

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Was bedeutet es, ein Christ zu sein? Dieser Frage geht der Erzbischof von Denver, Charles J. Chaput in einem Vortrag über das „neue Leben in Christus“ nach, der mich sehr beeindruckt hat. Deshalb möchte ihn hier zusammengefasst wiedergeben.

Das Christentum ist eine lebensverändernde, persönliche Erfahrung des auferstandenen Christus. Jeder, der Jesus aufrichtig sucht, wird Ihn finden. Doch
wenn wir ihn finden, müssen wir bereit sein für die Konsequenzen, denn nichts wird mehr sein wie vorher.

Der Bischof zitiert den
seligen Franz Jägerstätter, der sich nach einer wilden Jugend bekehrt hat und fortan ein vorbildliches christliches Leben führte: „Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, wie schmerzhaft es ist, als halbherziger Christ zu leben“. Er stellt fest, dass die Gläubigen versucht seien, ein halbherziges Christentum zu akzeptieren und ein doppeltes Leben zu führen: ein Mensch zu sein, wenn wir in der Kirche sind oder beten und ein anderer, wenn wir mit Freunden, Familie oder auf der Arbeit sind, um ja nicht aufzufallen. Dabei, so der Bischof, kann kaum etwas wichtiger sein als der Glaube, der zu tun hat mit der letztendlichen Bedeutung unseres Lebens. Dies seien die Dinge, über die wir reden müssen, wenn wir ein ganzes und ungeteiltes Leben in Jesus Christus leben möchten.

Wir sind innerhalb weniger Jahrhunderte von einer Welt, in der es unmöglich war,
nicht an Gott zu glauben, zu einer Welt übergegangen, in der der Glaube an Gott nicht mehr nötig zu sein oder keinen Unterschied zu machen scheint. Der Mehrzahl der Menschen in unserer westlichen, „entwickelten“ Kultur können ihr ganzes Leben so zubringen, als würde Gott nicht existieren. Wohl dürfen wir unseren Glauben frei leben, zusammen beten und Messe feiern, aber die Massenmedien trichtern uns ständig ein, dass wir unsere religiösen Ansichten niemanden aufdrängen dürfen. Diese kuriose Idee wurde immer als vernünftige und aufgeklärte Art zu leben proklamiert. Du bist frei zu glauben, was du glauben möchtest, ich bin frei zu glauben, was ich glauben möchte und die Regierung stimmt damit überein, uns nicht vorzuschreiben, was wir zu glauben haben. Klingt nicht falsch.

Doch die Dinge sind nicht so vernünftig und aufgeklärt wie sie scheinen. Als Beispiel erwähnt Bischof Chaput die Afrika-Reise Papst Benedikts im März diesen Jahres (s. meinen
Kommentar dazu): obwohl kaum jemand derart viel Geld und menschliche Hilfe in den Kampf gegen Aids investiert wie die katholische Kirche, wurde aufgrund der Aussage des Papstes, Kondome würden nicht helfen, das Problem dieser schrecklichen Epidemie zu bekämpfen - die im übrigen von führenden Wissenschaftlern der Aids-Forschung bestätigt wurde - die Lüge in den Medien verbreitet, der Papst wäre verantwortlich für den Tod von Millionen Afrikanern und die Haltung der Kirche würde eine Bedrohung für das öffentliche Gesundheitswesen darstellen. Der „Kult des Kondoms“ und die dahinter liegende Ideologie, dass Sex als fundamentales Bedürfnis der Menschen nicht hinterfragt werden darf, verhinderte jede öffentliche Diskussion und Verständnis für die Position des Papstes: Kondome auszuteilen vermittelt ein falsches Sicherheitsgefühl und ermuntert zu gerade jenen Verhaltensweisen, die Aids verbreiten.

Wir lernen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die religiöse Freiheit und den freien Austausch unterschiedlicher Ideen respektiert. Aber dem ist nicht so, wie das eben dargelegte Beispiel zeigt. Es kann tatsächlich so weit kommen, dass wir irgendwann auf legaler Basis daran gehindert werden, unsere Meinung öffentlich zu vertreten. Die Frage, die dann auftaucht, ist: „Wie werden wir in dieser neuen Welt leben? Wie können wir ein ‚neues Leben in Christus‘ in einem ungläubigen Zeitalter leben?“

Diese Frage können wir nur beantworten, wenn wir manche Dinge über das Christsein klarstellen. Dies bedarf jedoch der Klarstellung über die Person Jesu Christi. Heutzutage ist Jesus nicht mehr der Herr, der Sohn Gottes, sondern eher ein aufgeklärter, humanistischer Typ. Das Problem ist: Wenn Jesus nicht Gott ist, kann er
nichts für uns tun. Dann ist das Evangelium nicht mehr als eine interessante Lebensphilosophie.

Wir müssen also daran glauben, dass Jesus der Sohn Gottes und Mariens ist, wahrer Gott und wahrer Mensch. Jesus ist nicht vom Himmel gekommen, um uns zu sagen, dass wir jeden Sonntag zur Messe gehen müssen oder dass wir mehr beten und freundlicher zu unseren Nachbarn sein sollen. Sogar Nichtgläubige können den Texten der Bibel entnehmen, dass es hier nicht um Kompromisse geht. Jesus will
alles von uns, nicht nur am Sonntag. Er möchte, dass wir Gott mit ganzem Herzen lieben, mit ganzer Seele, mit all unserer Kraft unserem ganzen Geist. Er will, dass wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst. In anderen Worten: mit einer uneingeschränkten Liebe.

So müssen wir Christus beim Wort nehmen, Ihn lieben, als würde unser Leben davon abhängen. Jetzt. Ohne Ausreden. Christsein macht dein ganzes Wesen aus. Es bedeutet, dass dein Leben eine Aufgabe hat, es bedeutet, jeden Tag danach zu streben, ein besserer Nachfolger Jesu zu sein, Ihm immer ähnlicher zu werden in Wort und Tat, dort zu wachsen, wo Er dich hingepflanzt hat und das Evangelium durch dein Leben zu predigen, ob in der Schule, im Beruf oder zuhause.

Ein letzter Punkt: Liebe die Kirche, liebe sie als deine Mutter und deine Lehrerin. Hilf dabei, sie aufzubauen und zu reinigen. Wir alle werden wütend, wenn wir die Schwächen und Sünden innerhalb der Kirche sehen. Aber wir müssen immer bedenken, dass die Kirche weit, weit mehr ist als die Summe ihrer menschlichen Teile. Die Kirche ist die Braut Christi. Wo die Kirche ist, ist Jesus Christus - bis ans Ende der Tage. Und wir wollen immer dort sein, wo Jesus ist, denn es gibt keinen anderen Weg heim zu Gott außer durch Ihn.

Liebe die Kirche und wisse und ehre, was sie lehrt. Sie lehrt, woran Christus dich und jeden teilhaben lassen möchte, zu deinem Besten und für deine Erlösung. Wenn du weißt, was die Kirche lehrt, kannst du danach leben und die Lehre mit anderen teilen.

Die Führer unserer säkularisierten Gesellschaft wollen sich als große Humanisten ausgeben. Doch genau diese Gesellschaft rechtfertigt das Morden von Millionen Babys und die Verstümmelung von Embryonen im Laboratorium. Wir fertigen Behinderte und alte Menschen ab und nennen es „würdevolles Sterben“. Die Familie ist nicht mehr der Bund von Mann und Frau, der zu neuem Leben führt und somit zur Zukunft der Gesellschaft. Tatsächlich werden in den westlichen Ländern derart wenig Kinder geboren, dass man sich fragen muss, ob unsere Zivilisation ihren Überlebenswillen verloren hat.

Nur die Kirche erhebt sich gegen diese inhumanen Strömungen unserer Zeit. Es ist unsere Mission, als Laien sicherzustellen, dass Christi Lehre auf jeder Ebene unserer Gesellschaft verkündigt und erklärt wird: in der Politik, auf unserem Arbeitsplatz, in unserer Kultur. Dies erfordert wahrhaft Mut. Subtiler und weniger subtiler Druck wird ausgeübt, um Jesus loszuwerden und seine frohe Botschaft zu verwässern. Oder nur einzelnes aus seinen Lehren herauszupicken. Doch das können wir nicht tun. Verspreche Jesus, dass du der Lehre der Kirche nie durch deine Worte oder Taten widersprechen wirst.

Nur die Wahrheit kann den Menschen befreien. Diese Wahrheit ist Jesus Christus. Wenn wir unsere Mitmenschen wirklich lieben, wollen wir, dass sie die Wahrheit kennen. Die ganze Wahrheit. Nicht nur die Teile, die ihnen angenehm sind und sie nicht herausfordern.

Es ist wirklichen Christen nicht möglich, ein Doppelleben zu führen. Unser ganzes Denken und Handeln muss von unserem Glauben verwandelt werden oder wir werden zu Hypokriten.

Dies ist der Pfad zu einem neuen Leben in Christus:
Nutze jeden Tag, um etwas für die Ewigkeit zu tun. Und die Zeit damit zu beginnen, ist jetzt.


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Für die Priester

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Um die Gebete von gestern für Kirche, Papst und Bischof zu vervollständigen, möchte ich noch ein schönes Gebet für unsere Priester hier veröffentlichen, das der hl. Thérèse von Lisieux zugeschrieben wird:

O Jesus, ewiger Hoherpriester, bewahre Deine Priester im Schutze Deines heiligen Herzens, wo ihnen niemand schaden kann. Bewahre ihre gesalbten Hände unbefleckt, die täglich Deinen heiligen Leib berühren. Bewahre rein die Lippen, die gerötet sind von Deinem kostbaren Blute. Bewahre ihr Herz rein und unirdisch, das gesiegelt ist mit dem erhabenen Zeichen Deines glorreichen Priestertums. Lass sie wachsen in der Liebe und Treue zu Dir und schütze sie vor der Ansteckung der Welt. Gib ihnen mit der Wandlungskraft über Brot und Wein auch die Wandlungskraft über die Herzen. Segne ihre Arbeiten mit reichlicher Frucht und schenke ihnen dereinst die Krone des ewigen Lebens.

In einer Woche, am 19. Juni, dem
Herz-Jesu-Fest und dem Weltgebetstag zur Heiligung der Priester, wird Papst Benedikt XVI. das „Jahr des Priesters“ ausrufen. Kardinal Cláudio Hummes, Präfekt der Kongregation für den Klerus, hat ein schönes Schreiben veröffentlicht, in dem er hofft, dass es „ein Jahr voller Initiativen“ werden solle, „ein positives Jahr, in dem die Kirche vor allem den Priestern, aber auch allen Christen und – mithilfe der Massenmedien – der ganzen Welt sagen möchte, dass sie auf ihre Priester stolz ist, dass sie sie liebt, hochschätzt, bewundert und mit Dankbarkeit ihrem pastoralen Wirken und ihrem Lebenszeugnis Anerkennung entgegenbringt.“ Es soll „ein Jahr des Gebets sein, des Gebets der Priester selbst, des Gebets mit den Priestern und für die Priester, ein Jahr der Erneuerung im Hinblick auf die Spiritualität des Priestertums und im Hinblick auf jeden einzelnen Priester selbst.“

Unsere Priester haben in unserer Zeit kein leichtes Los. Ihre Schäflein laufen in Scharen davon und tauchen nie wieder in ihren Kirchen auf. Die übrig Gebliebenen machen es ihnen auch nicht leicht: der Katechismus ist nicht mehr so bekannt wie ehemals, aber vieles weiß der aufgeklärte Christ trotzdem besser: er braucht nicht mehr jeden Sonntag zu Messe, muss nicht mehr zur Beichte, hat mit der Morallehre der Kirche nichts am Hut, weil sie ja längst überholt ist…

Manchmal kommen Priester sich wohl auch ausgenutzt vor: wenn z.B. plötzlich ein junges Brautpaar vor der Tür steht, das in der Kirche heiraten möchte, sich sonst jedoch nie in einem Gotteshaus blicken lässt; wenn Eltern eine prunkvolle Kommunionfeier haben möchten, aber nicht bereit sind, mit ihren Kindern jeden Sonntag den Gottesdienst zu besuchen; wenn kreative Mütter bei der Gestaltung einer Kindermesse mitreden wollen, aber von Liturgie keine Ahnung haben, weil sie fast nie zur Messe gehen…

Ihr Beruf, der ja weit mehr ist als ein Beruf - ihre
Berufung zum Dienst an Gott und am Menschen also, zu der sie ihr „Ja“ ausgesprochen haben, wird vom Volk weniger geschätzt als je zuvor. Viele meinen, dass sie die Gnaden, die dem Priester kraft der Priesterweihe zu eigen sind, nicht mehr brauchen, oder mehr noch, dass diese Gnaden überhaupt nicht existieren. Machen sich lustig über den Zölibat, ohne deren Sinn erfasst zu haben und die Größe, die ein Mensch braucht, um sich für diesen Weg zu entscheiden. Greifen sie an mit Vorwürfen, die die Medien und ihr Umfeld ihnen eingetrichtert haben, mit Vorwürfen, die zwar oft haltlos, aber dennoch so schwer zu widerlegen sind, weil die Wahrheit sich nicht so einfach beweisen lässt und im Gegensatz zur lärmenden Angriffslust der Welt in leisen Tönen redet, die nur ein offenes Ohr und ein offenes Herz wahrnehmen können.

Lieben also wenigstens wir Katholiken unsere Priester, wie es ihnen gebührt und schätzen wir die Opfer, die sie täglich zum Wohl der Kirche und zum Wohl der Menschen bringen. Versichern wir ihnen unsere Gebete und seien wir dankbar für ihren unschätzbaren Dienst an der Menschheit!


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Gebete um Erhalt der kirchlichen Einheit

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Gestern bin ich auf eine sehr schöne Initiative von Jens Falk aufmerksam geworden, die ich unterstützen möchte.

Hier die Gebete, die man täglich um Erhalt der kirchlichen Einheit beten kann:

Gebet für den Heiligen Vater
Laßt uns beten für unseren Papst Benedikt XVI. Der Herr erhalte ihn und stärke ihn und mache ihn glücklich auf Erden und übergebe ihn nicht in die Hände seiner Feinde! Vater unser… Gegrüßet seist du, Maria…

Gebet für unseren Bischof
Lasset uns beten für unseren Bischof, N. Er möge in Deiner Kraft, o Herr, Deine Herde weiden. Herr Jesus Christus, Du Hirte und Haupt Deiner Kirche, wir bitten Dich, steh unserem Oberhirten mit der Kraft Deines Segens bei, daß er an uns Deine Stelle vertritt, uns entflammt durch seinen Eifer, uns beschämt durch seinen Wandel, uns trägt durch seine Liebe, uns stärkt durch seine Geduld, uns segnet durch seine Gebete, uns weidet durch seine Lehre und uns reinigt und läutert zu Deinem heiligen Volke und zum unbefleckten Gottesdienst im Geist und in der Wahrheit. Der Du lebst und herrschest mit Gott dem Vater in der Ewigkeit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Bischof J. M. Sailer)

Maria, Schutzherrin der Kirche
Maria, du mächtige Jungfrau, du bist die hohe, ruhmvolle Schützerin der Kirche, die wunderbare Hilfe der Christen. Du bist furchtbar wie ein zum Kampf gerüstetes Kriegsheer. Du allein hast alle Irrlehren auf der ganzen Welt vernichtet. In unseren Nöten, unseren Kämpfen, unseren Bedrängnissen schütze uns wider den Feind, und in der Stunde unseres Todes nimm unsere Seele auf in den Himmel! Amen. (Hl. Don Bosco)


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Warum ich sonntags zur Messe gehe

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Als Kind ging ich sporadisch zur Messe. Vor meiner Kommunion und meiner Firmung regelmäßig. Danach gar nicht mehr. Kommt euch das bekannt vor?

Es geht den meisten doch gut ohne Messe, wieso „vergeude“ ich dann seit 5 Jahren soviel Zeit, um wenigstens zwei- oder dreimal, oder wenn möglich sogar täglich die Messe zu besuchen?

Ein Sonntag ohne Messe mit meiner Familie kann ich mir nicht mehr vorstellen. Das liegt nicht daran, dass es so etwas wie die
Sonntagspflicht gibt und ich sonst beichten müsste, dass ich eine Messe geschwänzt habe. Es hat auch nichts damit zu tun, dass die Musik so wunderbar oder der Priester so lustig ist.

Ich gehe sonntags (oder samstags oder werktags) zur Messe, weil Gott mich dazu einlädt. Einem Freund oder einem Familienmitglied würde ich eine Einladung aus Bequemlichkeit bestimmt nicht ausschlagen. Demnach tue ich das bei Gott erst recht nicht.

Ich weiß, dass Jesus sich in jeder heiligen Messe aufs Neue der Menschheit opfert, dass Er sich uns schenken möchte, damit wir Anteil am ewigen Leben haben. Ich werde nicht warten, bis ein Unglück über mich hereinstürzt, um mich an Gott zu wenden. Ich werde nicht warten, bis ich zu einer Beerdigung muss oder Freunde ihre Hochzeit in der Kirche feiern. Nein. Gott ist Teil meines Alltags, je nach Moment mehr oder auch weniger bewusst. Diese eine Stunde in der Woche soll jedoch ganz IHM gehören. In dieser Stunde kann ich mein Herz auf Gott richten und es Ihm darbringen, mit meinen Sünden, meinen guten Vorsätzen, meinen Bitten und meinen Dankgebeten.

Die heilige Messe ist die Quelle, aus der ich die Kraft für mein Leben schöpfe. Es ist ein Geschenk, zur heiligen Messe gehen zu dürfen ohne dafür verfolgt, bestraft oder gar getötet zu werden. Dieses Geschenk nehme ich dankbar an.

Lieber Leser, bedenke, auch DU bist eingeladen! :)


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Katholische iPhone-Programme

Für das iPhone bzw. den iPod Touch gibt es mittlerweile Tausende von Programmen. Darunter befinden auch ein paar katholische „Apps“, von denen ich euch die 5 schönsten vorstellen möchte. Die Links verweisen auf den App Store in iTunes.

1. Holy Rosary Audio

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Von diesem Programm bin ich begeistert: Der Rosenkranz wird (auf englisch) vorgebetet, merkt sich automatisch die Stelle, an der man aufgehört hat (sollte man mal nicht alles auf einmal beten können) und weiß sogar, an welchem Tag welcher Rosenkranz angesagt ist. Zusätzlich ist das Programm optisch hübsch gestaltet und man kann, wenn man möchte, auch die Texte mitlesen. Was man in der Praxis wohl allerdings weniger tun wird. Der Barmherzigkeits-Rosenkranz, der bereits in Text-Form enthalten ist, soll später auch als Audio nachgeliefert werden.

2. Bibel

2bible
Es ist immer gut, eine Bibel in der Tasche zu haben. Dieses Bibel-Programm hat eine Suchfunktion eingebaut, mit der man schnell ein Wort oder einen Vers finden kann. Verse können auch kommentiert oder per Email verschickt werden. Eine große Anzahl von Bibelübersetzungen stehen im Programm zum Download bereit. Kommerziell geschützte Übersetzungen wie die gängige Einheitsübersetzung sind nicht enthalten.

3. iBreviary

3breviary
Das erste Programm des eifrigen Geek-Priesters Paolo Padrini. Das digitale Stundenbuch wurde offiziell vom Vatikan gelobt und scheint tatsächlich auch von einigen Priestern und Laien genutzt zu werden. Beim Programmstart kann man die Gebete und Lesungen des Tages herunterladen. Als Sprachen stehen zur Verfügung: Latein, Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch. Leider keine deutsche Version.

4. H2onews

4h2o
Der Vatikan wird richtig geeky. Nachdem man vor kurzem in die Welt von Twitter eingestiegen ist und die Pope2you-Seite gestartet hat, folgt nun der nächste IT-Coup aus Rom: offizielle Nachrichten aus der Kirche in Text, Audio und Video. Ebenfalls in mehreren Sprachen. Wirklich gelungenes App! Don Paolo Padrini scheint auch H2O-News mit programmiert zu haben. Online gibt es die H2O-News schon länger.

5. Catholic Calendar

bonus
Ein liturgischer Kalender für das iPhone. Kostenlos.







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Über die Mundkommunion

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Ab und zu fallen einem kleine Juwelen der katholischen Literatur in die Hände, die später einen Ehrenplatz im Bücherregal bekommen. Eine solche Perle sind die „Gedanken eines Bischofs aus Zentralasien über die heilige Kommunion“: „Dominus Est - Es ist der Herr “ von Athanasius Schneider, die ich heute gelesen habe. Viele Menschen scheinen eine Sehnsucht nach der Kommunion „cum amore ac timor! (mit Liebe und Ehrfurcht!)“ zu haben: wie man der Seite des Verlags entnehmen kann, ist das Buch nach kurzer Zeit bereits in der dritten Auflage erschienen.

Leider hat man es als bekennender „Mund-Kommunizierender“ nicht immer leicht. Es ist schwer geworden, sich als einziger in einer Kirche zum Kommunionempfang hinzuknien, wo alle stehend die Handkommunion empfangen. Früher ging’s nicht anders: man hat auf der Kommunionbank nebeneinander kommuniziert ohne gleich verständnislosen Blicken ausgesetzt zu sein und Gegenstand des Klatschs zu werden. Das ist heute leider nicht mehr so.

Immer wieder höre ich auch, dass sogar Priester abfällig über Gläubige reden, die den Leib Christi in Form der Mundkommunion empfangen möchten, ja manche Geistliche würden sich wünschen, diese Gläubige nicht mehr in ihrer Kirche zu sehen. Ich erinnere mich, wie mir vor Jahren ein Priester beim Österreichischen Ordenstag (!) glatt die kniende Mundkommunion verweigern wollte. „Stehns auf! Wir sind schließlich erlöste Christen“, maulte er mich an und spendete mir dann doch widerwillig die heilige Kommunion.

Vielleicht könnte die unvoreingenommene Lektüre dieses wertvollen Büchleins vielen Christen helfen, ihre Vorurteile abzubauen und sich der uralten und von den Heiligen gut begründeten Tradition der Mundkommunion zu öffnen. Wenn Kardinal Arinze betont, dass er „das ganze Buch mit großer Freude gelesen“ habe und Erzbischof Malcolm Ranjith, Sekretär der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, das Vorwort zu Bischof Schneiders Schrift beisteuert, wenn der Papst die Kommunionbank bei den großen Papstmessen wieder einführt - sind all dies nicht Hinweise, die wir als Christen ernst zu nehmen haben?

Ich möchte ein paar Abschnitte aus dem Vorwort von Erzbischof Ranjith zitieren, die das Problem der mangelnden Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten verdeutlichen:

„Gemäß der Tradition ist es klar, dass es konsequent und unerlässlich geworden ist, Gesten und Haltungen des Leibes und des Geistes anzunehmen, die das Schweigen, die innere Sammlung, die demütige Annahme unserer Armseligkeit erleichtern vor der unendlichen Größe und Heiligkeit desjenigen, der uns in den eucharistischen Gestalten entgegen kommt. Die beste Art, unseren Sinn für die Ehrfurcht dem eucharistischen Herrn gegenüber auszudrücken, besteht darin, dem Beispiel des Apostels Petrus zu folgen, der sich vor dem Herrn auf die Knie warf und ausrief: „Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein Sünder!“ wie das Evangelium uns berichtet. (Lk 5,8)

Nun aber bemerkt man in einigen Kirchen, dass diese Praxis immer mehr verschwindet und die Verantwortlichen nicht nur die Gläubigen nötigen, die hl. Kommunion stehend zu empfangen, sondern sie haben sogar alle Kniebänke entfernt und zwingen so ihre Gläubigen zu sitzen oder zu stehen, sogar während der Erhebung der eucharistischen Gestalten, die zur Anbetung gezeigt werden.
[Siehe zu diesem Phänomen auch meinen Eintrag Happy Birthday, lieber Bischof] Es ist seltsam, dass eine solche Maßnahme in den Diözesen von den Verantwortlichen der Liturgie verfügt wurde oder in den Kirchen von den Pfarrern, ohne auch nur im Geringsten die Gläubigen zu befragen, wo man doch heute mehr denn je in gewissen Kreisen von Demokratie in der Kirche spricht. Gleichzeitig muss man zugeben, dass dies eine Praxis ist, die missbräuchlich und in aller Eile in einigen Gebieten der Kirche sofort nach dem Konzil eingeführt wurde; auf diese Weise veränderte man die vorausgegangene, jahrhundertealte Praxis und die neue Praxis wurde zur Regel für die ganze Kirche. Man rechtfertigte diesen Wandel, indem man sagte, dies entspräche besser dem Evangelium und der alten Praxis der Kirche. Es ist wahr: was man auf die Zunge empfängt, kann man auch auf die Hand empfangen, da dieser Körperteil von gleicher Würde ist. Um diese Praxis zu rechtfertigen, verweisen einige auf die Worte Jesu: „Nimm und iss“ (Mk 14,22; Mt 26,26).

Was auch immer die Gründe sein mögen, diese Praxis zu rechtfertigen, wir können nicht die Augen verschließen vor dem, was auf Weltebene geschieht, wo diese Praxis durchgeführt wird. Diese Geste trägt zu einer schrittweisen zunehmenden Schwächung der Haltung der Ehrfurcht den heiligen eucharistischen Gestalten gegenüber bei. Die vorausgehende Praxis bewahrte besser den Sinn für die Ehrfurcht. Dagegen haben sich ein alarmierender Mangel an Sammlung und ein Geist allgemeiner Unaufmerksamkeit eingeschlichen. Man sieht heute oft Kommunizierende, die an ihre Plätze zurückkehren, so als wäre nichts Außergewöhnliches geschehen. Am meisten zerstreut sind die Kinder und Jugendlichen. In vielen Fällen kann man den Geist der Ernsthaftigkeit und des inneren Schweigens nicht erkennen, der die Gegenwart Gottes in der Seele anzeigen müsste.“

Es gibt von vielen Seiten Bemühungen, Katholiken wieder näher an die Geheimnisse der heiligen Liturgie heranzuführen. Beten wir in diesen Tagen besonders zum Heiligen Geist, dass Er unsere Herzen erfülle und das Herz Seiner Gläubigen mit Seiner Liebe entzünde.

Mögen wir die „flammende Ermahnung“ Johannes Pauls II. verstehen, die er der Kirche in seiner letzten Enzyklika „
Ecclesia de Eucharistia“ gleichsam einem Testament hinterlassen hat:

„Wir müssen mit aller Sorgfalt darauf bedacht sein, keine der Dimensionen oder Erfordernisse der Eucharistie abzumindern. Nur auf diese Weise zeigen wir, dass wir uns wahrhaft der Größe dieses Geschenkes bewusst sind. (…) Es besteht keinerlei Gefahr, die Sorgfalt im Umgang mit diesem Geheimnis zu übertreiben.“ (Nr. 61)



Weiterführende Links: Weihbischof Schneider auf Gloria.tv:


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Musik der Anbetung

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Kurz vor der Papstwahl 2005 führte ich mit einem Kollegen ein Gespräch darüber, welche Eigenschaften man sich vom zukünftigen Papst wünschen könnte. Als Musiker hofften wir natürlich, dass auch die Musik ihm ein Anliegen sein würde. Immerhin ist es mit der Kirchenmusik seit den 60er Jahren derart den Bach runtergegangen, dass man sich als Musiker fragen möchte, wieso kein Papst nach Pius XII. eine Enzyklika über die Kirchenmusik geschrieben hat. Man könnte meinen, dass die Kirche dringlichere Probleme habe als die Frage, welche Art von Musik angemessen ist, um in der heiligen Messe zu erklingen. Aber es gibt einen tiefen Zusammenhang zwischen dem Glaube und der Musik der Kirche, wie wir gleich sehen werden.

Nun ist Gott sei Dank mit Papst Benedikt ein wahrer Kenner zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt worden, der sich auch immer wieder zu Problemen der Kirchenmusik geäußert hat. Einige dieser Schriften wurden 2008 von Franz Josef Stoiber im Herder Verlag in einem schönen Sammelband unter dem Titel „
Im Angesicht der Engel“ veröffentlicht. Es ist erstaunlich, mit welcher Klarheit der „Mozart der Theologie“ (Kardinal Meisner) auch zu diesem Thema profunde Analysen vorgelegt hat.

Die Musik sollte in der Kirche erklingen, um Gott zu loben, nicht um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. „Liturgische Musik muss demütig sein; ihr Ziel ist nicht der Beifall, sondern die Erbauung.“ - „Musik, die Medium der Anbetung werden will, bedarf der Reinigung; nur so kann sie selbst reinigen und ‚erheben‘“.

Der Papst beruft sich auf den hl. Thomas von Aquin, wenn er schreibt:

„Loben ist selbst eine Bewegung, ein Weg; es ist mehr als Verstehen, Wissen, Tun - es ist das ‚Aufsteigen‘, Rühren an den, der im Lobgesang der Engel wohnt. (…) Solches Aufsteigen reißt den Menschen heraus aus dem, was gegen Gott steht. Wer die verwandelnde Macht großer Liturgie, großer Kunst, großer Musik je erfahren hat, weiß dies. Das tönende Lob führt uns und andere zur Ehrfurcht“ (…) und „weckt den inwendigen Menschen auf.“

Welcher Art sei nun dieses klingende Lob? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, muss man zuerst eine tieferes Verstehen für die Liturgie gewinnen: „Der Streit um die Kirchenmusik wird symptomatisch für die tiefere Frage, was Gottesdienst sei.“ Liturgie sei natürlich „für alle da. (…) Sie muss daher ‚einfach‘ sein. Aber das Einfache ist nicht das Billige. Es gibt die Einfachheit des Banalen, und es gibt die Einfachheit, die Ausdruck der Reife ist. In der Kirche kann es nur um diese zweite, die wahre Einfachheit gehen.“

Ein Problem sei das falsche Verständnis der „participatio actuosa“, die tätige Teilnahme des ganzen „Gottesvolkes“ an der Liturgie. „Aber dieser Begriff ist doch nachkonziliar einer fatalen Verengung verfallen. Es entstand der Eindruck, als ob tätige Teilnahme nur da vorliege, wo feststellbare äußere Aktivität - Reden, Singen, Predigen, liturgische Assistenz - vorliegt.“ Aber, „ist Vernehmen, Aufnehmen, Ergriffensein nichts Aktives“?

Ohne den Raum der Stille in der Liturgie kann die Seele ihr Herz nicht zu Gott erheben. Wer ständig in äußere Tätigkeiten wie aufstehen, setzen, knien, reden, singen usw. eingebunden ist, wird schwer innerlich zur Ruhe kommen können. Manchmal scheint es mir, als hätte man nicht nur in der säkularen Welt, sondern auch in der Kirche Angst vor allzu langer Stille und Schweigen. Wenn wir schweigen, heißt das noch lange nicht, dass Gott schweigt. Wir müssen hörende Christen werden. Um dorthin zu kommen, müssen wir den Weg der Reinigung gehen und
das Hören sowohl von Musik als auch von Stille neu erlernen.

Dadurch wird unser Herz für Gott bereitet und wir werden nach und nach von selbst ein besseres Verständnis für den angemessenen Duktus einer Musik, die Gott in würdiger Weise preist, gewinnen können. Der Gläubige muss der heiligen Messe in einer Haltung tiefen inneren Gebets beiwohnen. Nur der wahre Beter kann „den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit“ (vgl. Joh 4,23).

Leider kann nicht jeder diesen Weg so einfach beschreiten. Was ist, wenn man nicht zur Ruhe kommen kann in der Messe, wenn es einem einfach nicht gelingt, das Herz zum Gebet zu erheben? Genau in diesem Fall kann die Kirchenmusik ihren höchsten Dienst erfüllen: „Sie legt den verschütteten Weg zum Herzen, zur Mitte unseres Seins frei, dahin, wo es sich mit dem Sein des Schöpfers und des Erlösers berührt. Wo immer dies gelingt, wird Musik die Straße, die zu Jesus führt; der Weg, auf dem Gott sein Heil zeigt.“

Eine liturgische Musik, die diesem Anspruch zweifelsohne gerecht wird, ist der Gregorianische Gesang. Leider haben viele Katholiken den Zugang zu dieser wahrhaft himmlischen Musik verloren. Das ist mehr als bedauerlich, darf aber nicht so einfach von unseren Bischöfen und Priestern hingenommen werden. Sie mögen unsere Pfarreien und besonders unsere Kirchenchöre an das II. Vatikanische Konzil erinnern, das in der Konstitution über die heilige Liturgie „
Sacrosanctum Concilium“ „den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang“ vorsieht, weshalb er „in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen“ soll. Ich stelle leider immer wieder fest, dass dem Gregorianischen Choral in unseren Kirchen oft der letzte Platz zugewiesen wird.

Nach dem Gregorianischen Choral kennt die Kirchenmusik in ihrer Tradition natürlich noch viele andere Gesänge, die in der Lage sind, das Herz der Gläubigen für Gott zu öffnen, seien es nun anspruchsvolle Chormessen oder einfache Gemeindelieder.

Abraten möchte ich jedoch vom Neuen Geistlichen Lied, das viel an Ehrfurcht in unserer Kirche zerstört hat. Gero Vehlow schreibt in seinem lesenswerten Buch „
Maria in der Musik“: „In der Kirchenmusik hat es im Zeitraum von weniger als vier Jahrzehnten ein so starkes Absinken des Niveaus gegeben wie in keiner anderen musikalischen Gattung.“

Hier besteht ein viel zu wenig beleuchteter Zusammenhang zwischen u.a. dem Schwund der Mundkommunion, der Hochaltäre und Kniebänke und letztlich dem Glauben der Menschen im allgemeinen und der Einführung mehr und mehr „kreativer Elemente“ und „Zusammengebasteltem“ in der heiligen Liturgie der Kirche, die den Kirchgängern das Gefühl wahrer Anbetung immer fremder hat werden lassen. Poplieder und Neues Geistliches Lied sind ein Ausdruck dieser Strömung. Natürlich haben auch Einflüsse von außen, wie die wandelnden Wertvorstellungen der Gesellschaft und die falsche Definition von Freiheit zu dieser Entwicklung beigetragen. All dies kann ich hier nur kurz andeuten, da es sonst den Rahmen sprengen würde.

Bleibt zu hoffen, dass die untrennbare Verbindung zwischen Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten und ihrem würdigen Ausdruck durch die Sprache der Musik aufs Neue besonders von jungen Christen wiederentdeckt wird, damit die Kirche eine Neubelebung des Glaubens erfahre.


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Humor macht's erträglich

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Die lächerliche Leier über die Klarstellung glasklarer Dinge geht weiter: Frau Knobloch erwartet von Papst Benedikt XVI eine klare Aussage zum Holocaust-Leugner Williamson. Elsa zeigt uns, wie man diese Hysterie auch sehen kann. Köstlich.

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Gegen die Abtreibung

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Heute ist auch der Gedenktag der heiligen Abtreibungsgegnerin Gianna Beretta Molla. Mögen auf ihre Fürsprache hin die teuflisch hohe Zahl der Abtreibungen zurückgehen…
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Der Sänger Mariens

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Heute gedenkt die Kirche des hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort (1673-1716).

Der heilige Ludwig Maria (Louis-Marie) war einer der innigsten Marienverehrer aller Zeiten und hat zahlreiche wertvolle Schriften und unzählige Lieder hinterlassen. Eine sehr gute Auswahl dieser Schriften ist im „
Goldenen Buch“ enthalten. Die Marienweihe mit 33-tägiger Vorbereitung geht auf ihn zurück. Ausgiebige Informationen zur Marienweihe findet man auf der Homepage der katholischen Gemeinschaft „Amici di Dio“.

Seine Schriften haben mich stark beeinflusst. Die Weihe mache ich seit nunmehr 5 Jahren, und ich kann nur bestätigen, dass sie tiefgreifende Auswirkungen hat!

Worte Papst Johannes Pauls II. über das „Goldene Buch“:

„Ich selbst schöpfte in meiner Jugend großen Gewinn aus der Lektüre dieses Buches, denn darin fand ich die Antwort auf meine Ratlosigkeit: Meine Furcht bestand darin, dass die Verehrung Mariens und ihre große Verbreitung, den Vorrang der Verehrung Christi, gefährdete. Unter der weisen Führung des Hl. Ludwig verstand ich, dass wenn man das Geheimnis Marias in Christus lebt, diese Gefahr nicht besteht. Auf meinem Bischofswappen ist der Wahlspruch ‚Totus Tuus‘ zu lesen, der sich bekanntlich an der Lehre des Hl. Ludwig inspiriert.“

Diese beiden Worte bringen die vollkommene Zugehörigkeit zu Jesus durch Maria zum Ausdruck: „Totus Tuus ego sum, et omnia mea tua sunt!“ schreibt der Hl. Ludwig und er übersetzt: „Mein Jesus, ich bin ganz Dein, und alles, was mein ist, ist Dein durch Maria, Deine heilige Mutter!“

Aus dem „Flammengebet“ des hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort:

„Um wahre Kinder Mariens, Deiner heiligen Mutter, bitte ich Dich, die von ihr in Liebe empfangen und in ihrem Schoß getragen, geboren und an ihrer Brust ruhend, von ihrer Milch genährt und durch ihre Sorge groß gezogen, von ihrer Hand gestützt und mit ihren Gnaden bereichert sind!“

„Heiliger Ludwig Maria, bitte für uns!“


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Der Medien-Priester

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In den vergangenen 2 Jahren hat P. Dr. Karl Wallner aus Heiligenkreuz sicher mehr Interviews gegeben als manch ein Popstar. Wollte man all seine Interviews hören, lesen und schauen, bräuchte man wohl einige Tage Zeit. Ich möchte allerdings auf einen sehr guten Beitrag (Beitrag mittlerweile nicht mehr online) hinweisen, den der NDR vor 2 Wochen gebracht hat. Souverän und sympathisch wie man es von ihm kennt, steht P. Karl in dieser Sendung der Moderatorin wieder einmal Rede und Antwort.
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Bemerkenswert finde ich, dass P. Karl nie den Blick auf das Wesentliche verliert und es meisterhaft versteht, klar und trotzdem leicht verdaulich über die Kirche zu reden. Selbstverständlich sind Interviews zum fantastischen Chant-Album keine theologischen Abhandlungen. Predigten und Vorträge von P. Karl kann man sich u.a. bei Gloria.tv und Kathtube zu Gemüte führen (es lohnt sich!).

Danke für Deinen großartigen Dienst, lieber P. Karl! Gäbe es Dich nicht, müsste der liebe Gott einen Mönch von Deinem Format erfinden!


Bild: Meine Frau Martina und ich am wohl schönsten Tag unseres Lebens. :-) Hochzeit in im Stift Heiligenkreuz, Trauungspriester P. Karl


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Johannes Paul II. und seine Mutter Maria

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Eindrücke nach der Beerdigung Papst Johannes Pauls II.

Ich stehe auf einem hölzernen Klappstuhl auf der Piazza San Pietro, gut 100 m vom schlichten Sarg unseres geliebten Papstes Johannes Paul II. entfernt und verfolge gebannt den feierlichen und erhabenen Trauergottesdienst, an dem dank der medialen Ausstrahlung weltweit wohl bis zu einer Milliarde Menschen teilnehmen. Berührt und überwältigt von der Liebe der Pilger, deren Herz es ebenso wie mich und die fünfzig anderen kath.net-Leser unserer Busreise nach Rom verschlagen hat, bete ich im Stillen und danke Gott für diesen großen Papst.

Immer wieder denke ich an Maria, die Mutter Jesu, in deren Hände Karol Wojtyla sein Leben bedingungslos gelegt hat. Nachdem er als junger Mann während der Wirren des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1942 in der Chemiefabrik Solvay, wo er damals arbeitete, das „Goldene Buch“ des hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort zum ersten Mal gelesen hatte, ein Buch „über die wahre Verehrung der seligen Jungfrau Maria“, klärte sich in ihm die Frage nach seiner Berufung vollends. Er, der das Schauspielen, die Dichtkunst und die Philosophie so sehr liebt, tritt im Herbst 1942 ins Priesterseminar von Krakau ein.

Bereits seit seinem zehnten Lebensjahr trägt er das Karmelskapulier, Zeichen inniger Marienverehrung und innerer Verbundenheit mit dem Karmel, dem wohl marianischsten aller Orden. Nicht einmal bei seiner Operation nach dem gesundheitlich folgenschweren Attentat von 1981 lässt er zu, dass man ihm das Skapulier abnimmt.

Als er 1978 zum Papst gewählt wird, betont er sogleich den hohen Stellenwert, den der Rosenkranz, sein Lieblingsgebet, für ihn hat: „Er ist ein wunderbares Gebet, wunderbar in seiner Schlichtheit und Tiefe“, das „uns (…) durch das Herz seiner Mutter in lebendige Verbindung mit Jesus bringt“ (Rosarium Virginis Mariae, Nr. 2).

Durch Maria zu Jesus. – Dies ist der Weg, der einen der größten Päpste aller Zeiten hervorgebracht hat, einen Papst, der die Menschen geliebt hat, mit jeder Faser seines Herzens, und der diese Liebe in Wort und Tat bewiesen und gelebt hat. Weshalb lagen und liegen ihm so viele Herzen zu Füßen? Weil wir uns geliebt wussten vom polnischen „Stellvertreter Christi auf Erden“. Christen sowie Menschen anderer Konfessionen und Nichtgläubige fühlten, dass die Liebe dieses Menschen und seine Sorge um das Geschick der Menschheit durch und durch echt waren.

In seiner ersten Enzyklika „Redemptor Hominis“ aus dem Jahre 1979 stellt er die Weichen für das kommende Vierteljahrhundert seines Pontifikats: „Der Erlöser des Menschen, Jesus Christus, ist die Mitte des Kosmos und der Geschichte“ (Redemptor Hominis, R.H. Nr. 1). Er spricht sich aus für die Würde und die Freiheit jedes Menschen und gegen jegliche Form der Ungerechtigkeit. Die „Königswürde“ des Menschen „besteht im Vorrang der Ethik vor der Technik, im Primat der Person über die Dinge, in der Überordnung des Geistes über die Materie“ (R.H. Nr. 16). Diesem „Wahlprogramm“ ist Johannes Paul II. zeit seines Lebens treu geblieben.

Die Welt bewundert das Wirken dieses Papstes, seine Güte und seine Menschlichkeit, lobt seinen unermüdlichen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit, seinen Mut zum offenen Dialog mit Andersdenkenden, seine große Demut, die ihn dazu bewog, um Vergebung für die Sünden der Kirche zu bitten und sein Kreuz der Krankheit und des Alters bis zum Ende ohne Klagen zu ertragen und somit die christliche Botschaft von Kreuz und Auferstehung vor den Augen aller zu bekunden. Kaum jemand, der ihn erlebte, blieb unberührt von seinen Worten und Taten. Doch wir sollten die Gnade dieser Stunde dazu nutzen, tiefer zu schauen: Johannes Paul II. zeigte stets auf Jesus Christus, den Erlöser der Menschheit, der in der Kirche im Sakrament der Eucharistie präsent ist, der „Quelle des Lebens und der Heiligkeit“ (Litanei vom Herzen Jesu). Diese Quelle, das Zentrum, die Mitte, das Herz unseres christlichen Glaubens hat unserem Heiligen Vater die Kraft gegeben, Stimme des Gewissens in einer so gewissenlosen Zeit zu sein!

Schauen wir nach innen! Nicht die Form gebiert den Inhalt, sondern der Inhalt schafft das Äußere, die Form. „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist. (…) Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund“ (Lk 6, 45). Johannes Paul II. war ein Nachfolger Christi, dessen ganzes Leben auf Christus verweist, wie ein Fenster, durch das die barmherzige Liebe Gottes schien und weiter scheinen wird. In grenzenlosem Vertrauen auf seine himmlische Mutter Maria hat er die Kirche durch den „neuen Advent“ (R.H. Nr. 1) des „Großen Jubiläums“ des Jahres 2000 geführt. Als er am 16. Oktober, dem Beginn des 25. Jahres seines Pontifikats mit dem Apostolischen Schreiben „Rosarium Virginis Mariae“ der Christenheit erneut den unschätzbaren Wert des Rosenkranzgebetes ans Herz legte, das Jahr des Rosenkranzes ausrief und die neuen „lichtreichen Geheimnisse“ veröffentlichte, die im Geschenk Christi der Eucharistie an uns gipfeln, setzte er wiederholt ein Zeichen seines marianischen Weges, der für alle Katholiken verbindlich sein sollte:

Durch Maria zu Jesus. – Johannes Paul II. führte sein Werk „zum Höhepunkt des beschrittenen Weges“ (Mane Nobiscum Domine, M.N.D. Nr. 10), indem er nach der bedeutenden Enzyklika über die Eucharistie am 7. Oktober 2004 (Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz!) sein letztes Apostolisches Schreiben „Mane Nobiscum Domine“ veröffentlichte und das Jahr der Eucharistie ausrief, um somit die Christen erneut als ihr Vater, Hirte und Lehrer tiefer in dieses unergründliche Geheimnis einzuführen. Es ist sicher kein Zufall, dass Papst Johannes Paul II. diese Welt im Jahr der Eucharistie verlassen hat, dessen Höhepunkt für viele junge Menschen aus der ganzen Welt der Weltjugendtag in Köln sein wird: „Sehr viel erwarte ich schließlich von euch, liebe Jugendliche, während ich unsere Verabredung für den Weltjugendtag in Köln in Erinnerung rufe. Das Thema ‚Wir sind gekommen, um ihn anzubeten’ (vgl. Mt 2,2) eignet sich in besonderer Weise dafür, um euch die rechte Haltung nahezubringen, wie wir dieses eucharistische Jahr leben können. Bringt zu diesem Treffen mit dem unter dem eucharistischen Schleier verborgenen Jesus die ganze Begeisterung eurer Jugend, eurer Hoffnung und eurer Liebesfähigkeit mit!“ (M.N.D. Nr. 30). Er hinterlässt nicht nur der Kirche, sondern der ganzen Menschheit ein derart reiches Erbe, das im gegenwärtigen Augenblick sicher noch niemand wirklich zu erfassen vermag. Lassen wir uns weiterhin von ihm unterweisen, seine Lehre studieren und ergründen, um uns von ihm dorthin führen zu lassen, wohin er die Menschheit als Mensch, Priester, Bischof, Kardinal und letztendlich als Papst immer geleiten wollte:

Durch Maria zu Jesus.


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Die Schönheit der tridentinischen Liturgie

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Wie ich den tridentinischen Ritus entdeckt habe.

Krakau im Juli 2005: ein junger Priester ist zusammen mit mir und einigen anderen Pilgern am späten Nachmittag auf der Suche nach einer freien Kirche, um dort mit uns die Messe im tridentinischen Ritus zu feiern. Obwohl ich bereits bei einer so genannten „Alten Messe“ dabei gewesen bin, die mich damals nicht sonderlich berührt hat (was wohl u.a. am schlechten Gesang und an der weiten Entfernung zum Altar gelegen hat), steckt mich nun der Eifer meiner Freunde an. Etwas Besonderes scheint in der Luft zu liegen. Nach unzähligen Kirchen, in denen Messe gefeiert oder angebetet wird (wo gibt es das noch?!), finden wir dann endlich eine Kirche mit einer herrlichen barocken Seitenkapelle, die dem heiligen Hyazinth von Polen geweiht ist und in der uns gestattet wird, die heilige Messe zu feiern. Ein junger Mann in Soutane richtet erhaben schweigend alles für uns her.

Da keiner von uns zu ministrieren weiß, liest der Priester, der nach einigen Minuten der Sammlung nun prachtvoll gekleidet vor den Altar schreitet, alle Texte selbst, mal still, mal laut. Das gemurmelte Gebet und die Andacht der Anwesenden entrücken mich zusehends mehr. Ein Schleier scheint sich langsam und schwer vor mir zu erheben, so als ob ein Engel mich in die Heiligkeit und Schönheit dieses Ritus einführen wollte. Unscharf werden die Grenzen von Zeit und Raum und ich fühle mich in einen zeitlosen, göttlichen Lobpreis hineinversetzt. Die Anmut der Bewegungen des Priesters, das Ineinanderfließen der Gebete und Gesänge sowie die Schönheit der Kapelle erheben mein Herz gleichsam in einem göttlichen Dreiklang und öffnen es weit für diesen kostbaren Schatz der katholischen Kirche.

Es war eine heilige Messe, die ich nie wieder vergessen werde. Mit einem Schlag hatte ich verstanden, dass hier nicht der Priester einfach mit dem Rücken zum Volk die Messe für sich feiert, während wir Laien uns zwangsläufig langweilen müssten, teilnahmslos einem antiquierten Schauspiel beiwohnend. Nein, wir beteten gemeinsam zu Gott, unserem Herrn und Erlöser, jeder auf seine - seiner Berufung angemessene - Art.

Was das Ohr nicht versteht, erfasst das Herz auf mystische Weise. Später habe ich oft tridentinische Messen mit dem Schott mitgefeiert, so dass mir nach und nach viele Feinheiten und Schönheiten mehr erschlossen wurden. Auch die Vertrautheit mit dem Ablauf und den Texten des Neuen Ritus, oder des „ordentlichen Ritus“, wie wir diesen nun nennen dürfen, hat sehr dazu beigetragen, dass ich manches, was im „außerordentlichen Ritus“ schleierhaft erscheinen könnte, besser verstehen kann.

Ich glaube nicht, dass man den einen gegen den anderen Ritus gegeneinander ausspielen sollte, aber ich bin fest davon überzeugt, dass das Kennenlernen der „Alten Messe“ für jeden Katholiken, der die Kirche liebt, von enormem Wert sein kann. Wie viele Heilige vor uns die Messe in genau dieser Form geliebt und gefeiert haben, kann man gar nicht ermessen. Diese Messe erscheint mir im Gesamten als größtes und tiefstes geistiges Kunstwerk der Geschichte. Wer einmal die Größe und Schönheit der Tridentinischen Messe erfahren hat, wird nicht umhin kommen, jede Messe im „Novo Ordus Missæ“ an diesem „Modell“ zu messen. Ich liebe die Messe im Neuen Ritus, würde mir jedoch sehr wünschen, dass die Liturgie nach dem Missale von Papst Johannes XXIII. die Anerkennung erfahren würde, die ihr zusteht. Das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ Papst Benedikts XVI. vom 7.07.2007 ist ein großer und visionärer Schritt in diese Richtung. Möge die Intoleranz der Liberalen und die Unkenntnis der Unwissenden weichen zugunsten einer umfassenden Liebe für die zeitlosen Schätze der katholischen Kirche, zu der die Tridentinische Messe zweifellos zählt und immer zählen wird.


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Das Skapulier

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Usprung und Bedeutung des Skapuliers. Aus den Amici-News im Juli 2005.

Den Mitgliedern der katholischen Gemeinschaft „Amici di Dio“ wird bei ihrer Aufnahme in die Gemeinschaft das braune Skapulier vom Berg Karmel von einem Priester aufgelegt. Dieses Zeichen, das uns persönlich an unsere Verbundenheit untereinander erinnert, beinhaltet jedoch andere wichtige Aspekte, die im folgenden kurz erläutern werden.
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Was ist das Skapulier?

Das Skapulier besteht aus zwei Stückchen braunen Wollstoffes, die durch zwei Tragbändchen miteinander verbunden sind. Der Name dieses Sakramentale leitet sich ab vom lateinischen Wort „scapulæ“, Schultern. Das Skapulier wird über beide Schultern hängend getragen und deutet das braune Schulterkleid des Ordensgewandes der Karmeliter an. Eines der Wollstückchen trägt ein Bildnis der Muttergottes mit ihrem göttlichen Kinde auf dem Arm. Auf dem anderen Wollstückchen befindet sich das Bild des Gekreuzigten oder des Heiligsten Herzens Jesu.

Ursprung

Nach der Überlieferung des Skapulierfestes überreichte die Muttergottes, die von den Mönchen des auf dem Berge Karmel gegründeten Bettelordens besonders verehrt wurde, am 16. Juli 1251 dem englischen Ordensgeneral Simon Stock ein Skapulier mit den Worten: „Mein Sohn, empfange dieses Skapulier deines Ordens; es ist das Zeichen der besonderen Vergünstigungen, die ich für dich und die Kinder des Karmel erlangt habe. Wer in diesem Gnadenkleide sterben wird, wird vor dem ewigen Feuer bewahrt bleiben. Es ist ein Zeichen des Heiles, ein Schutzkleid in Gefahren, das Unterpfand eines besonderen Friedens und besonderen Schutzes.“ Sobald dieses Versprechen den Gläubigen bekannt wurde, wollten auch sie dieses kostbare Unterpfand für ein gutes Leben und einen guten Tod besitzen. Päpste und Kardinäle, Kaiser und Könige, Bischöfe und Priester und Abermillionen von Gläubigen haben sich in der Folge mit diesem Schutzkleid Mariens bekleiden lassen.

Ein Zeichen

Das Skapulier ist von der Kirche approbiert und vom Karmeliterorden angenommen als äußere Manifestation der Liebe zu Maria, des kindlichen Vertrauens zu ihr und des Versprechens, ihr Leben nachzuahmen. Es symbolisiert ebenso die Verbundenheit der Laien, die es tragen, mit dem Karmeliterorden. Natürlich ist es nur ein Zeichen, welches dem Gläubigen zwar Gnaden gewährt, ihn jedoch nicht seiner Pflicht entbindet, sich bestmöglich im Weg der Nachfolge Christi zu bemühen. Durch dieses marianische Zeichen werden laut Johannes Paul II., der selbst das braune Skapulier seit seiner Kindheit trug, zwei Wahrheiten wach gehalten: „Einerseits der beständige Schutz der Allerseligsten Jungfrau, und zwar nicht nur auf unserem Lebensweg, sondern auch beim Übergang in die Fülle ewiger Herrlichkeit, andererseits das Bewusstsein, dass die Verehrung Marias sich nicht auf Gebete und Übungen zu ihrer Ehre in manchen Lebenslagen beschränken darf, sondern zu einem ,Habitus' werden muss, also zu einer beständigen Ausrichtung der persönlichen Lebensführung als Christ, die im häufigen Empfang der Sakramente und der Ausübung der geistlichen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit ihre Grundlage hat. Auf diese Weise wird das Skapulier zum Zeichen des ,Bundes' und der gegenseitigen Verbundenheit zwischen Maria und den Gläubigen. In ihm wird greifbar zum Ausdruck gebracht, wie Jesus vom Kreuz aus dem Johannes, und in ihm uns allen, seine Mutter übergab, und wie sich ihr der Lieblingsjünger und mit ihm wir alle vertrauensvoll anheimgeben, so dass sie zu unserer geistlichen Mutter wird“ (aus der Botschaft Johannes Pauls II. an den Karmeliterorden anlässlich der Weihe des Jahres 2001 an die Mutter Gottes und anlässlich des 750. Jahrestags der Übergabe des Skapuliers).

Als Schwester Lucia befragt wurde, warum Maria bei ihrer letzten Erscheinung in Fatima als Muttergottes vom Berge Karmel erschienen war, sagte sie: „Maria wollte dadurch ihren Wunsch bekunden, dass alle Menschen das Skapulier als Zeichen ihrer Weihe an Ihr Unbeflecktes Herz tragen.“ Da die „Amici di Dio“, die Freunde der großen Freunde Gottes im Himmel, in regelmäßigen Abständen ihr Leben durch die Grignion-Weihe ganz in die Hände Unserer Lieben Frau legen, entspricht das Skapulier unserer marianisch ausgerichteten Spiritualität und erinnert uns täglich an unsere Zugehörigkeit zu Mutter Maria, der Mutter der heiligen katholischen Kirche.

Am 16. Juli, dem Fest „Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel“, wollen wir, jeder auf seine Art, etwa durch den Besuch der Heiligen Messe, alljährlich unsere Dankbarkeit für die gütige Führung Mariens in unserem Leben und für das Gnadengeschenk des Skapuliers, das wir tragen dürfen, zum Ausdruck bringen.

Praktische Hinweise

  • Das Skapulier wird nur einmal von einem Priester oder einer beauftragten Person überreicht.
  • Das Skapulier ermutigt uns und erinnert uns daran, den Anforderungen des Evangeliums gerecht zu werden, die Sakramente zu empfangen und eine besondere Verehrung der Jungfrau Maria zu pflegen, welche sich durch das tägliche Rosenkranzgebet, die tägliche Andacht der drei „Ave Maria“ oder aber auch durch das Gebet des „Angelus“ ausdrückt.

Kurzformel zur Überreichung des Skapuliers

„Empfange dieses Skapulier als Zeichen der besonderen Verbundenheit mit Maria, der Mutter Jesu, der Du versprichst, sie nachzuahmen. Dieses Skapulier soll Dich an Deine Würde als Christ, Deine Hingabe im Dienst am Nächsten und die Nachahmung Mariens erinnern. Trage es als Zeichen ihres Schutzes und als Zeichen der Zugehörigkeit zur Familie des Karmels in der Bereitschaft, Gottes Willen zu befolgen und im Einsatz im Dienst am Aufbau einer Welt, die seinem Plan der Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und des Friedens entspricht.“

© Skapulierabbildung aus dem Shop St. Josef


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Warum der Papst Möhren empfiehlt

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Der „ordentliche Ritus“ sollte ordentlich gefeiert werden, der Tridentinische Ritus sollte den Katholiken verständlich erklärt werden (ursprünglich erschienen auf www.kath.net).

Am 7.7.2007 veröffentlichte Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. ein Motu Proprio demgemäß der Missstand in der katholischen Kirche abgeschafft werden soll, dass Priester eine Sondergenehmigung ihres Bischofs benötigen, um die heilige Messe in ihrer vorkonziliaren Form feiern zu dürfen.

Eine offensichtliche Abneigung gegenüber der tridentinischen Messe ist bei vielen geistlichen Würdenträgern, Priestern und Theologen festzustellen. Daraus resultiert oftmals eine Diskriminierung der Gläubigen innerhalb des Volkes Gottes, die sich vom so genannten „Alten Ritus“ angezogen fühlen.

Umso enttäuschender ist nun
die Stellungnahme unseres Erzbischofs Fernand Franck, der die „Alte Messe“ als Schatz der katholischen Kirche und der christlichen Kulturgeschichte schlechthin nicht zu würdigen weiß, sondern in seinem zwei Drittel des Textes einnehmenden „Bekenntnis zur liturgischen Erneuerung“ fast ausschließlich die Vorzüge der erneuerten Liturgie gegenüber der tridentinischen Messe hervorhebt und dabei auch noch behauptet, dass „die von Papst Benedikt XVI. in seinem Brief vom 7. Juli 2007 an die Brüder im Bischofsamt erwähnten Entstellungen“ … „in Luxemburg gottlob selten sind“.

Folgende Begebenheiten sind keine Seltenheit, sondern stehen an der Tagesordnung in den Kirchen Luxemburgs: Man geizt am „Tisch des Gotteswortes“ und streicht mal Sonntags eine Lesung – entweder um Zeit zu sparen oder um sie durch ein Schauspiel zu ersetzen. Priester verändern hier und da die vorgegebenen Messtexte, mal wird der Friedensgruß weggelassen, mal am Hochgebet rumgebastelt, mal an möglichst vielen anderen Stellen versucht, kreativ zu sein. Kommunionhelfer werden eingesetzt, obwohl keine Notwendigkeit dazu besteht. Am Altar bedient man sich wie an einer Bar und taucht den Leib Christi eigenhändig in den Kelch mit dem Blute Christi ein. In vielen Kirchen Luxemburgs sind die Kniebänke entfernt worden, so dass sogar das Knien bei der Wandlung, was wenigstens hier noch die Ehrfurcht vor Gott in Seiner leiblichen Gegenwart zum Ausdruck bringen sollte, den meisten Gläubigen fremd geworden ist. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. „Wo immer man bei liturgischen Besinnungen nur darüber nachdenkt, wie man Liturgie attraktiv, interessant, schön machen kann, ist Liturgie schon verfallen. Entweder ist sie Opus Dei mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht.“ Diese Worte des Papstes anlässlich seines Besuchs im Zisterzienserstift Heiligenkreuz am 9. September 2007 treffen nicht nur auf die Gottesdienste außerhalb, sondern leider vielmals auch innerhalb Luxemburgs zu. Hier sollte man nicht die Augen verschließen.

Es sollen nun jene Priester streng überwacht werden, welche die Messe nach dem tridentinischen Ritus feiern wollen, um auf Nummer sicher zu gehen „dass die außerordentliche Form der Messe“ nicht als „Ausdruck bestimmter gesellschaftlicher oder politischer Positionen und Strömungen und somit als ‚Flagge‘ kirchenfremder Anliegen missbraucht wird“. Paradoxerweise wird zum Seelenheil der Gläubigen nicht sichergestellt, dass die Mitarbeiter der katholischen Kirche in Luxemburg treu zur Lehre der Kirche stehen. Es ist kein Geheimnis, dass Theologen in Luxemburg den Papst in seinem Engagement für den Erhalt traditioneller Werte ablehnen und hier eine neue Art der „integralen Spiritualität” zu kreieren versucht wird, die mehr mit Esoterik als mit gesundem katholischen Glauben zu tun hat.

Wer sich in Luxemburg nicht den modernistischen Strömungen des Zeitgeistes anpasst, wird von den so genannten Liberalen aufs Äußerste angegriffen und verleumdet. Dies ist die traurige Realität, die der Verfasser erlebt. Ich bekenne mich zum II. Vatikanum und zum ordentlich gefeierten „ordentlichen Ritus“. Der in der Theorie nie abgeschaffte und jetzt wieder frei zugänglich gemachte Tridentinische Ritus ist mir persönlich jedoch lieber und sollte in seiner Tiefe und seinem Reichtum den gläubigen Katholiken tatsächlich leichter zugänglich gemacht und auch schmackhafter und verständlicher nahe gebracht werden als dies Seine Exzellenz in der Stellungnahme vom 8. September 2007 getan hat.

Um es salopp auszudrücken: Wenn der Papst wieder mehr Möhren anbieten möchte, muss man jetzt nicht versuchen, um jeden Preis Kartoffeln zu verkaufen. Warum setzt sich der Papst für Möhren ein, welche Vitamine enthalten sie und wie wirken sich diese auf den (geistlichen) Organismus des Menschen aus? Das wären zu diesem Zeitpunkt meines Erachtens nach die entscheidenden Fragen.


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Behüten statt verhüten

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Einige Überlegungen zu den Reaktionen auf die Aussage Papst Benedikts XVI. zum Thema AIDS während seines Fluges nach Afrika.

Ein Satz von Papst Benedikt hat wieder mal ausgereicht, dass ein Aufschrei des Entsetzens durch alle Welt geht. In diesem wilden Gebrüll gegen Papst Benedikt und gegen das, was offensichtlich weder verstanden noch hinterfragt wurde, ist es fast unmöglich, hinzuhören auf das, was der Papst wirklich vertritt. Aus diesem Grund werden tagtäglich unnötigerweise bissige, bösartige und zum Teil auch einfach dumme Kommentare auf der Welle der Anti-Papst-Bewegung veröffentlicht.

Der Papst könnte es sich leicht machen - wie leider viele Vertreter der Kirche es tatsächlich tun - er könnte die Lehre der katholischen Kirche verleugnen und Kondome als Schutz vor Aids empfehlen. Die Welt würde ihm vielleicht sogar ein wenig zujubeln.

Es scheint der Mehrheit der überaus aufgebrachten Menschenmenge zu entgehen, dass die Kirche eine der aktivsten und erfolgreichsten Hilfsorgane in den betroffenen Gebieten auf dem afrikanischen Kontinent bildet. Viele derjenigen, die in Worten fuchsteufelswild auf den Papst einschlagen, scheren sich in Wirklichkeit wenig um das Leid der Afrikaner und um die wahre Achtung vor dem Leben. Wer ist denn bereit, aktiv zur Linderung des Leides beizutragen, etwa durch monatliche Spenden oder gar durch einen Aufenthalt in Afrika? Ich kann nicht umhin, an unzählige Katholiken zu denken, an Geistliche, an Ordensschwestern, die auf eine Karriere und auf den Luxus, den sie in unseren Kulturkreisen gehabt hätten, verzichten, um vor Ort - ungesehen von unseren Medien - die Welt ein klein wenig zum Guten zu verändern.

Hätten der Papst und romtreue Katholiken nicht den Mut, sich heute noch für Enthaltsamkeit und eheliche Treue einzusetzen, wer würde diese Möglichkeit überhaupt in Erwägung ziehen und sie als schönste und idealste aller Vorstellungen von Sexualität leben und verkünden? Wahrscheinlich niemand.

Schauen wir einen Augenblick auf unsere „aufgeklärte“ und „fortschrittliche“ Gesellschaft, da das Stichwort „Kondome“ uns direkt anzusprechen scheint. Anders ist die Wucht der emotionalen Reaktionen auf die Aussagen des Papstes nicht zu erklären. Ein verantwortungsloser Umgang mit dem Geschenk der menschlichen Sexualität, eheliche Untreue, ein auf die reine Körperlichkeit beschränktes Verständnis von Sexualität sind auch bei uns für unsagbares Leid verantwortlich. Wir haben uns derart an häufige Partnerwechsel von Jugend an und an die erschreckend hohe Zahl von Scheidungen und Trennungen gewöhnt, dass wir scheinbar nicht mehr wahrnehmen, wie viel Schmerz und Verletzungen, Entfremdung und Misstrauen damit einhergehen. Unzähligen Scheidungskindern wird das Recht auf eine glückliche Kindheit in einer intakten Familie genommen. Unnötiges Leid fügen „Lebensabschnittspartner“ sich gegenseitig zu, weil sie die größere, heilige Dimension der Sexualität, für die die Kirche sich einsetzt, nicht verstehen und nicht leben. Wird unseren Kindern in diesem Umfeld später eine gesündere Partnerschaft, ein besseres Familienleben glücken?

Wir ignorieren ebenso den direkten Zusammenhang zwischen falsch gelebter Sexualität und Abtreibung. Das Abtreiben unschuldiger Menschenkinder ist fraglos der größte Skandal in unserer Gesellschaft, vor allem deswegen, weil die Aufklärungsarbeit hier in die gänzlich falsche Richtung geht und die wahren Werte in perverser Weise verdreht werden. Das Recht auf Töten wird als Freiheit der Frau propagiert. Präsident Obama, dem im Gegensatz zu Papst Benedikt die Welt frenetisch applaudiert, ist ein Vorreiter dieser menschenverachtenden Bewegung, über die unsere Nachfahren hoffentlich mit Entsetzen und Trauer in den Geschichtsbüchern lesen werden.

Kommen wir zum Papst-Interview während seines Flugs nach Afrika zurück: Papst Benedikt hat durch seinen Hinweis, dass „das Übel nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden“ kann, bekräftigt, dass die Kirche ein ganzheitliches Verständnis von körperlicher Liebe fördern möchte, das als Folge nicht nur einen drastischen Rückgang an HIV-Infizierungen haben könnte (und bereits hat!), sondern auch eine intaktere Gesellschaft, da letztlich nur gesunde Familien als „Keimzellen der Gesellschaft“ zu einer wirklich friedvollen und guten Gemeinschaft der Menschen untereinander dauerhaft beitragen können. Dass auf einem derart niedrigen und bösartigen Niveau über die Kirche geschimpft wird, ist ein gutes Beispiel für den Verlust wahrer Werte in unserer Kultur.

Durch das Verteilen von Präservativen wird das wahre Übel eben nicht bekämpft, sondern nur ein Symptom, und das auch erwiesenermaßen nie so wirksam wie eheliche Treue oder Abstinenz im Falle einer Infektion. Es wird eine falsche Botschaft ausgesendet, die auf Dauer das Problem nie an der Wurzel packen kann. Es sollte auch nicht übersehen werden, dass niemand sich vorschreiben lässt, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten oder seinem Partner die Treue zu wahren. Genau so wenig wird letzten Endes niemand - auch nicht in Afrika - sich sagen lassen, ob er Kondome benutzen darf oder nicht. Wieso also die ganze Aufregung? Vernehmen wir etwa eine leise Rührung des Gewissens? Wird vielleicht so laut gebrüllt, damit man den eigenen Lebenswandel nicht in Frage stellen muss?

Anstatt zu schimpfen, sollten wir dankbar sein, dass eine einsame Stimme in der Wüste noch den Mut hat, sich durch das Aussprechen der Wahrheit unpopulär zu machen. Es geht dem Papst auf einer tieferen Ebene um Behütung vor tragischem Leid. Hierzulande und in Afrika. Wer Ohren hat, der höre!


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