Mendelssohn: Präludium und Fuge op. 35 Nr. 1
30/11/09 11:15 Kategorie: MusicMonday

1. Präludium
Mendelssohn: Präludium und Fuge op. 35 Nr. 1 - Präludium by davidianni
Das erste Präludium und die anschließende Fuge in e-Moll geben Zeugnis von Mendelssohns kontrapunktischer wie pianistischer Meisterschaft. Gebrochene Dreiklänge eröffnen in ungestümem Rauschen das großartige Präludium. Das Thema erklingt inmitten dieser Klangwellen, gespielt vom Daumen der rechten Hand. Nach einer virtuosen Steigerung beenden zwei harsche Akkorde das Präludium.
2. Fuge
Mendelssohn: Präludium und Fuge op. 35 Nr. 1 - Fuge by davidianni
Das emporstrebende Thema der Fuge wird in einer klassischen Exposition durch alle vier Stimmen vorgestellt und entwickelt. Inmitten der seufzenden Sekundenschritte des ersten Zwischenspiels (1’36’’) ertönt das Thema im Bass (1’50’’), während die Mittelstimmen das Tempo auf Sechzehntelnoten steigern und einen anstehenden Sturm erahnen lassen. Mendelssohn schreibt zusätzlich ein „accelerando“ vor. Bei 2’39’’ haben wir ein deutlich schnelleres Tempo erreicht und das Thema wird nun in seiner Umkehrung weiterverarbeitet. Ab 3’23’’ erhöht eine unhaltbare Sechzehntelbewegung in den verschiedenen Stimmen um das umgekehrte Thema die Spannung, bis bei 4’08’’ das Thema wieder in seiner ursprünglichen Gestalt, jedoch in vollkommen verschiedenem Duktus wieder erklingt: ungleich bewegter und extrovierter als zu Anfang. Der Dominant-Orgelpunkt, der das Ende einläutet, wird bei 4’20’’ erreicht. Hier werden Fetzen des Themas in den Sog der Musik hineingeworfen, bis das oktavierte Thema sich im Bass durchsetzt (4’38’’) und in virtuosen Oktav- und Akkordkaskaden dem endgültigen Höhepunkt der Fuge entgegenstrebt: dem strahlenden Choral in E-Dur (5’02’’), in dem sich die ganze Spannung des Vorhergehenden entlädt. Gegen Ende kehrt das Thema zurück (5’43’’), diesmal allerdings in E-Dur, verklärt und eingebettet in typisch mendelssohnsche Harmonien, voll Wärme und Schönklang.