Sep 2007
Warum der Papst Möhren empfiehlt
24/09/07 07:00 Kategorie: Kirche

Am 7.7.2007 veröffentlichte Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. ein Motu Proprio demgemäß der Missstand in der katholischen Kirche abgeschafft werden soll, dass Priester eine Sondergenehmigung ihres Bischofs benötigen, um die heilige Messe in ihrer vorkonziliaren Form feiern zu dürfen.
Eine offensichtliche Abneigung gegenüber der tridentinischen Messe ist bei vielen geistlichen Würdenträgern, Priestern und Theologen festzustellen. Daraus resultiert oftmals eine Diskriminierung der Gläubigen innerhalb des Volkes Gottes, die sich vom so genannten „Alten Ritus“ angezogen fühlen.
Umso enttäuschender ist nun die Stellungnahme unseres Erzbischofs Fernand Franck, der die „Alte Messe“ als Schatz der katholischen Kirche und der christlichen Kulturgeschichte schlechthin nicht zu würdigen weiß, sondern in seinem zwei Drittel des Textes einnehmenden „Bekenntnis zur liturgischen Erneuerung“ fast ausschließlich die Vorzüge der erneuerten Liturgie gegenüber der tridentinischen Messe hervorhebt und dabei auch noch behauptet, dass „die von Papst Benedikt XVI. in seinem Brief vom 7. Juli 2007 an die Brüder im Bischofsamt erwähnten Entstellungen“ … „in Luxemburg gottlob selten sind“.
Folgende Begebenheiten sind keine Seltenheit, sondern stehen an der Tagesordnung in den Kirchen Luxemburgs: Man geizt am „Tisch des Gotteswortes“ und streicht mal Sonntags eine Lesung – entweder um Zeit zu sparen oder um sie durch ein Schauspiel zu ersetzen. Priester verändern hier und da die vorgegebenen Messtexte, mal wird der Friedensgruß weggelassen, mal am Hochgebet rumgebastelt, mal an möglichst vielen anderen Stellen versucht, kreativ zu sein. Kommunionhelfer werden eingesetzt, obwohl keine Notwendigkeit dazu besteht. Am Altar bedient man sich wie an einer Bar und taucht den Leib Christi eigenhändig in den Kelch mit dem Blute Christi ein. In vielen Kirchen Luxemburgs sind die Kniebänke entfernt worden, so dass sogar das Knien bei der Wandlung, was wenigstens hier noch die Ehrfurcht vor Gott in Seiner leiblichen Gegenwart zum Ausdruck bringen sollte, den meisten Gläubigen fremd geworden ist. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. „Wo immer man bei liturgischen Besinnungen nur darüber nachdenkt, wie man Liturgie attraktiv, interessant, schön machen kann, ist Liturgie schon verfallen. Entweder ist sie Opus Dei mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht.“ Diese Worte des Papstes anlässlich seines Besuchs im Zisterzienserstift Heiligenkreuz am 9. September 2007 treffen nicht nur auf die Gottesdienste außerhalb, sondern leider vielmals auch innerhalb Luxemburgs zu. Hier sollte man nicht die Augen verschließen.
Es sollen nun jene Priester streng überwacht werden, welche die Messe nach dem tridentinischen Ritus feiern wollen, um auf Nummer sicher zu gehen „dass die außerordentliche Form der Messe“ nicht als „Ausdruck bestimmter gesellschaftlicher oder politischer Positionen und Strömungen und somit als ‚Flagge‘ kirchenfremder Anliegen missbraucht wird“. Paradoxerweise wird zum Seelenheil der Gläubigen nicht sichergestellt, dass die Mitarbeiter der katholischen Kirche in Luxemburg treu zur Lehre der Kirche stehen. Es ist kein Geheimnis, dass Theologen in Luxemburg den Papst in seinem Engagement für den Erhalt traditioneller Werte ablehnen und hier eine neue Art der „integralen Spiritualität” zu kreieren versucht wird, die mehr mit Esoterik als mit gesundem katholischen Glauben zu tun hat.
Wer sich in Luxemburg nicht den modernistischen Strömungen des Zeitgeistes anpasst, wird von den so genannten Liberalen aufs Äußerste angegriffen und verleumdet. Dies ist die traurige Realität, die der Verfasser erlebt. Ich bekenne mich zum II. Vatikanum und zum ordentlich gefeierten „ordentlichen Ritus“. Der in der Theorie nie abgeschaffte und jetzt wieder frei zugänglich gemachte Tridentinische Ritus ist mir persönlich jedoch lieber und sollte in seiner Tiefe und seinem Reichtum den gläubigen Katholiken tatsächlich leichter zugänglich gemacht und auch schmackhafter und verständlicher nahe gebracht werden als dies Seine Exzellenz in der Stellungnahme vom 8. September 2007 getan hat.
Um es salopp auszudrücken: Wenn der Papst wieder mehr Möhren anbieten möchte, muss man jetzt nicht versuchen, um jeden Preis Kartoffeln zu verkaufen. Warum setzt sich der Papst für Möhren ein, welche Vitamine enthalten sie und wie wirken sich diese auf den (geistlichen) Organismus des Menschen aus? Das wären zu diesem Zeitpunkt meines Erachtens nach die entscheidenden Fragen.
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Die Schönheit der tridentinischen Liturgie
14/09/07 07:00 Kategorie: Frommes

Krakau im Juli 2005: ein junger Priester ist zusammen mit mir und einigen anderen Pilgern am späten Nachmittag auf der Suche nach einer freien Kirche, um dort mit uns die Messe im tridentinischen Ritus zu feiern. Obwohl ich bereits bei einer so genannten „Alten Messe“ dabei gewesen bin, die mich damals nicht sonderlich berührt hat (was wohl u.a. am schlechten Gesang und an der weiten Entfernung zum Altar gelegen hat), steckt mich nun der Eifer meiner Freunde an. Etwas Besonderes scheint in der Luft zu liegen. Nach unzähligen Kirchen, in denen Messe gefeiert oder angebetet wird (wo gibt es das noch?!), finden wir dann endlich eine Kirche mit einer herrlichen barocken Seitenkapelle, die dem heiligen Hyazinth von Polen geweiht ist und in der uns gestattet wird, die heilige Messe zu feiern. Ein junger Mann in Soutane richtet erhaben schweigend alles für uns her.
Da keiner von uns zu ministrieren weiß, liest der Priester, der nach einigen Minuten der Sammlung nun prachtvoll gekleidet vor den Altar schreitet, alle Texte selbst, mal still, mal laut. Das gemurmelte Gebet und die Andacht der Anwesenden entrücken mich zusehends mehr. Ein Schleier scheint sich langsam und schwer vor mir zu erheben, so als ob ein Engel mich in die Heiligkeit und Schönheit dieses Ritus einführen wollte. Unscharf werden die Grenzen von Zeit und Raum und ich fühle mich in einen zeitlosen, göttlichen Lobpreis hineinversetzt. Die Anmut der Bewegungen des Priesters, das Ineinanderfließen der Gebete und Gesänge sowie die Schönheit der Kapelle erheben mein Herz gleichsam in einem göttlichen Dreiklang und öffnen es weit für diesen kostbaren Schatz der katholischen Kirche.
Es war eine heilige Messe, die ich nie wieder vergessen werde. Mit einem Schlag hatte ich verstanden, dass hier nicht der Priester einfach mit dem Rücken zum Volk die Messe für sich feiert, während wir Laien uns zwangsläufig langweilen müssten, teilnahmslos einem antiquierten Schauspiel beiwohnend. Nein, wir beteten gemeinsam zu Gott, unserem Herrn und Erlöser, jeder auf seine - seiner Berufung angemessene - Art.
Was das Ohr nicht versteht, erfasst das Herz auf mystische Weise. Später habe ich oft tridentinische Messen mit dem Schott mitgefeiert, so dass mir nach und nach viele Feinheiten und Schönheiten mehr erschlossen wurden. Auch die Vertrautheit mit dem Ablauf und den Texten des Neuen Ritus, oder des „ordentlichen Ritus“, wie wir diesen nun nennen dürfen, hat sehr dazu beigetragen, dass ich manches, was im „außerordentlichen Ritus“ schleierhaft erscheinen könnte, besser verstehen kann.
Ich glaube nicht, dass man den einen gegen den anderen Ritus gegeneinander ausspielen sollte, aber ich bin fest davon überzeugt, dass das Kennenlernen der „Alten Messe“ für jeden Katholiken, der die Kirche liebt, von enormem Wert sein kann. Wie viele Heilige vor uns die Messe in genau dieser Form geliebt und gefeiert haben, kann man gar nicht ermessen. Diese Messe erscheint mir im Gesamten als größtes und tiefstes geistiges Kunstwerk der Geschichte. Wer einmal die Größe und Schönheit der Tridentinischen Messe erfahren hat, wird nicht umhin kommen, jede Messe im „Novo Ordus Missæ“ an diesem „Modell“ zu messen. Ich liebe die Messe im Neuen Ritus, würde mir jedoch sehr wünschen, dass die Liturgie nach dem Missale von Papst Johannes XXIII. die Anerkennung erfahren würde, die ihr zusteht. Das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ Papst Benedikts XVI. vom 7.07.2007 ist ein großer und visionärer Schritt in diese Richtung. Möge die Intoleranz der Liberalen und die Unkenntnis der Unwissenden weichen zugunsten einer umfassenden Liebe für die zeitlosen Schätze der katholischen Kirche, zu der die Tridentinische Messe zweifellos zählt und immer zählen wird.