Statistik zu Summorum Pontificum

Weltlicher Komponist mit Sinn für Liturgie

Der Artikel beginnt mit dem Satz: „You may not recognize his name, but you will almost certainly be familiar with his music.“ Stimmt. Sollte sein Name nicht jedem bekannt sein, seine Musik ist es mit Sicherheit.
Wie fast jeder begnadete Musiker ist auch Ennio Morricone ein gläubiger Mensch. Das ist an sich noch nichts Außergewöhnliches. Erstaunlich ist allerdings seine luzide Haltung zur Kirchenmusik und seine Wertschätzung für Papst Benedikt XVI. „Heute hat die Kirche einen großen Fehler gemacht, in dem sie mit Gitarrenmusik und populären Liedern die Uhren um 500 Jahre zurückgedreht hat. Ich mag das überhaupt nicht“. Mit dem „Zurückdrehen der Uhren“ meinte der Oscar-Preisträger die Zeit vor dem Konzil von Trient, als Sänger Profanität mit heiliger Musik vermischt haben. Es sei sehr, sehr schwerwiegend, die „vitale und wichtige Tradition der Gregorianik“ für profane Musik mit religiösen Texten „wegzuwerfen“. Der Papst sei auf dem richtigen Weg, hier Korrekturen vorzunehmen, und er sollte es „mit noch mehr Festigkeit“ tun, da nur manche Kirchen seinen Korrekturen nachkommen, andere hingegen nicht.
Über seine Musik zum Film „The Mission“ (sehr sehenswert!) meint Morricone, es sein ein Wunder und eine Gnade gewesen, dass die drei Hauptthemen der Filmmusik sich miteinander kombinieren ließen. Das war zu Beginn also wohl nicht vorgesehen, klingt im wunderschönen Endergebnis dann so:
[Update: Einen spannenden Beitrag zu Ennio Morricones Äußerungen gibt es auch bei Mater amata.]
Abtreibung und Holocaust II

Zunächst eine Zusammenfassung der Ereignisse um die Holocaust-Abtreibungs-Diskussion, weil wahrscheinlich die Leser, die nicht aus Österreich stammen, nicht wissen, was genau der Auslöser dafür gewesen ist:
Am 3. September fand in Wien die Ehrung einer Abtreibungsklinik (s.a. Abtreibung ist keine Ehrensache) durch den Wiener Bürgermeister Häupl statt. Einer der selten gewordenen katholischen Politiker nahm Stellung dazu. Laut news.at (wo natürlich nicht objektiv berichtet wird) sagte Ewald Stadler:
„Ich war immer ein Gegner der Abtreibung. Das ist auch nach unserer Rechtsordnung eine Tötungshandlung. Wer Lehren aus der Geschichte gezogen hat, kann nicht wie der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl heuchlerisch diejenigen ehren, die für die Massentötungen verantwortlich sind. (…) Ich halte es mit Bischof Andreas Laun, der gemeint hat, moralisch führen die gleichen Gleise zur Abtreibung und in die Vernichtungslager der Nazis.“
Frauenministerin Heinisch-Hosek zeigte sich daraufhin äußerst empört und kündigte umgehend eine rechtliche Prüfung des Vergleichs an. Dr. Jakob Cornides, der meiner Meinung nach sofort die Hypokrisie der Ministerin durchschaut hat, schrieb einen offenen Brief an die Ministerin, der auf Twitter die Runde machte.
Und wie sollte es anders kommen? Etwas weniger heftig als die Ministerin, aber immer noch heftig, wurde protestiert. So ein Vergleich sei inakzeptabel. Da sind sich viele (katholische) Blogger einig.
Bitteschön! Man beachte einmal den Kontext des Ganzen: In Wien wird wieder mal ein riesiger Schritt in Richtung Verharmlosung der Abtreibung gemacht, und ein Politiker zieht einen Vergleich, der seit Papst Johannes Paul II. immer wieder mehr oder weniger drastisch fällt, eben weil die Abtreibung als etwas Normales und Gerechtfertigtes angesehen wird und die Macht der Medien dazu genutzt wird, lobbymäßig gegen Abtreibungsgegner vorzugehen, während das ungeheuerliche Ausmaß des Unrechts, das durch die Abtreibung weltweit passiert, total unter den Tisch gekehrt wird. Wir erleben zurzeit eine pervertierte Umkehrung der Werte. Das Morden unschuldiger Kinder wird mit dem Recht auf Selbstbestimmung gerechtfertigt und immer unantastbarer als geltendes Recht in der Gesellschaft verankert.
Wieso vergleichen manche Abtreibungsgegner die Ermordung von Millionen Babys mit der Ermordung von Millionen Juden? Man könnte die Abtreibung auch mit dem Genozid in Ruanda vergleichen oder mit anderen Völkermorden, wo es um die Abschlachtung von Menschen in Millionenhöhe geht. Nur leider sind andere Genozide nicht in solchem Maße im Bewusstsein der Menschen präsent wie der Holocaust. Beim Thema Holocaust weiß jeder - und das ist gut so -, dass ein grässliches Verbrechen an der Menschheit begangen wurde, das sich nie wieder wiederholen darf. Bei der Abtreibung, durch die ein eben so ein himmelschreiendes Unrecht passiert, ist dieses Bewusstsein jedoch überhaupt nicht vorhanden. Im Gegenteil: durch die erfolgreichen Bemühungen der „Freedom-of-choice“-Ideologen, die überaus mächtig sind in unserer Welt, wird der Mord an Babys gesellschaftsfähig gemacht und jede leise Kritik daran mit der Androhung juristischer Verfolgung und öffentlicher Verleumdung gestraft. Wenn das keine perverse Rechtslage ist, in der wir uns befinden und immer tiefer einsinken werden!
Ist es nicht absolut heuchlerisch, wenn nach solch einem Interview, wie dem mit Ewald Stadler, massenweise Politiker in solch einem arroganten Tonfall intervenieren, wie es beispielsweise Familienministerin Heinisch-Hosek tut? Meint sie tatsächlich, Herr Stadler oder alle anderen Abtreibungsgegnern würden sich nicht um die Grausamkeit des Holocaust scheren? Wem will sie was beweisen? Wie mitfühlend sie mit den Opfern des II. Weltkrieges ist? Welch gutes Herz sie hat?
Ein anderes (weit größeres) mediales Ereignis, das Medien und Politiker Anfang diesen Jahres ebenfalls instrumentalisiert haben, um sich in abstoßend heuchlerischer Weise als die großen Humanisten darzustellen, waren die Aussagen Papst Benedikts zum Thema Verhütung anlässlich seiner Afrika-Reise. Damals wie heute ärgert mich die verlogene Reaktion so vieler öffentlicher wie nicht öffentlicher Personen, die mit erhobener Brust und Nase demonstrieren wollten, wie wichtig ihnen das Wohl der Afrikaner sei.
Wer schert sich um die jährlich 45.000.000 abgetriebener, verstümmelter, auseinander gerissener, getöteter Kinder und um die Mütter, die ein Leben lang mit den psychischen Folgen ihrer Entscheidung leben müssen? Wo bleibt da das Mitgefühl der Leute, die ihre pseudo-philanthropische Ader so sehr zu Schau stellen meinen zu müssen? Was ist eigentlich euer Problem? Geht es euch wirklich um die Opfer des Holocaust?
Abtreibung und Holocaust III
Esoterik und katholischer Glaube

Ist Esoterik mit dem katholischen Glauben vereinbar? In einer e-mail hat mir David darauf geantwortet: nicht die kleinste Kleinigkeit.
Diese Frage ist höchst aktuell. Wer sich heute auf „Sinnsuche“ begibt, wird fast zwangsläufig mit esoterischen Angeboten konfrontiert. Dabei darf schon gefragt werden, ob mit dem Begriff „Esoterik“ nicht Etikettenschwindel betrieben wird. Denn: Was soll an Lehren, die in hoher Auflage auf den Markt geworfen werden, noch esoterisch, also allein den Eingeweihten zugänglich, sein? Im Grunde dürfte ich als Uneingeweihter gar nichts davon wissen. Recht besehen hat jede Religion neben einer exoterischen auch eine esoterische Seite, auch die christliche. Früher zumindest waren die Katechumenen bei der eigentlichen Mysterienfeier unerwünscht, denn sie mussten eben erst eingeweiht werden (durch das Sakrament der Taufe). Und Dionysius Areopagita warnt in seiner mystischen Theologie: „Gib aber acht, dass niemand der Nicht-Eingeweihten etwas von diesen Dingen zufällig hört.“
Gemeint ist mit Esoterik daher eher eine subjektiv-synkretistische Religiosität oder eine New-Age-Spiritualität; alles Mögliche fällt darunter, seien es alternative Heilmethoden, Spiritismus, Schamanentum oder Anthroposphie, so dass dem Begriff eigentlich jede Trennschärfe mangelt. Ich bin damit vielfältig in Berührung gekommen, und zwar ohne großartig danach gesucht zu haben. Ich bin kein Aussteiger, denn dazu war ich zu wenig eingestiegen. Einem katholischen Esoteriker wie Valentin Tomberg verdanke ich jedoch wertvolle Einsichten, auch was den katholischen Glauben betrifft. Tomberg – dessen Schriften immerhin von Robert Spaemann herausgegeben werden – kann als Beispiel dafür dienen, dass sich esoterische Weisheit und katholischer Glaube durchaus etwas zu sagen haben, natürlich unter Vorrang des päpstlichen Lehramts. Das einzige heterodoxe Element, das ich bei Tomberg habe finden können, ist die Reinkarnationslehre; diese soll aber keineswegs die Auferstehung der Toten „ersetzen“, sondern kann als Erfahrungstatsache daneben bestehen – wie in der Orthodoxie die Unzerstörbarkeit der Seele. Ein aufschlussreiches Statement dazu gibt es von Papst Johannes Paul II.
Beginnen möchte ich mit den unterschiedlichen esoterischen Praktiken; denn auf Praxis und Erfahrung wird in der „Szene“ sehr viel Wert gelegt, noch ehe es um theoretische Grundlagen geht. Ein weites Feld, das von nicht wenigen Scharlatanen und Hochstaplern bevölkert wird. Offen gestanden, habe ich mich nie sonderlich dafür interessiert. Es wäre daher unfair, alle diese Praktiken in Bausch und Bogen zu verdammen. Aber sind diese Praktiken nicht gefährlich? Nicht gefährlicher als das Leben an sich, scheint mir. Dämonen sind überall unterwegs, und wer fest im Glauben steht, muss nichts fürchten – außer den Herrn. Das heißt nicht, dass ich ein wildes Herumexperimentieren mit diesen Praktiken befürworten würde; spiritistische Sitzungen oder satanische Rituale sind natürlich indiskutabel. Statt Furcht erscheint mir die Tugend der Klugheit jedoch angemessener. Ich kann z. B. nicht ausschließen, dass an Astrologie etwas „dran“ ist. Aber wenn ich angesichts des Kreuzes bete, kann ich mich nicht anders als frei und verantwortlich fühlen vor Gott – determiniert weder durch Sterne noch durch Gene; und angesichts des Kreuzes kann ich auch nicht anders empfinden, als dass mein persönliches Schicksal in der Hand Gottes liegt – weder in Sternen noch in Genen.
Daneben haben sich viele esoterische Praktiken im Gesundheitsbereich ausgebreitet, offenbar mit mehr oder weniger Erfolg. Dabei kann einen nüchterner Pragmatismus schützen: Was hilft, hilft. Der Körper ist ein unbestechlicher Richter, und sein Urteil erkennt man daran, ob das Symptom verschwindet oder eben nicht. Problematisch wird das erst, wenn zwecks Heilung bestimmte esoterische Glaubenssätze angenommen werden sollen. Ja, es gibt zwar keinen esoterischen „Katechismus“, aber wiederkehrende Sätze, die man – gelegen oder ungelegen – zu hören kriegt, auch wenn die „Szene“ sich antidogmatisch (und antiinstitutionell) geriert.
Denn jeder spirituelle Fortschritt kann nur auf eigener Erfahrung beruhen. Erfahrung gehört gewissermaßen zu den Zauberwörtern, mit denen man auf esoterischen Kongressen punkten kann. Nur Dummköpfe, schreibt Gomez-Davila, müssen alle Erfahrungen selber machen. Und nur Dummköpfe, so könnte man Davila paraphrasieren, denken, Dogmen seien lebendiger Erfahrung entgegengesetzt. In Wirklichkeit aber sind die geoffenbarten Dogmen Beschreibungen einer objektiven-geistigen Realität, in die ich nicht unmittelbar Einsicht habe; erst dadurch, dass ich sie annehme, öffnen sich mir – analog zu Ikonen – Fenster zu dieser Realität, und ich kann Erfahrungen in und mit dieser Realität machen. Dabei kommt das Erfahrungsmoment im christlichen Glauben nicht zu kurz: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir geschaut und was unsere Hände berührt haben, das Wort des Lebens – das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist.“ (1 Joh 1, 1-3) Ist diese Erfahrung – das sinnliche Wahrnehmen des fleischgewordenen Logos – nicht im Glauben selbst enthalten, und zwar so, dass derjenige, der sich zu Christus bekehrt hat, über diese Erfahrung ganz selbstverständlich verfügt, ob nun bewusst oder unbewusst? Besondere mystische Erfahrungen sollten deshalb nicht überbewertet werden. „Alle Sakramente sind größer als jedwede Vision“, schreibt der Zisterzienser Thomas Keating und führt aus, dass die meisten mystischen Erfahrungen nicht in kontemplativen Orden, sondern außerhalb – zumeist von Laien – gemacht werden; durchaus denkbar ist, dass Gott mit diesen mystischen Gnadengaben gerade einem Mangel an Glauben aufhelfen will.
In der Regel werden aber nicht nur Dogmen an sich für obsolet erklärt, sondern Gott gleich mit – zumindest der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, erst recht der dreifaltige Gott, den zu denken Esoterikern offenbar zu kompliziert ist. Wenn Esoteriker von Gott sprechen, dann ist alles Mögliche damit gemeint – das Leben, der Kosmos, das Universum, eine Wunscherfüllungsmaschine, das höhere Selbst, aber eben nicht der christliche. Die Personalität Gottes wird sodann – so zum Beispiel in der durchaus ernst zu nehmenden transpersonalen Psychologie – abgelehnt oder zumindest als veraltet angesehen (das personale Gottesbild entspreche der rationalen Stufe, die nun aber durch die transrationale Bewusstseinsstufe abgelöst werde, wo – grob gesagt – jede Dualität aufgehoben ist). Für mich hat das „personale Gottesbild“ allerdings Vorzüge, die ich nicht missen möchte. Denn nur so weiß ich, dass meine Bitt- und Dankgebete einen Adressaten haben; der/das neoplatonische Eine, aus dem die Welt emaniert ist, kommt dafür nicht in Frage (konsequenterweise lehnte es der exklaustrierte Benediktinerpater Willigis Jäger ab, einen Brief an „Gott“ zu schreiben). Der/das Eine hat es auch nicht nötig, sich am Sinai oder durch Jesus Christus zu offenbaren, denn es offenbart sich ja am vollkommensten durch das, was geschieht. Die Liste ließe sich beliebig erweitern, mit dem Ergebnis, dass am Ende der ganze christliche Glaube, die Auferstehung der Toten inklusive, beseitigt wäre. Auf dieser Ebene – der metaphyischen – muss ich David unumwunden recht geben: das hat mit dem katholischen Glauben nicht die kleinste Kleinigkeit zu tun. Dass Jesus Christus am Kreuz für unsere Sünden gestorben sein soll, ist in die esoterische Weltsicht schlechterdings nicht integrierbar. Wie sollte es auch, wenn es darum geht, eine bestimmte Bewusstseinsstufe zu realisieren? Deshalb wird Jesus Christus auch nicht als Gottessohn oder Gottmensch gesehen (oder nur in der Form, dass diese Gottmenschlichkeit ein allgemeines Wesensmerkmal des Menschen sei), sondern als „Weltenlehrer“ (was auch immer das heißen mag) oder als Mensch mit einer tiefen Gotteserfahrung (Willigis Jäger). Der Zen-Spruch – Triffst du den Buddha, schlag ihn tot – ist auf Jesus eben nicht übertragbar, auch wenn Willigis Jäger, der offenbar vor keinem Irrtum haltmacht, das meint. Anders gesagt: Es wäre doch wohl verfehlt, die Nachfolge Christi als buddhistischen Übungsweg zu betrachten. Wer also Christus sucht, ist in der Esoterik schlecht aufgehoben.
Weitere Sätze sind: „Alle Religionen führen zum selben Ziel“, - „Nichts ist Zufall, alles hat einen Sinn“, - „Alles, was dir widerfährt, ist von dir gewollt“ etc. Sätze also, wie es im Faust heißt, mit viel Irrtum und einem Fünkchen Wahrheit – die weniger nerven würden, wenn sie nicht immer wie der Weisheit letzter Schluss vorgetragen würden. Nervend ist weiterhin – da alles bewusstseinsabhängig ist – das unselige Herumpsychologisieren, das einem Tanz um's golden Kalb gleicht.
Was hat das jetzt aber mit Religion zu tun? Meines Erachtens so viel wie ein Bordellbesuch mit einer Hochzeitsnacht. Oder weniger krass: so viel wie Esperanto mit einer gewachsenen Sprache. Nebenbei: Richtig klar geworden ist mir das, zugegeben, erst, nachdem ich ein paar Mal an der Hl. Messe im außerordentlichen Ritus teilgenommen hatte, in dem – so scheint mir, ohne Beweise dafür zu haben – die Religion an sich aufgehoben ist. Der Vergleich mit Esperanto trifft es ganz gut; die moderne Esoterik ist hochgradig künstlich, zusammengemixt aus allen möglichen Religionen, von denen sich keine darin wiedererkennen mag. Höchst unauthentisch dafür, dass auch „Authentizität“ zu den oben erwähnten Zauberwörtern gehört.
Dennoch plädiere ich für mehr „Esoterik“ innerhalb der Kirche. Der esoterische Spiritualismus scheint mir letztlich eine Reaktion einerseits auf den Materialismus zu sein, andererseits auf eine rationalistische Theologie, die das Jenseits „entvölkert“ hat – ja, wo sind nur die Engel hin, wo sind sie geblieben? Auf esoterischen Engelkongressen? Der katholische Glaube ist nämlich konkrete Metaphysik, nicht zufrieden mit blassen Abstraktionen. Mit Esoterik meine ich daher auch nicht eine aufgeblähte Innerlichkeit, sondern vielmehr eine Vertiefung des christlichen Glaubens; dieser ist zwar Geschenk Gottes und daher unverfügbar, aber es kann dafür gesorgt werden, dass er – wie der Herr im Gleichnis vom Sämann ausführt – auf fruchtbaren Boden fällt und wachsen und Frucht bringen kann – mittels mystagogischer Katechese, kontemplativen Gebets, des Herzens- oder Rosenkranzgebets, der Entwicklung der „geistlichen Sinne“ (R. Guardini) oder der Feier der Hl. Messe im außerordentlichen Ritus etc., also allem, was die reiche katholische Tradition hergibt. Dazu bedarf es nicht zuletzt „väterlicher“ Seelsorger, die aus einer echten christlichen Spiritualität leben, Menschenfischer eben, die einen geistig-seelisch zu Christus führen – man denke nur an die Starzen im orthodoxen Russland, die selbst einem Tolstoj imponiert haben. Mit Kritik kann an dieser Stelle nicht gespart werden, denn weite Teile des gegenwärtigen Klerus’ scheinen diesbezüglich selbst Nachholbedarf zu haben – vielleicht nicht zuletzt deswegen hat der Hl. Vater ein Priesterjahr ausgerufen.
Christ sein

Das Christentum ist eine lebensverändernde, persönliche Erfahrung des auferstandenen Christus. Jeder, der Jesus aufrichtig sucht, wird Ihn finden. Doch wenn wir ihn finden, müssen wir bereit sein für die Konsequenzen, denn nichts wird mehr sein wie vorher.
Der Bischof zitiert den seligen Franz Jägerstätter, der sich nach einer wilden Jugend bekehrt hat und fortan ein vorbildliches christliches Leben führte: „Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, wie schmerzhaft es ist, als halbherziger Christ zu leben“. Er stellt fest, dass die Gläubigen versucht seien, ein halbherziges Christentum zu akzeptieren und ein doppeltes Leben zu führen: ein Mensch zu sein, wenn wir in der Kirche sind oder beten und ein anderer, wenn wir mit Freunden, Familie oder auf der Arbeit sind, um ja nicht aufzufallen. Dabei, so der Bischof, kann kaum etwas wichtiger sein als der Glaube, der zu tun hat mit der letztendlichen Bedeutung unseres Lebens. Dies seien die Dinge, über die wir reden müssen, wenn wir ein ganzes und ungeteiltes Leben in Jesus Christus leben möchten.
Wir sind innerhalb weniger Jahrhunderte von einer Welt, in der es unmöglich war, nicht an Gott zu glauben, zu einer Welt übergegangen, in der der Glaube an Gott nicht mehr nötig zu sein oder keinen Unterschied zu machen scheint. Der Mehrzahl der Menschen in unserer westlichen, „entwickelten“ Kultur können ihr ganzes Leben so zubringen, als würde Gott nicht existieren. Wohl dürfen wir unseren Glauben frei leben, zusammen beten und Messe feiern, aber die Massenmedien trichtern uns ständig ein, dass wir unsere religiösen Ansichten niemanden aufdrängen dürfen. Diese kuriose Idee wurde immer als vernünftige und aufgeklärte Art zu leben proklamiert. Du bist frei zu glauben, was du glauben möchtest, ich bin frei zu glauben, was ich glauben möchte und die Regierung stimmt damit überein, uns nicht vorzuschreiben, was wir zu glauben haben. Klingt nicht falsch.
Doch die Dinge sind nicht so vernünftig und aufgeklärt wie sie scheinen. Als Beispiel erwähnt Bischof Chaput die Afrika-Reise Papst Benedikts im März diesen Jahres (s. meinen Kommentar dazu): obwohl kaum jemand derart viel Geld und menschliche Hilfe in den Kampf gegen Aids investiert wie die katholische Kirche, wurde aufgrund der Aussage des Papstes, Kondome würden nicht helfen, das Problem dieser schrecklichen Epidemie zu bekämpfen - die im übrigen von führenden Wissenschaftlern der Aids-Forschung bestätigt wurde - die Lüge in den Medien verbreitet, der Papst wäre verantwortlich für den Tod von Millionen Afrikanern und die Haltung der Kirche würde eine Bedrohung für das öffentliche Gesundheitswesen darstellen. Der „Kult des Kondoms“ und die dahinter liegende Ideologie, dass Sex als fundamentales Bedürfnis der Menschen nicht hinterfragt werden darf, verhinderte jede öffentliche Diskussion und Verständnis für die Position des Papstes: Kondome auszuteilen vermittelt ein falsches Sicherheitsgefühl und ermuntert zu gerade jenen Verhaltensweisen, die Aids verbreiten.
Wir lernen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die religiöse Freiheit und den freien Austausch unterschiedlicher Ideen respektiert. Aber dem ist nicht so, wie das eben dargelegte Beispiel zeigt. Es kann tatsächlich so weit kommen, dass wir irgendwann auf legaler Basis daran gehindert werden, unsere Meinung öffentlich zu vertreten. Die Frage, die dann auftaucht, ist: „Wie werden wir in dieser neuen Welt leben? Wie können wir ein ‚neues Leben in Christus‘ in einem ungläubigen Zeitalter leben?“
Diese Frage können wir nur beantworten, wenn wir manche Dinge über das Christsein klarstellen. Dies bedarf jedoch der Klarstellung über die Person Jesu Christi. Heutzutage ist Jesus nicht mehr der Herr, der Sohn Gottes, sondern eher ein aufgeklärter, humanistischer Typ. Das Problem ist: Wenn Jesus nicht Gott ist, kann er nichts für uns tun. Dann ist das Evangelium nicht mehr als eine interessante Lebensphilosophie.
Wir müssen also daran glauben, dass Jesus der Sohn Gottes und Mariens ist, wahrer Gott und wahrer Mensch. Jesus ist nicht vom Himmel gekommen, um uns zu sagen, dass wir jeden Sonntag zur Messe gehen müssen oder dass wir mehr beten und freundlicher zu unseren Nachbarn sein sollen. Sogar Nichtgläubige können den Texten der Bibel entnehmen, dass es hier nicht um Kompromisse geht. Jesus will alles von uns, nicht nur am Sonntag. Er möchte, dass wir Gott mit ganzem Herzen lieben, mit ganzer Seele, mit all unserer Kraft unserem ganzen Geist. Er will, dass wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst. In anderen Worten: mit einer uneingeschränkten Liebe.
So müssen wir Christus beim Wort nehmen, Ihn lieben, als würde unser Leben davon abhängen. Jetzt. Ohne Ausreden. Christsein macht dein ganzes Wesen aus. Es bedeutet, dass dein Leben eine Aufgabe hat, es bedeutet, jeden Tag danach zu streben, ein besserer Nachfolger Jesu zu sein, Ihm immer ähnlicher zu werden in Wort und Tat, dort zu wachsen, wo Er dich hingepflanzt hat und das Evangelium durch dein Leben zu predigen, ob in der Schule, im Beruf oder zuhause.
Ein letzter Punkt: Liebe die Kirche, liebe sie als deine Mutter und deine Lehrerin. Hilf dabei, sie aufzubauen und zu reinigen. Wir alle werden wütend, wenn wir die Schwächen und Sünden innerhalb der Kirche sehen. Aber wir müssen immer bedenken, dass die Kirche weit, weit mehr ist als die Summe ihrer menschlichen Teile. Die Kirche ist die Braut Christi. Wo die Kirche ist, ist Jesus Christus - bis ans Ende der Tage. Und wir wollen immer dort sein, wo Jesus ist, denn es gibt keinen anderen Weg heim zu Gott außer durch Ihn.
Liebe die Kirche und wisse und ehre, was sie lehrt. Sie lehrt, woran Christus dich und jeden teilhaben lassen möchte, zu deinem Besten und für deine Erlösung. Wenn du weißt, was die Kirche lehrt, kannst du danach leben und die Lehre mit anderen teilen.
Die Führer unserer säkularisierten Gesellschaft wollen sich als große Humanisten ausgeben. Doch genau diese Gesellschaft rechtfertigt das Morden von Millionen Babys und die Verstümmelung von Embryonen im Laboratorium. Wir fertigen Behinderte und alte Menschen ab und nennen es „würdevolles Sterben“. Die Familie ist nicht mehr der Bund von Mann und Frau, der zu neuem Leben führt und somit zur Zukunft der Gesellschaft. Tatsächlich werden in den westlichen Ländern derart wenig Kinder geboren, dass man sich fragen muss, ob unsere Zivilisation ihren Überlebenswillen verloren hat.
Nur die Kirche erhebt sich gegen diese inhumanen Strömungen unserer Zeit. Es ist unsere Mission, als Laien sicherzustellen, dass Christi Lehre auf jeder Ebene unserer Gesellschaft verkündigt und erklärt wird: in der Politik, auf unserem Arbeitsplatz, in unserer Kultur. Dies erfordert wahrhaft Mut. Subtiler und weniger subtiler Druck wird ausgeübt, um Jesus loszuwerden und seine frohe Botschaft zu verwässern. Oder nur einzelnes aus seinen Lehren herauszupicken. Doch das können wir nicht tun. Verspreche Jesus, dass du der Lehre der Kirche nie durch deine Worte oder Taten widersprechen wirst.
Nur die Wahrheit kann den Menschen befreien. Diese Wahrheit ist Jesus Christus. Wenn wir unsere Mitmenschen wirklich lieben, wollen wir, dass sie die Wahrheit kennen. Die ganze Wahrheit. Nicht nur die Teile, die ihnen angenehm sind und sie nicht herausfordern.
Es ist wirklichen Christen nicht möglich, ein Doppelleben zu führen. Unser ganzes Denken und Handeln muss von unserem Glauben verwandelt werden oder wir werden zu Hypokriten.
Dies ist der Pfad zu einem neuen Leben in Christus: Nutze jeden Tag, um etwas für die Ewigkeit zu tun. Und die Zeit damit zu beginnen, ist jetzt.
Musik der Anbetung

Nun ist Gott sei Dank mit Papst Benedikt ein wahrer Kenner zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt worden, der sich auch immer wieder zu Problemen der Kirchenmusik geäußert hat. Einige dieser Schriften wurden 2008 von Franz Josef Stoiber im Herder Verlag in einem schönen Sammelband unter dem Titel „Im Angesicht der Engel“ veröffentlicht. Es ist erstaunlich, mit welcher Klarheit der „Mozart der Theologie“ (Kardinal Meisner) auch zu diesem Thema profunde Analysen vorgelegt hat.
Die Musik sollte in der Kirche erklingen, um Gott zu loben, nicht um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. „Liturgische Musik muss demütig sein; ihr Ziel ist nicht der Beifall, sondern die Erbauung.“ - „Musik, die Medium der Anbetung werden will, bedarf der Reinigung; nur so kann sie selbst reinigen und ‚erheben‘“.
Der Papst beruft sich auf den hl. Thomas von Aquin, wenn er schreibt:
„Loben ist selbst eine Bewegung, ein Weg; es ist mehr als Verstehen, Wissen, Tun - es ist das ‚Aufsteigen‘, Rühren an den, der im Lobgesang der Engel wohnt. (…) Solches Aufsteigen reißt den Menschen heraus aus dem, was gegen Gott steht. Wer die verwandelnde Macht großer Liturgie, großer Kunst, großer Musik je erfahren hat, weiß dies. Das tönende Lob führt uns und andere zur Ehrfurcht“ (…) und „weckt den inwendigen Menschen auf.“
Welcher Art sei nun dieses klingende Lob? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, muss man zuerst eine tieferes Verstehen für die Liturgie gewinnen: „Der Streit um die Kirchenmusik wird symptomatisch für die tiefere Frage, was Gottesdienst sei.“ Liturgie sei natürlich „für alle da. (…) Sie muss daher ‚einfach‘ sein. Aber das Einfache ist nicht das Billige. Es gibt die Einfachheit des Banalen, und es gibt die Einfachheit, die Ausdruck der Reife ist. In der Kirche kann es nur um diese zweite, die wahre Einfachheit gehen.“
Ein Problem sei das falsche Verständnis der „participatio actuosa“, die tätige Teilnahme des ganzen „Gottesvolkes“ an der Liturgie. „Aber dieser Begriff ist doch nachkonziliar einer fatalen Verengung verfallen. Es entstand der Eindruck, als ob tätige Teilnahme nur da vorliege, wo feststellbare äußere Aktivität - Reden, Singen, Predigen, liturgische Assistenz - vorliegt.“ Aber, „ist Vernehmen, Aufnehmen, Ergriffensein nichts Aktives“?
Ohne den Raum der Stille in der Liturgie kann die Seele ihr Herz nicht zu Gott erheben. Wer ständig in äußere Tätigkeiten wie aufstehen, setzen, knien, reden, singen usw. eingebunden ist, wird schwer innerlich zur Ruhe kommen können. Manchmal scheint es mir, als hätte man nicht nur in der säkularen Welt, sondern auch in der Kirche Angst vor allzu langer Stille und Schweigen. Wenn wir schweigen, heißt das noch lange nicht, dass Gott schweigt. Wir müssen hörende Christen werden. Um dorthin zu kommen, müssen wir den Weg der Reinigung gehen und das Hören sowohl von Musik als auch von Stille neu erlernen.
Dadurch wird unser Herz für Gott bereitet und wir werden nach und nach von selbst ein besseres Verständnis für den angemessenen Duktus einer Musik, die Gott in würdiger Weise preist, gewinnen können. Der Gläubige muss der heiligen Messe in einer Haltung tiefen inneren Gebets beiwohnen. Nur der wahre Beter kann „den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit“ (vgl. Joh 4,23).
Leider kann nicht jeder diesen Weg so einfach beschreiten. Was ist, wenn man nicht zur Ruhe kommen kann in der Messe, wenn es einem einfach nicht gelingt, das Herz zum Gebet zu erheben? Genau in diesem Fall kann die Kirchenmusik ihren höchsten Dienst erfüllen: „Sie legt den verschütteten Weg zum Herzen, zur Mitte unseres Seins frei, dahin, wo es sich mit dem Sein des Schöpfers und des Erlösers berührt. Wo immer dies gelingt, wird Musik die Straße, die zu Jesus führt; der Weg, auf dem Gott sein Heil zeigt.“
Eine liturgische Musik, die diesem Anspruch zweifelsohne gerecht wird, ist der Gregorianische Gesang. Leider haben viele Katholiken den Zugang zu dieser wahrhaft himmlischen Musik verloren. Das ist mehr als bedauerlich, darf aber nicht so einfach von unseren Bischöfen und Priestern hingenommen werden. Sie mögen unsere Pfarreien und besonders unsere Kirchenchöre an das II. Vatikanische Konzil erinnern, das in der Konstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ „den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang“ vorsieht, weshalb er „in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen“ soll. Ich stelle leider immer wieder fest, dass dem Gregorianischen Choral in unseren Kirchen oft der letzte Platz zugewiesen wird.
Nach dem Gregorianischen Choral kennt die Kirchenmusik in ihrer Tradition natürlich noch viele andere Gesänge, die in der Lage sind, das Herz der Gläubigen für Gott zu öffnen, seien es nun anspruchsvolle Chormessen oder einfache Gemeindelieder.
Abraten möchte ich jedoch vom Neuen Geistlichen Lied, das viel an Ehrfurcht in unserer Kirche zerstört hat. Gero Vehlow schreibt in seinem lesenswerten Buch „Maria in der Musik“: „In der Kirchenmusik hat es im Zeitraum von weniger als vier Jahrzehnten ein so starkes Absinken des Niveaus gegeben wie in keiner anderen musikalischen Gattung.“
Hier besteht ein viel zu wenig beleuchteter Zusammenhang zwischen u.a. dem Schwund der Mundkommunion, der Hochaltäre und Kniebänke und letztlich dem Glauben der Menschen im allgemeinen und der Einführung mehr und mehr „kreativer Elemente“ und „Zusammengebasteltem“ in der heiligen Liturgie der Kirche, die den Kirchgängern das Gefühl wahrer Anbetung immer fremder hat werden lassen. Poplieder und Neues Geistliches Lied sind ein Ausdruck dieser Strömung. Natürlich haben auch Einflüsse von außen, wie die wandelnden Wertvorstellungen der Gesellschaft und die falsche Definition von Freiheit zu dieser Entwicklung beigetragen. All dies kann ich hier nur kurz andeuten, da es sonst den Rahmen sprengen würde.
Bleibt zu hoffen, dass die untrennbare Verbindung zwischen Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten und ihrem würdigen Ausdruck durch die Sprache der Musik aufs Neue besonders von jungen Christen wiederentdeckt wird, damit die Kirche eine Neubelebung des Glaubens erfahre.
Die Kasel des Bischofs

Den Anfang machte Summorum Pontificum:
Das Liturgische Institut hat in der Vergangenheit vielmals die Grenze des Erträglichen überschritten. Ein „Gestaltungswettbewerb“ namens „LiturgieGewänder“ (sic!) entlockte unserem hoch geschätzten Kaplan Johannes Maria Schwarz einen lesenswerten Kommentar, der im April 2005 in den Amici-News erschienen ist:„Das Gewand, das der Bischof zu dieser feierlichen Gelegenheit trug, ist dem Vernehmen nach ein Geschenk des Domkapitels und entspricht zweifellos dem Geschmack des in Trier ansässigen Deutschen Liturgischen Instituts.“
Über die Kasel berichtet haben auch Mater amata, Elsa, Pater Siegfried und zu guter Letzt Karmelblume, der viele interessante Fotos zum Thema gesammelt hat (gut, auf das Bild von Williamson hätte ich verzichtet).„Genuin Christliches ist (in diesen Entwürfen) nämlich wenig zu finden – ein Vorteil, möchte man meinen, wenn man sich das Gotteshaus vielleicht mit Hindus teilen will – ach nein, das geht ja nicht, weil andere Religionen ihren Götzen, nicht das Billigste und Hässlichste vorsetzen.“
Man fragt sich, was in unserer Kirche los ist? Wo ist die Liebe zur heiligen, schönen Liturgie geblieben? Papst Benedikt XVI. hat vom „Frösteln“ gesprochen, „das einem die glanzlos gewordene nachkonziliare Liturgie einjagt“ und von der „Langeweile, die sie mit ihrer Lust zum Banalen wie mit ihrer künstlerischen Anspruchslosigkeit auslöst“ (aus: Im Angesicht der Engel, S. 17). Er bezieht sich in diesem Satz vorrangig auf die Kirchenmusik, aber die Ästhetik der Kasel steht mit der Ästhetik der Musik durchaus in Verbindung.
Eine kleine Anekdote am Rand: Ein Dechant veranstaltet anlässlich eines Fußballfestes demnächst eine Messe bei uns auf dem Sportplatz. Schade eigentlich, wenn man so eine schöne Kirche im Dorf hat. Muss man da aufs Fußballfeld ausweichen? Als Liedvorschläge für die Messe hat er mir Klassiker wie „Der Ball ist rund“, „Hier kommt die Welle, macht alle mit“ oder „Fi-Fa-Fußball ist ein Superspiel“ zukommen lassen. Die Ministranten sollen wohl in Trikots dienen. Da bleibt einem glatt die Spucke weg…
Geben wir vielleicht Papst Benedikt noch einmal das letzte Wort. Er scheint mir doch ein tieferes Verständnis von Liturgie zu haben als der besagte Dechant:
„Wo immer man bei liturgischen Besinnungen nur darüber nachdenkt, wie man Liturgie attraktiv, interessant, schön machen kann, ist Liturgie schon verfallen. Entweder ist sie Opus Dei mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht“ (aus der Ansprache des Papstes in Heiligenkreuz am 9. September 2009).
Kath.net beim Papst

Humor macht's erträglich

Die Schönheit der tridentinischen Liturgie

Krakau im Juli 2005: ein junger Priester ist zusammen mit mir und einigen anderen Pilgern am späten Nachmittag auf der Suche nach einer freien Kirche, um dort mit uns die Messe im tridentinischen Ritus zu feiern. Obwohl ich bereits bei einer so genannten „Alten Messe“ dabei gewesen bin, die mich damals nicht sonderlich berührt hat (was wohl u.a. am schlechten Gesang und an der weiten Entfernung zum Altar gelegen hat), steckt mich nun der Eifer meiner Freunde an. Etwas Besonderes scheint in der Luft zu liegen. Nach unzähligen Kirchen, in denen Messe gefeiert oder angebetet wird (wo gibt es das noch?!), finden wir dann endlich eine Kirche mit einer herrlichen barocken Seitenkapelle, die dem heiligen Hyazinth von Polen geweiht ist und in der uns gestattet wird, die heilige Messe zu feiern. Ein junger Mann in Soutane richtet erhaben schweigend alles für uns her.
Da keiner von uns zu ministrieren weiß, liest der Priester, der nach einigen Minuten der Sammlung nun prachtvoll gekleidet vor den Altar schreitet, alle Texte selbst, mal still, mal laut. Das gemurmelte Gebet und die Andacht der Anwesenden entrücken mich zusehends mehr. Ein Schleier scheint sich langsam und schwer vor mir zu erheben, so als ob ein Engel mich in die Heiligkeit und Schönheit dieses Ritus einführen wollte. Unscharf werden die Grenzen von Zeit und Raum und ich fühle mich in einen zeitlosen, göttlichen Lobpreis hineinversetzt. Die Anmut der Bewegungen des Priesters, das Ineinanderfließen der Gebete und Gesänge sowie die Schönheit der Kapelle erheben mein Herz gleichsam in einem göttlichen Dreiklang und öffnen es weit für diesen kostbaren Schatz der katholischen Kirche.
Es war eine heilige Messe, die ich nie wieder vergessen werde. Mit einem Schlag hatte ich verstanden, dass hier nicht der Priester einfach mit dem Rücken zum Volk die Messe für sich feiert, während wir Laien uns zwangsläufig langweilen müssten, teilnahmslos einem antiquierten Schauspiel beiwohnend. Nein, wir beteten gemeinsam zu Gott, unserem Herrn und Erlöser, jeder auf seine - seiner Berufung angemessene - Art.
Was das Ohr nicht versteht, erfasst das Herz auf mystische Weise. Später habe ich oft tridentinische Messen mit dem Schott mitgefeiert, so dass mir nach und nach viele Feinheiten und Schönheiten mehr erschlossen wurden. Auch die Vertrautheit mit dem Ablauf und den Texten des Neuen Ritus, oder des „ordentlichen Ritus“, wie wir diesen nun nennen dürfen, hat sehr dazu beigetragen, dass ich manches, was im „außerordentlichen Ritus“ schleierhaft erscheinen könnte, besser verstehen kann.
Ich glaube nicht, dass man den einen gegen den anderen Ritus gegeneinander ausspielen sollte, aber ich bin fest davon überzeugt, dass das Kennenlernen der „Alten Messe“ für jeden Katholiken, der die Kirche liebt, von enormem Wert sein kann. Wie viele Heilige vor uns die Messe in genau dieser Form geliebt und gefeiert haben, kann man gar nicht ermessen. Diese Messe erscheint mir im Gesamten als größtes und tiefstes geistiges Kunstwerk der Geschichte. Wer einmal die Größe und Schönheit der Tridentinischen Messe erfahren hat, wird nicht umhin kommen, jede Messe im „Novo Ordus Missæ“ an diesem „Modell“ zu messen. Ich liebe die Messe im Neuen Ritus, würde mir jedoch sehr wünschen, dass die Liturgie nach dem Missale von Papst Johannes XXIII. die Anerkennung erfahren würde, die ihr zusteht. Das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ Papst Benedikts XVI. vom 7.07.2007 ist ein großer und visionärer Schritt in diese Richtung. Möge die Intoleranz der Liberalen und die Unkenntnis der Unwissenden weichen zugunsten einer umfassenden Liebe für die zeitlosen Schätze der katholischen Kirche, zu der die Tridentinische Messe zweifellos zählt und immer zählen wird.
Warum der Papst Möhren empfiehlt

Am 7.7.2007 veröffentlichte Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. ein Motu Proprio demgemäß der Missstand in der katholischen Kirche abgeschafft werden soll, dass Priester eine Sondergenehmigung ihres Bischofs benötigen, um die heilige Messe in ihrer vorkonziliaren Form feiern zu dürfen.
Eine offensichtliche Abneigung gegenüber der tridentinischen Messe ist bei vielen geistlichen Würdenträgern, Priestern und Theologen festzustellen. Daraus resultiert oftmals eine Diskriminierung der Gläubigen innerhalb des Volkes Gottes, die sich vom so genannten „Alten Ritus“ angezogen fühlen.
Umso enttäuschender ist nun die Stellungnahme unseres Erzbischofs Fernand Franck, der die „Alte Messe“ als Schatz der katholischen Kirche und der christlichen Kulturgeschichte schlechthin nicht zu würdigen weiß, sondern in seinem zwei Drittel des Textes einnehmenden „Bekenntnis zur liturgischen Erneuerung“ fast ausschließlich die Vorzüge der erneuerten Liturgie gegenüber der tridentinischen Messe hervorhebt und dabei auch noch behauptet, dass „die von Papst Benedikt XVI. in seinem Brief vom 7. Juli 2007 an die Brüder im Bischofsamt erwähnten Entstellungen“ … „in Luxemburg gottlob selten sind“.
Folgende Begebenheiten sind keine Seltenheit, sondern stehen an der Tagesordnung in den Kirchen Luxemburgs: Man geizt am „Tisch des Gotteswortes“ und streicht mal Sonntags eine Lesung – entweder um Zeit zu sparen oder um sie durch ein Schauspiel zu ersetzen. Priester verändern hier und da die vorgegebenen Messtexte, mal wird der Friedensgruß weggelassen, mal am Hochgebet rumgebastelt, mal an möglichst vielen anderen Stellen versucht, kreativ zu sein. Kommunionhelfer werden eingesetzt, obwohl keine Notwendigkeit dazu besteht. Am Altar bedient man sich wie an einer Bar und taucht den Leib Christi eigenhändig in den Kelch mit dem Blute Christi ein. In vielen Kirchen Luxemburgs sind die Kniebänke entfernt worden, so dass sogar das Knien bei der Wandlung, was wenigstens hier noch die Ehrfurcht vor Gott in Seiner leiblichen Gegenwart zum Ausdruck bringen sollte, den meisten Gläubigen fremd geworden ist. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. „Wo immer man bei liturgischen Besinnungen nur darüber nachdenkt, wie man Liturgie attraktiv, interessant, schön machen kann, ist Liturgie schon verfallen. Entweder ist sie Opus Dei mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht.“ Diese Worte des Papstes anlässlich seines Besuchs im Zisterzienserstift Heiligenkreuz am 9. September 2007 treffen nicht nur auf die Gottesdienste außerhalb, sondern leider vielmals auch innerhalb Luxemburgs zu. Hier sollte man nicht die Augen verschließen.
Es sollen nun jene Priester streng überwacht werden, welche die Messe nach dem tridentinischen Ritus feiern wollen, um auf Nummer sicher zu gehen „dass die außerordentliche Form der Messe“ nicht als „Ausdruck bestimmter gesellschaftlicher oder politischer Positionen und Strömungen und somit als ‚Flagge‘ kirchenfremder Anliegen missbraucht wird“. Paradoxerweise wird zum Seelenheil der Gläubigen nicht sichergestellt, dass die Mitarbeiter der katholischen Kirche in Luxemburg treu zur Lehre der Kirche stehen. Es ist kein Geheimnis, dass Theologen in Luxemburg den Papst in seinem Engagement für den Erhalt traditioneller Werte ablehnen und hier eine neue Art der „integralen Spiritualität” zu kreieren versucht wird, die mehr mit Esoterik als mit gesundem katholischen Glauben zu tun hat.
Wer sich in Luxemburg nicht den modernistischen Strömungen des Zeitgeistes anpasst, wird von den so genannten Liberalen aufs Äußerste angegriffen und verleumdet. Dies ist die traurige Realität, die der Verfasser erlebt. Ich bekenne mich zum II. Vatikanum und zum ordentlich gefeierten „ordentlichen Ritus“. Der in der Theorie nie abgeschaffte und jetzt wieder frei zugänglich gemachte Tridentinische Ritus ist mir persönlich jedoch lieber und sollte in seiner Tiefe und seinem Reichtum den gläubigen Katholiken tatsächlich leichter zugänglich gemacht und auch schmackhafter und verständlicher nahe gebracht werden als dies Seine Exzellenz in der Stellungnahme vom 8. September 2007 getan hat.
Um es salopp auszudrücken: Wenn der Papst wieder mehr Möhren anbieten möchte, muss man jetzt nicht versuchen, um jeden Preis Kartoffeln zu verkaufen. Warum setzt sich der Papst für Möhren ein, welche Vitamine enthalten sie und wie wirken sich diese auf den (geistlichen) Organismus des Menschen aus? Das wären zu diesem Zeitpunkt meines Erachtens nach die entscheidenden Fragen.
Behüten statt verhüten

Ein Satz von Papst Benedikt hat wieder mal ausgereicht, dass ein Aufschrei des Entsetzens durch alle Welt geht. In diesem wilden Gebrüll gegen Papst Benedikt und gegen das, was offensichtlich weder verstanden noch hinterfragt wurde, ist es fast unmöglich, hinzuhören auf das, was der Papst wirklich vertritt. Aus diesem Grund werden tagtäglich unnötigerweise bissige, bösartige und zum Teil auch einfach dumme Kommentare auf der Welle der Anti-Papst-Bewegung veröffentlicht.
Der Papst könnte es sich leicht machen - wie leider viele Vertreter der Kirche es tatsächlich tun - er könnte die Lehre der katholischen Kirche verleugnen und Kondome als Schutz vor Aids empfehlen. Die Welt würde ihm vielleicht sogar ein wenig zujubeln.
Es scheint der Mehrheit der überaus aufgebrachten Menschenmenge zu entgehen, dass die Kirche eine der aktivsten und erfolgreichsten Hilfsorgane in den betroffenen Gebieten auf dem afrikanischen Kontinent bildet. Viele derjenigen, die in Worten fuchsteufelswild auf den Papst einschlagen, scheren sich in Wirklichkeit wenig um das Leid der Afrikaner und um die wahre Achtung vor dem Leben. Wer ist denn bereit, aktiv zur Linderung des Leides beizutragen, etwa durch monatliche Spenden oder gar durch einen Aufenthalt in Afrika? Ich kann nicht umhin, an unzählige Katholiken zu denken, an Geistliche, an Ordensschwestern, die auf eine Karriere und auf den Luxus, den sie in unseren Kulturkreisen gehabt hätten, verzichten, um vor Ort - ungesehen von unseren Medien - die Welt ein klein wenig zum Guten zu verändern.
Hätten der Papst und romtreue Katholiken nicht den Mut, sich heute noch für Enthaltsamkeit und eheliche Treue einzusetzen, wer würde diese Möglichkeit überhaupt in Erwägung ziehen und sie als schönste und idealste aller Vorstellungen von Sexualität leben und verkünden? Wahrscheinlich niemand.
Schauen wir einen Augenblick auf unsere „aufgeklärte“ und „fortschrittliche“ Gesellschaft, da das Stichwort „Kondome“ uns direkt anzusprechen scheint. Anders ist die Wucht der emotionalen Reaktionen auf die Aussagen des Papstes nicht zu erklären. Ein verantwortungsloser Umgang mit dem Geschenk der menschlichen Sexualität, eheliche Untreue, ein auf die reine Körperlichkeit beschränktes Verständnis von Sexualität sind auch bei uns für unsagbares Leid verantwortlich. Wir haben uns derart an häufige Partnerwechsel von Jugend an und an die erschreckend hohe Zahl von Scheidungen und Trennungen gewöhnt, dass wir scheinbar nicht mehr wahrnehmen, wie viel Schmerz und Verletzungen, Entfremdung und Misstrauen damit einhergehen. Unzähligen Scheidungskindern wird das Recht auf eine glückliche Kindheit in einer intakten Familie genommen. Unnötiges Leid fügen „Lebensabschnittspartner“ sich gegenseitig zu, weil sie die größere, heilige Dimension der Sexualität, für die die Kirche sich einsetzt, nicht verstehen und nicht leben. Wird unseren Kindern in diesem Umfeld später eine gesündere Partnerschaft, ein besseres Familienleben glücken?
Wir ignorieren ebenso den direkten Zusammenhang zwischen falsch gelebter Sexualität und Abtreibung. Das Abtreiben unschuldiger Menschenkinder ist fraglos der größte Skandal in unserer Gesellschaft, vor allem deswegen, weil die Aufklärungsarbeit hier in die gänzlich falsche Richtung geht und die wahren Werte in perverser Weise verdreht werden. Das Recht auf Töten wird als Freiheit der Frau propagiert. Präsident Obama, dem im Gegensatz zu Papst Benedikt die Welt frenetisch applaudiert, ist ein Vorreiter dieser menschenverachtenden Bewegung, über die unsere Nachfahren hoffentlich mit Entsetzen und Trauer in den Geschichtsbüchern lesen werden.
Kommen wir zum Papst-Interview während seines Flugs nach Afrika zurück: Papst Benedikt hat durch seinen Hinweis, dass „das Übel nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden“ kann, bekräftigt, dass die Kirche ein ganzheitliches Verständnis von körperlicher Liebe fördern möchte, das als Folge nicht nur einen drastischen Rückgang an HIV-Infizierungen haben könnte (und bereits hat!), sondern auch eine intaktere Gesellschaft, da letztlich nur gesunde Familien als „Keimzellen der Gesellschaft“ zu einer wirklich friedvollen und guten Gemeinschaft der Menschen untereinander dauerhaft beitragen können. Dass auf einem derart niedrigen und bösartigen Niveau über die Kirche geschimpft wird, ist ein gutes Beispiel für den Verlust wahrer Werte in unserer Kultur.
Durch das Verteilen von Präservativen wird das wahre Übel eben nicht bekämpft, sondern nur ein Symptom, und das auch erwiesenermaßen nie so wirksam wie eheliche Treue oder Abstinenz im Falle einer Infektion. Es wird eine falsche Botschaft ausgesendet, die auf Dauer das Problem nie an der Wurzel packen kann. Es sollte auch nicht übersehen werden, dass niemand sich vorschreiben lässt, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten oder seinem Partner die Treue zu wahren. Genau so wenig wird letzten Endes niemand - auch nicht in Afrika - sich sagen lassen, ob er Kondome benutzen darf oder nicht. Wieso also die ganze Aufregung? Vernehmen wir etwa eine leise Rührung des Gewissens? Wird vielleicht so laut gebrüllt, damit man den eigenen Lebenswandel nicht in Frage stellen muss?
Anstatt zu schimpfen, sollten wir dankbar sein, dass eine einsame Stimme in der Wüste noch den Mut hat, sich durch das Aussprechen der Wahrheit unpopulär zu machen. Es geht dem Papst auf einer tieferen Ebene um Behütung vor tragischem Leid. Hierzulande und in Afrika. Wer Ohren hat, der höre!