Advent
Weihnachtliches Ebay
22/12/09 15:40 Kategorie: Privat

So habe ich neulich eine Sammlung mit 14 Schumann-CD's um knapp 40 Euro angeboten. Nach drei Geboten ging die Sammlung für 45 Euro an eine Dame namens, hm, sagen wir Fuchs, um ihre Anonymität zu wahren. Leider war die Dame nicht so zufrieden und bemängelte, dass es 14 anstatt 15 CD's waren (wie ich versehentlich angegeben hatte) und dass mehrere CD's Kratzer aufweisen würden, und dabei hätte ich sie doch „in sehr gutem Zustand“ angeboten.
Gut, ich gebe zu, die CD's selbst habe ich mir nicht mehr so genau angeschaut, nachdem sie bei mir immer fehlerlos gelaufen sind und ich meinen vorsichtigen Umgang mit dem Medium CD ziemlich gut kenne. Allein eine Box von den vielen, die im Paket enthalten waren, kostet neu mehr als Frau Fuchs für alle zusammen gezahlt hat. Ich hätte also vermutet, dass sie sich riesig über so viele hervorragende Aufnahmen freuen würde. Nein, sie drohte mir mit entstehenden Anwalts- und Zivilprozesskosten.
Nun wusste ich allerdings nicht, was Frau Fuchs genau von mir wollte. Nach zwei oder drei Mailwechseln teilte sie mir dann ihre Bedingungen mit: entweder 20 Euro Preisnachlass oder ich überweise ihr das Geld, das sie gezahlt hat, plus 4 Euro Porto, damit sie sie zurückschicken kann. Nachdem ich ihrem Profil entnehmen hatte, dass sie über tausend Auktionen auf Ebay, scheinbar alle mit klassischer Musik, aufzuweisen hat, wurde mir klar, dass Frau Fuchs nicht klassische Musik liebt, sondern das Geld, das sie damit in ihrem „Nebenjob“ auf Ebay verdient.
Nun fing ich an, Mitleid zu bekommen. Muss das ein anstrengendes und tristes Leben sein, in dem man kurz vor Weihnachten wegen solcher Lappalien solch ein Theater macht! Wie durch ein Wunder blieb meine von mir erwartete Reaktion, nämlich ärgern und schimpfen, aus. Was auch gut war, schließlich war ich just an jenem Morgen zur Beichte. Ich bot Frau Fuchs an, ihr das Geld inklusive Porto und inklusive einem kleinen Weihnachtsgeschenk von 10 Euro zu überweisen (damit sich das Ganze doch noch ein klein wenig für sie lohne), und siehe da, es tat mir gar nicht weh. Im Gegenteil, die unnötige Wut blieb aus und ich fühlte mich frei.
Geben ist einfach seliger als nehmen. Ich habe das öfters - auch schmerzhaft - erfahren dürfen. Wenn jemand ungerechterweise fordert, hilft eine großzügige Erwiderung mehr als jeder erbitterte Kampf um Geld. Je nach Summe kann's natürlich schon weh tun, aber schaden tut sich der Unglückliche, der meint, durch Forderungen und Drohungen etwas Gutes für sich zu erreichen, am meisten selbst. Bei 50 Euro und ein paar wunderbaren Schumann-CD's fällt es nicht so schwer loszulassen. Da kann man Frau Fuchs sogar von Herzen ein glückliches Weihnachtsfest wünschen.
Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr finde ich, dass ich ihr die CD's schenken sollte. Vielleicht macht es sie sogar ein bisschen froh. Mal abwarten, was sie schreibt. Seit meiner letzten Nachricht an sie habe ich nichts mehr von ihr gehört…
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Pärts O-Antiphonen
20/12/09 08:00 Kategorie: Musik

Ich kann mich dem Bann dieser schlichten und doch so großartigen Musik nie entziehen und werde bei jedem Hören aufs neue von Pärts eindringlicher Musiksprache ergriffen. Arvo Pärt hat die Gabe des Wesentlichen in der Musik errungen. Errungen, ja, denn in den Schoß ist sie ihm nicht gefallen, wenn man seine Biografie liest: Pärt hat sich wie die meisten Komponisten seiner Generation der seriellen Avantgarde angeschlossen, um schließlich festzustellen, dass dieser Weg bereits am Ende der Sackgasse angelangt war. Nach dem Eintritt in die russisch-orthodoxe Kirche und mehreren Jahren des Schweigens erwuchs in ihm ein neuer, sehr einfacher, aber höchst konzentrierter Stil, den er als „Tintinnabuli“ bezeichnete, und der seine Werke so unverkennbar macht.
(Zitat Wikipedia)„Tintinnabuli“ (lat.) bedeutet Glöckchen. Gemeint ist das „Klingeln“ des Dreiklangs, dessen drei Töne das ganze Stück über mittönen. Das Ziel dieses Stils ist eine Reduktion des Klangmaterials auf das absolut Wesentliche.
Aber schauen wir weiter als auf die Person des Komponisten, nämlich auf die Botschaft seiner Kompositionen. Im Kern von Pärts Schaffen steht das Evangelium, die Frohe Botschaft unseres Erlösers Jesus Christus, der in den O-Antiphonen vielfältig umschrieben wird. So lautet der Text der heutigen Antiphon (20.12.):
O Schlüssel Davids,
Zepter des Hauses Israel,
du öffnest und niemand kann schließen,
du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen:
o komm und öffne den Kerker der Finsternis
und die Fessel des Todes.
Laufen im Advent
27/11/09 06:38 Kategorie: Gesundheit

In den letzten Jahren habe ich mich körperlich etwas „gehen lassen“, und ich spürte die Folgen immer deutlicher: Treppen steigen ging nicht mehr so leicht, nach einem schnellen Lauf war ich gleich außer Puste, mein Bauch war nicht mehr hinter dem Gürtel, wo er hingehört, sondern über dem Gürtel. Nicht nur, dass ich mich also körperlich weniger gut fühlte - das Wissen, dass ich eigentlich etwas für meine Gesundheit tun müsste, es aber nicht tat, zehrte auch an meinem Selbstbewusstsein.
Mitte September diesen Jahres war es dann soweit: ich war es leid, meinen Vorsatz, wieder mit dem Laufen anzufangen, Monat um Monat und Jahr um Jahr hinauszuschieben und ich überlegte mir einen Plan. Einfach drauf loszulaufen ist nicht so klug, wenn man keine Kondition mehr hat. Im Internet las ich vom „Couch to 5k“-Programm, einem Programm also, das verspricht, von der Couch auf 5 Kilometer laufen am Stück zu kommen. Glücklicherweise bin ich mit einem iPhone ausgestattet. Als Technikfreak war das für mich ein großer Motivationsfaktor, da es viele Fitnessprogramme für das iPhone gibt, die einem helfen, wieder in Form zu kommen. Natürlich geht es auch ohne das Wunderhandy. Den folgenden Abschnitt widme ich allerdings dem iPhone/iPod-Programm, das mich „gerettet hat“:
Get Running hat das „Couch to 5k“-Programm als Grundlage. Man kann nun Musik oder Podcasts hören, während Get Running unterwegs informiert, wie lange man gehen bzw. laufen soll (währenddessen wird die Musik kurz ausgeblendet). C25k besteht nämlich im Wesentlichen darin, dass man Gehphasen mit Laufphasen abwechselt, um so nach und nach die Ausdauer zu verbessern, ohne sich dabei jedoch zu überanstrengen und infolgedessen den guten Vorsatz aus Frust gleich wieder über Bord zu werfen. Die Stimme der „Trainerin“ ist sympathisch und motivierend, und ich freute mich mit jedem Mal mehr auf meinen morgendlichen Lauf.
Der Zeitaufwand ist übrigens recht gering: dreimal pro Woche ist man eine halbe Stunde an der frischen Luft. Soviel Zeit kann jeder aufbringen, dem es wichtig genug ist! Auch die Kälte und der Regen sollte man nicht als Ausrede gelten lassen: durch die Bewegung wird man schnell warm und eine gute Dusche nach dem Sport verhindert, dass man sich erkältet. Das Immunsystem wird gestärkt, man wird also mit der Zeit weniger anfällig für Krankheiten. Ich bemerkte sogar in den netten Nebeneffekt, dass mir die gleichen kalten Temperaturen immer weniger kalt vorkamen!
Eine andere, fantastische Konsequenz des Laufens war die wachsende Abneigung gegen die Zigaretten, von denen ich letztes Jahr wieder abhängig geworden war. Im Oktober zog ich diesbezüglich endlich einen Schlussstrich. Um dem Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören, den nötigen Ernst zu verleihen, informierte ich sogleich alle über's Internet - auch ein Weg, Twitter & Co. sinnvoll zu nutzen, dachte ich mir! Und es hat funktioniert: ich bin Nichtraucher. Außerdem habe ich meine Ernährung umgestellt. Es stehen viel mehr Obst und Gemüse, Getreide und Nüsse, aber viel weniger Süßes und Fettiges auf dem Speiseplan. Diese Umstellung kam auch mehr oder weniger natürlich zustande: durch die vermehrte körperliche Aktivität habe ich mehr Lust auf gesunde Nahrung bekommen.
Ich bin sehr dankbar für die vergangenen Monate, in denen ich mir und meinem Körper wieder ein gutes Stück näher gekommen bin. Zu laufen war für mich eine der besten und einflussreichsten Entscheidungen dieses Jahr. Ich möchte auch im Advent treu dabei bleiben und hoffe, dass viele andere mit mir fit in den Advent einsteigen werden.